Fatales Schulsytem

Schulsystem. Freizeitgestaltung mit Kindern, Tipps für Urlaub mit Kindern
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weltenbummlerin1970
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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von weltenbummlerin1970 » Mi 14. Nov 2012, 22:11

TorreHoradada hat geschrieben:Oliva,

Aber das ist ein Stück mitdenken in die Zukunft. Und dazu gehört sich mit dem Bildungssystem des betreffenden Landes zu beschäftigen. Nicht jede Eventualität kann man berücksichtigen, im Falle Spanien hätte man aber seit ca. 2003 / 2004 schon mit normalem Menschenverstand und ein wenig Weitblick den heutigen Stand erahnen und vorhersehen können.
dem stimme ich nicht zu, nicht, was das spanische bildungssystem an sich angeht.
teils stimme ich dem zu, was die jugendarbeitslosigkeit betrifft.

noch praezisiert bzgl. der sprachenvielfalt meiner tochter:
deutsch, englisch, spanisch, französisch
mundart/dialekt: hochdeutsch, plattdütsch, schwaebisch, basler mundart, valenciano

Marybell
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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Marybell » Mi 14. Nov 2012, 22:29

Auf zur Steinigung,Torre ;)

Selbstverständlich sollte man sich über alles informieren,wenn man/frau auswandert und nichts ist fataler als seine Kinder aus der Schule oder gar der Ausbildung in Deutschland herauszureissen...aber wir z.B. leben 10Jahre hier,meine Kinder sind 8 und 10 und besuchen eine halbprivate Schule (concertado)Ich denke,ich habe alles richtig gemacht und wie ich schrieb:
Sollte sich die Situation drastisch ändern,werden wir auch gehen.
...woher du allerdings die Info hast, dass Deutschland über eines der besten Schulsysteme verfügt,weiss ich nicht....ich hätte,als Lehrerin und Pädagogin auch in Deutschland sicher jede Menge zu meckern!
Ach ja, heute fiel den 3.Tag die Schule aus-wegen Regens!
ciao Marybell

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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Range » Mi 14. Nov 2012, 22:40

Geschätzter Torre

Genau da treffen wir uns, was nützt es wenn man Wissen gerne weiter geben würde, nur das Gehör fehlt eben.
Betrachte ich die letzte 16 Jahre und damit der die 4 Lehrbegänger,das sind Welten über die ich mir wohl noch heute Gedanken mache, nur ändern kann und will ich dies nicht mehr.
Heute tut mir das oft weh, indem ich jungen meine Etrfahrungen gerne mitteilen möche, nur hört keiner mehr zu.
Irgend wann wird jeder mal Müde und das bedauere ich heute sehr, das viele den Alten nich mehr zuhören.


LG Range (Heinz)

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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von TorreHoradada » Mi 14. Nov 2012, 23:25

Weltenbummlerin - 4-sprachig auf einer staatlichen spanischen Schule? - Wenn ja dann ist es erfreulich.

Heinz - klar. Ich führe es gleich noch für Marybell noch aus. Die Leute haben keine Aufnahmekapazitäten mehr.

Marybell - sicher gibt es an jedem System etwas zu meckern und ich möchte überhaupt nicht behaupten, dass das deutsche Schulsystem das NonPlusUltra ist. Das hat ja auch die PISA-Studie gezeigt. Aber warum gibt es solche Unterschiede?

Wir haben ein klassifiziertes Schul- und Duales Bildungssystem. Gerade das Ausbildungssystem ist vorbildlich. Leider wird an dem klassischen Schulsystem geschraubt weil die Wirtschaft forderte die gesamte Schul- und Ausbildungszeit zu verkürzen. Deshalb kam das G8. Mittlerweile soll das auch wieder abgeschafft werden weil ( und jetzt rate mal wer das fordert ) die Wirtschaft die Unterschiede erkannt hat. Kamen früher junge Akademiker in die Firmen waren sie ca. 25 Jahre alt und leicht Lebenserfahren, ich würde mal sagen Erwachsen. Heute kommen die mit 20 / 21 in die Firmen und sind noch nicht fertig. Fehlendes Wissen und fehlende Erfahrung, den Beruf früh und unvorbereitet gewählt.

Weiterhin haben wir in Deutschland die Lehrstoffvermittlung als pures auswendig lernen. Dann wird abgefragt und wem es gerade einfällt der bekommt eine gute Note. Es wird aber kein Denken vermittelt. Das erkennen von Zusammenhängen, die Hinterfragung von Sachverhalten. - Es ist eraubt den Taschenrechner zu benutzen, das Kopfrechnen ( eine reine Übungssache ) verkümmert ( kann ich als Kaufmann leider nicht nachvollziehen ).

