Ein ausgezeichneter Artikel, Tina, sehr gut von der Online-Zeitung
Schattenblick recherchiert!
Der Beitrag beleuchtet praktisch alle Aspekte der
Xylella-Fastidiosa-Katastrophe. Umso bemerkenswerter, weil er schon am 15.08.2015 publiziert wurde, also zu einer Zeit, als das Thema "Feuerbakterium" in Deutschland eher nur in Fachkreisen bekannt war.
Wie war das damals bei euch? War das von Anfang an ein großes Thema bei den Olivenbauern in eurer Gegend oder wurde das Ausmaß erst peu à peu publik oder gar von den Behörden unter den Teppich gekehrt?
Auch hier tat man sich schwer damit, das Vorhandensein der Bakterie zu akzeptieren, trotz sehr deutlicher Hinweise eines Landwirts:
- Wie el mundo am 23.7.2017 berichtete, hat der Mandelbauer Ponsoda bereits 2012 die Kooperative über den Zustand seiner Mandelbäume informiert. Man tippte dort auf Trockenheit oder Nährstoffmangel. Doch auch durch Düngen konnte das Baumsterben nicht verhindert werden.

- Blätter
Im August 2015 meldete Ponsoda der Conselleria de Medio Ambiente, dass seine Mandelbäume von ähnlichen Symptomen befallen seien wie die Olivenbäume in Apulien. Sein Mandelertrag sei von 2 Tonnen auf 400 kg zurückgegangen, er beobachte die explosionsartige Zunahme welker Blätter und trockener Äste - seine Bäume trockneten einfach aus, so seine Aussage.
Nun kam tatsächlich jemand von der Behörde und meinte, da die Bäume zu der Jahreszeit kaum Saft hätten, würde man im Frühjahr wieder kommen und Analysen zu machen. Doch erst im April und Mai 2017 kehrten die Techniker der Extensión Agraria zurück, um Proben zu nehmen. Nun kam der Stein endlich ins Rollen: Man teilte dem Landwirt mit, dass seine Felder desinfiziert würden. Am 3.7.2017 kam TRAGSA mit Schreddern. Ohne weitere Erklärung wurden 150 Bäume entwurzelt und öffentlich bekannt gegeben, dass die Xylella fastidiosa auf dem spanischen Festland angekommen sei.

- Schredder
Dass die Bakterie über neue Pflanzen in die Region eingeschleppt wurden, glaubt der Eigentümer der Parzelle nicht, denn seine Bäume hätten alle ein Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Er meint, im ganzen Tal von Callosa d'En Sarrià bis Confrides würde man Mandelhaine mit denselben Symptomen finden, hauptsächlich auf verlassenen Terrassen.
Seit dem obigen Artikel der Redaktion Schattenblick sind mehr als drei Jahre vergangen.
Doch was passierte seidem?
Zwischen 2015 und 2018:
1.) Die
Europäische Union (EU) hält eine Etablierung des Einzellers als Quarantäneschaderreger durchaus für möglich und hat sich vor einem Jahr zur Xyllela f. geäußert, ihre Stellungnahme ist nicht gerade ermutigend:
- "Auf den Balearen müsste die Insel Mallorca dem Erdboden gleichgemacht werden, um dem Ausrottungsprotokoll nachzukommen, während in [der Provinz] Alicante ein Teil der Marina Baixa zerstört werden müsste, um den europäischen Vorschriften zu entsprechen."
Quelle: El Confidencial erschienen am 16.08.2017
2.) Die
Xylella fastidiosa breitet sich seitdem munter mit ihren verschiedenen Unterarten rund um das Mittelmeer aus:
Italien
Im Oktober 2013 meldeten die italienischen Behörden der Kommission den ersten Ausbruch der Unterart
X. fastidiosa pauca im Süden von Apulien an. Befallen sind hauptsächlich Olivenbäume, auch in den festgelegten Pufferzonen.
