Atze hat geschrieben: ↑Do 12. Mär 2026, 03:47
Frambuesa hat geschrieben: ↑Mi 11. Mär 2026, 22:32
...Aber noch einmal zurück zum Dekret des Marquis Esquilache, der damit die Kriminalität bekämpfen wollte, denn breitkrempige Hüte verbergen Gesichter und unter weiten, langen Capes lassen sich leicht Waffen verstecken.

Ob es da wohl zur heutigen Situation in vielen Städten Europas Parallelen gibt?
Möglicherweise ist es derselbe Minister, der verfügte, dass die spanischen oft riesigen "Taschenmesser" einen recht lauten Ratschen-Ton beim Öffnen freigeben müssen, damit sie nicht heimtückisch-leise gezückt werden können.
Ich besitze ein solches riesiges Bandolero- Messer mit einer Klingenlänge von 22 cm:
Navaja carraca
Das Öffnen ist meilenweit zu hören.
@ Frambuesa y Atze
Interessant, was ihr da ausgegraben habt!
Richtig und belegbar ist, dass der Minister Leopoldo de Gregorio, Marqués de Esquilache, ein Minister von Charles III of Spain, im Jahr 1766 in Madrid eine Kleiderverordnung erließ..
Dass aber möglicherweise derselbe

... ist nicht korrekt, und dass alle riesigen spanischen Taschenmesser ein Ratschenlaut von sich geben, auch nicht so ganz.
Weil ich aber kein Waffenexperte bin, und Messer nur in der Küche und im Garten verwende, musste googeln.
Tatsache ist:
- Es gab schon in vorrömischer Zeit Klappmesser in Spanien, doch stammen die frühesten spanischen Klappmesser, die als Navajas erkennbar sind, aus der Zeit um das späte 17. Jahrhundert.
In Spanien wird der Begriff navaja oft verwendet und verkörperte das Konzept eines Verteidigungsmessers, das man stets bei sich tragen sollte. Die meisten der größeren navajas des frühen 19. Jahrhunderts waren eindeutig als Kampfmesser gedacht und wurden im Volksmund als santólios bezeichnet, eine Verschmelzung von santo und olio („heiliges Öl“).
- Una Navaja de carraca (carraca=Ratsche), im Volksmund ist es auch als „Federmesser“ (navaja de muelles) oder Navaja de siete muelles bekannt, und wird auch „Bandoliermesser“ (navaja bandolera) genannt. Sie ist ein spezielles Messer mit Ratschenverriegelung, dessen Klingenansatz am Griff mit Kerben versehen ist, und beim Öffnen ein rasselndes Geräusch erzeugt:
Der Metall-auf-Metall-Kontakt erzeugt beim Öffnen der Klinge ein charakteristisches Klick- oder Ratschengeräusch, weshalb die Navaja de muelles im Volksmund als Carraca bezeichnet wurde. Mit ihrer arretierbaren Klinge war die navaja de muelles nun ein vielseitiges Kampfmesser, das sowohl Stiche als auch Hiebe (Schnitte) sicher ausführen konnte.
Trotz offizieller Ablehnung war die navaja de muelles in ganz Spanien als Kampf- und Allzweckmesser beliebt und die wichtigste persönliche Waffe der spanischen Guerrilleros, die sich während der Invasion und anschließenden Besetzung Spaniens im Halbinselkrieg von 1808–1814 gegen Napoleon zur Wehr setzten
Die [...]navaja de muelles erwies sich als so gefährliche Angriffswaffe, dass sie [sic] vom Marqués de la Mina, dem spanischen Militärgouverneur von Katalonien, in seinem Edikt vom 29. Mai 1750 (das das Tragen von armas blancas [Klingenwaffen] verbot) namentlich erwähnt wurde. Einzig bei Wikipedia.en fand ich diese Erwähnung..
Doch wenn es wie hier um Messer geht, darf die Dreigroschenoper aus dem Jahr 1928 von Brecht/Weill nicht fehlen, mit ihrem berühmtesten Stück, der
Moritat von Mackie Messer, in der es um die Untaten des Protagonisten Mackie Messer/Macheath oder auf Spanisch - und jetzt kommt das Ende des Spannungsbogens

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Mack el Navaja geht.
Hier wird die Geschichte dieses Stückes, das in viele Sprachen übersetzt wurde, auf Spanisch erklärt,
und ab der Minute 16:25 hört man eine sehr alte Tonaufnahme das berühmte Bänkellied:
Viele bekannte Interpreten haben die Moritat gesungen, u. a.
Louis Armstrong, Duke Ellington, Marianne Faithfull, Eartha Kitt, Udo Lindenberg,
Marius Müller-Westernhagen, Helge Schneider, Frank Sinatra und viele mehr.