Wir haben (noch) die Einteilung in Haupt- , Real- und Oberschule (Gymnasium) was den unterschiedlichen IQ und / oder aktueller Lernmöglichkeiten der Schüler entspricht. Was wir nicht (mehr) haben ist die Berufswelt dazu. Die Produktionsbetriebe wo meist Hauptschüler eine Arbeitsstelle fanden sind ins Dumpinglohnausland verlagert. Der Mittelstand als noch tragende Säule der deutschen Wirtschaft wird immer mehr drangsaliert und abgewürgt. Hier waren meist die handwerklichen Berufe aber auch andere Mittelständische Unternehmen, die im sozialen Tätigkeitsfeld, im Kaufmännischen und auch im Dienstleistungsbereich Tätigkeitsfelder und Ausbildungsstellen zur Verfügung stellten. Mit einem Abschluss der mittleren Reife / Realschule war man früher hier gut aufgehoben und konnte Karriere machen. Und die Akademiker, die sich meist die technischen Grosskonzerne als Arbeitgeber aussuchten.

Heutzutage hat sich alles in Richtung Akademiker ausgerichtet. Die Wirtschaft hat es eingefordert. Der Mittelstand muss mitziehen und hat die Ansprüche hochgeschraubt. Weil es auch in diesem Berufsektor immer spezieller wird. Die Verlierer sind die jungen Menschen, die es nicht schaffen das Abitur zu bestehen.

Liegt das nun am deutschen Schulsystem oder an der Unfähigkeit der Politik entsprechend das Bildungssystem und / oder Gesellschaftssystem umzustellen?

Den jungen Menschen wird doch tälich vorgemacht was man werden muss. Banker und Vorstände / Aufsichtsräte / Manager (Nieten in Nadelstreifen), die schaufeln sich die Taschen voll und müssen nicht für ihre Fehler haften.
Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst du, oh Mensch, sei Sünde,
mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde

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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von hada » Do 15. Nov 2012, 09:47

Meine Tochter geht hier in Alicante in einer ländlichen Gegend auf eine relativ kleine, öffentliche Schule. Spanier-Anteil sicher über 95%. Und wir sind eigentlich sehr zufrieden. Natürlich mäkeln wir ab und zu, aber wenn ich dann mit meiner Schwester in der Schweiz telefoniere, höre ich oft: "Aber das ist hier genauso!"
Ich durfte ja das hochgelobte Schweizer Schulsystem geniessen... und was soll ich sagen... wenn ich mir überlege, was von all den Schulstunden hängengeblieben ist, dann ist es doch recht, recht dürftig, wenn nicht sogar zum Schämen. Meine Hassfächer waren: Physik, Chemie, Geometrie und Mathematik. Der Stoff interessierte mich (damals) nicht, war zu abstrakt und die Lehrer spulten ihr Programm ab, ohne Begeisterung und wirkliches Interesse für die einzelnen Schüler. Meine Lieblingsfächer: Sprachen, wobei gerade die Lehrer in diesen Fächern mich begeistern konnten.
Ich denke, jeder ist für eine erfolgreiche Schullaufbahn verantwortlich: Schulsystem, Lehrer, Eltern und auch die Schüler selbst ab einem gewissen Alter.
Hier in Spanien unterrichte ich Ingenieure und alles sind ganz clevere, aufgeweckte und interessierte junge Leute. Auch in meinem Umfeld sind viele Spanier mit Uni-Abschluss, und ich denke nicht, dass ich ihrem Wissenstand überlegen bin :d Also, man sollte nicht alle über einen Kamm scheren.
Für mich kommt im Moment auch überhaupt nicht in Frage wieder in die Schweiz zurückzukehren, nur weil ich hier mit dem Schulsystem nicht ganz zufrieden bin. Bildung ist extem wichtig, aber Bildung wird nicht nur in der Schule vermittelt und das Leben besteht aus so viel mehr als nur Schule! Was mir viel mehr Sorgen bereitet, ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Das wäre ein Grund, mein Kind irgendwann in die alte Heimat oder ein anderes Land zu schicken.
Betreff Elternabend: 18 Schüler, 10 Eltern waren am Mittag anwesend (einige arbeiten ja doch), aber auch hier meinte die Lehrerin, sie fände es toll, dass so viele erschienen seien, sie hätte schon Eltern"abende" gehabt, da sei kein einziger Elternteil aufgetaucht.
Betreff Sparmassnahmen: Allgemein wird in Spanien im Moment an den falschen Stellen gespart. Am Schulsystem zu sparen, ist meiner Meinung nach fatal und trotzdem: einige Sparmassnahmen kann ich nachvollziehen. Ein Beispiel: Meine Tochter hatte hier im Kindergarten ihre Lehrerin, zudem gab es für die ganze Kindergartenstufe (3 Klassen) 3 Hilfslehrerinnen (weiss jetzt die genaue Bezeichnung nicht mehr). Wenn die Lehrerin gerade "etwas" erledigen musste, übernahm eine der Hilfslehrerinnen die Klasse und das kam so oft vor, dass meine Tochter grobgesagt von vier Lehrerinnen abwechselnd unterrichtet wurde. Die Stellen dieser Hilfslehrerinnen wurden jetzt gestrichen, so dass jede Klasse nur noch einen Lehrer (abgesehen von Sport-, Musik-, und Englischlehrer) hat, was meiner Meinung nach auch genügt.
So, das war meine Erfahrung zu dem Thema...