Frankreich:
Im Juli 2015 meldeten die französischen Behörden der Kommission den ersten Ausbruch der
Unterart X. fastidiosa multiplex auf Korsika an. Da
X. fastidiosa als etabliert gilt, wurde das gesamte Gebiet Korsikas am 14. Dezember 2017 zum Einschlussgebiet erklärt.
Das Vorhandensein von
X. fastidiosa subsp. pauca wurde in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur (Menton) nachgewiesen.
Deutschland
(gilt offiziell als ausgerottet)
Im Juni 2016 meldeten die deutschen Behörden einen isolierten Befund der Unterart
Xylella fastidiosa fastidiosa in einer Topfpflanze mit Oleander in einem Gewächshaus einer kleinen sächsischen Baumschule. am 9. März 2018 erklärten die Behörden die Beseitigung des Ausbruchs und die Aufhebung des abgegrenzten Gebiets.
Spanien
Im Oktober 2016 meldeten die spanischen Behörden der Kommission den ersten Ausbruch der Unterart
Xylella fastidiosa fastidiosa an drei jungen Kirschbäumen in einem Gartencenter auf Mallorca an.
Seitdem wurden auf den Balearen eine Reihe von Ausbrüchen festgestellt, was zur Entdeckung verschiedener Unterarten führte:
X. fastidiosa Unterart fastidiosa wurde auf Mallorca festgestellt,
X. fastidiosa Unterart multiplex auf Mallorca und Menorca und
X. fastidiosa Unterart pauca auf Ibiza. Die Unterart pauca gilt als die aggressivste.
Da
X. fastidiosa inzwischen als auf den Inseln etabliert gilt, wurde das gesamte Gebiet der Balearen am 14. Dezember 2017 zum Einschlussgebiet erklärt. Seit 2008 sollen an die 100.000 Mandelbäume auf Mallorca abgestorben sein!
Am 30. Juni 2017 meldeten die spanischen Behörden das Vorhandensein von
X. fastidiosa subsp. multiplex in der Provinz Alicante. Hier wurden bisher acht verschiedene Ausbrüche des Schädlings festgestellt, betroffen sind etwa 200 Parzellen in 22 Gemeinden der Landkreise Marina Baixa, Marina Alta und El Comtat, wo nicht nur das Fällen der kranken Bäume, sondern die Vernichtung der gesamten vorhandenen Vegetation im Umkreis von 100 Metern geplant ist. 16.620 Mandelbäume wurden bis Juli bereits geschreddert, 55.800 weitere Bäume sollen noch gerodet werden, (Stand 23. Juli 2018),
Quelle
Am 10. April 2018 haben spanische Behörden auch das erste Auftreten von
Xylella auf einer Olivenpflanze im Freiland auf dem spanischen Festland in der Autonomen Region Madrid gemeldet.
Mitte April 2018 wurde das Bakterium in einer Baumschule in Andalusien festgestellt. Dort ist man natürlich in höchster Alarmbereitschaft, denn Andalusien ist die größte Olivenöl produzierende Region Spaniens mit 930.000 Tonnen pro Jahr. Das entspricht fast einem Drittel Weltproduktion.
Griechenland
Griechenland ist das einzige der drei größten Olivenöl produzierenden Länder in Europa und weltweit, das bisher offiziell noch nicht von Xylella fastidiosa befallen ist. Dort befindet man sich jedoch nach den jüngsten Vorfällen in Spanien in höchster Alarmbereitschaft.
Anmerkung:
Es gibt 4 Unterarten der Bakterie
Xylella fastidiosa:
- Xylella fastidiosa subsp. fastidiosa, die nur 5 Pflanzenarten befällt, u. a. Mandel- und Akazienbäume
- Xylella fastidiosa subsp. multiplex, die bei ungefähr 300 verschiedene Wirtspflanzen vorkommen kann, z. B. in Oliven- und Mandelbäumen, Zitrusfrüchten, Weinreben, Steinobst und auch Zierpflanzen wie Rosmarin oder Lavendel, Oleander, aber auch Birnen, Pflaumen, Avocados usw.
- Xylella fastidiosa subsp. pauca befällt Zitruspflanzen, Mandel- und Olivenbäume, Oleander usw.
- Xylella fastidiosa subsp. sandyi befällt Oleander