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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von weltenbummlerin1970 » Do 15. Nov 2012, 11:33

wo noch ist es uns und unseren kindern geboten, so multikulti aufzuwachsen wie hier, an der spanischen kueste?

wer das zu nutzen weiss, der kann auch seinen kindern nichts besseres bieten, denn ohne sprachen ist gerade die jugend verloren - siehe spanien, wo die meisten sich mit dem englischen eher abquaelen als verstaendlich ausdruecken, trotz english-stunde ab der infantil-stufe 4, was braucht es die regionalen sprachvarianten zum ueberleben auf dem arbeitsmarkt? da besteht verbesserungsbedarf, ebenfalls am didaktischen konzept (mehr richtung selbstaendige projektarbeit). aber das kann man auch in anderen laendern bemaengeln.

mit dem deutschen und schweizerischen schulsystem, das kann ebenfalls nicht ueber einen kamm geschert werden.
je nach bundesland resp. kanton gibt es schon nicht unrelevante unterschiede, was die qualitaet der lehrinhalte und der didaktischen form angeht. wer in bayern oder baden-württemberg zur schule geht, merkt den unterschied schon vs. hamburg oder schleswig-holstein, von den ostdeutschen bundeslaendern ganz zu schweigen. das gefaelle geht auch hier - wie beim arbeitsangebot - von sued nach nord und von west nach ost, harmonisierung der bildungssysteme hin oder her. in der schweiz ist das gefaelle so nicht vorzufinden, doch auch hier gibt es "besser" und "gut". dazu dann noch der einfluss der jeweiligen schulleitung vor ort, die qualitaet der lehrer, das soziale gefuege der kinder an der schule.

das duale ausbildungssystem in der bekannten form ist leider kein zukunftsmodell, aus meiner sicht. und die wirtschaft foerdert es auch nicht, vom politisch immer unbedeutender werdenden mittelstand mal abgesehen. denke, die eher praktisch veranlagt sind, werden in richtung "dualen studiengang" (studium und praktische ausbildung in einem abwasch) gedraengt, statt frueher 3 jahre ausbildung und 4 jahre studium ist das dann alles in der haelfte der zeit zu bewaeltigen. viel stress für die jungen menschen und teils ueberforderung mit entsprechenden auswirkungen auf die psyche und das sozialsystem.

meinen klassischen werdegang wird es zukuenftig sicherlich nicht mehr oft geben: realschulabschluss, 3-jährige ausbildung zum gesellen, 3 jahre schulbank bis zum abitur, 4 jahre studium mit abschluss diplom/master, den doktor habe ich mir dann gespart, dann waere ich erst mit 30 auf den realten arbeitsmarkt gekommen. waehrend der ersten arbeitsjahre hatte ich dann noch eine zusatsausbildung im fernstudium absolviert.

wie es meine tochter spaeter macht, da bin ich gespannt, denn auch wenn ich meine vorstellungen habe, ihren eigenen werden nicht unberuecksigt bleiben.

meine tochter lernt die sprachen gerade in ihrem alter auch sehr spielerisch im umgang mit ihren unterschiedlichen umfeldern:
Spanisch: Schule, Englisch: frueher schule, jetzt primaer im privaten umfeld, deutsch: privates umfeld, franzoesisch: privates umfeld in der schweiz, die Dialekte bis auf Valenciano im privaten umfeld.

und wenn wir dann in 1-2 jahren noch hier sind, dann werde ich zumindest versuchen, ihr das mandarin schmackhaft zu machen, dass sie die basics innehat. dann ist meine tochter sprachentechnisch und kulturell gut ausgestattet, und eine zielsetzung unseres spanienaufenthaltes erreicht. ob sie so ein wandervogel wie ich wird, bleibt ebenfalls abzuwarten.

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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von TorreHoradada » Do 15. Nov 2012, 12:24

Siehste, sind wir doch garnicht sooooo weit voneinander entfernt ;)
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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von sol » Do 15. Nov 2012, 12:28

@ Torre

dafür ist München ohne Strom

das ist die Folge der Energiewirtschaft- nix in der Schule gelernt, die damit zu tun haben. :d
Gruss Wolfgang

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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von TorreHoradada » Do 15. Nov 2012, 12:33

Nee, nee sol - könnte ja nicht schreiben wenn München ohne Strom wäre ;)

Heute Morgen war partiell in einzelnen Stadtteilen und bei der S-Bahn der Strom weg.
Hat sich alles schon wieder eingespielt :)
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Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Montemar » Do 15. Nov 2012, 12:57

@Weltenbummlerin

Es heisst ja Mandarin sprechen zu lernen wäre gar nicht sooooo schwierig, aber das schreiben... :-D :-D

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„Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt?" Ernst R. Hauschka

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