Die Burg von SAX
Verfasst: Do 15. Aug 2013, 15:52
Heute möchte ich euch mit hinauf auf die Burg von Sax nehmen, wobei ihr euch bei sommerlichen Temperaturen in Gedanken einen stürmischen, kalten Sonntagmorgen im März vorstellen müsst.
Eigentlich waren wir auf dem Weg nach Alarcón, doch da wir frühzeitig aufgebrochen waren, wollten wir schnell noch einen Abstecher nach Sax machen, um dort ein paar Fotos für das Ortsporträt zu machen. Es sollte nur ein Schnelldurchgang werden, denn wir hatten den Ort schon einmal ausgiebig besucht, aber leider habe ich zwischenzeitlich die damaligen Fotos verloren....
Wir parkten nach Ankunft in Sax unser Auto an der schattigen Nordwestseite der Burganlage und liefen hastig, weil frierend, den Weg zur Burg hoch, die auf einer steilen Klippe 524 m.ü.M. liegt. Dort oben liegt dem Betrachter Sax zu Füßen, hinter dem Dächermeer dehnt sich ein Großteil des Tals zwischen Elda und Villena aus, ein idealer Platz für Panoramafotos.
Der Wind pfiff unbarmherzig durch unsere dünnen Jäckchen, doch es gab kein Zurück mehr, die Führung begann. Zwischen den klappernden Zähnen entfleuchte meinem erkältungsanfälligen Olivo irgendein Fluch und ich hörte noch, dass er sich hundertprozentig bei diesem Sturm den Tod holen in Alarcón verenden würde.
Auch das Pärchen, das uns begleitete, war ebenfalls zu dünn angezogen, nur unsere Fremdenführerin war richtig mollig eingepackt und ließ sich viel Zeit, uns in ihrem flauschigen Parka die Einmaligkeit der Burg zu erläutern, während wir in jeder sich bietenden Nische Zuflucht suchten.
Zunächst bekamen wir einen kurzen Crashkurs in Geschichte verpasst, hier ersatz- und auszugsweise eine Übersetzung des spanischen Wikipedia-Artikels (nur für geschichtlich interessierte Leser):
Vom Turm zur Kapelle
Der Turm wurde von den Almohaden, einer sehr religiösen muslimischen Dynastie aus Nordafrika im 12. Jahrhundert erbaut. Die Bruchsteine wurden mit dem "Zement" der damaligen Zeit vermauert (einer Mischung aus Lehm und Kalkmörtel). Diese typisch arabische Stampflehmbauweise nennt sich tapial. Mit dieser Technik wurden ein Großteil der Mauern errichtet.1 Der Turm diente im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Zwecken:
Den Arabern diente er als Wachturm und den Christen als Kapelle des Heiligen Jorge.
Aus dieser Zeit stammt eine Fensteröffnung in Form eines Kreuzes.
An der Eingangsseite des Turms befand sich eine weitere Tür mit Kiel- oder auch Eselsrückenbogen genannt2, die möglicherweise dazu diente, den Gläubigen den Altarraum während der Messen auf der Vorburg 3 zu öffnen.
Auf dem Gelände stehen noch zwei Häuser mit Tapial-Wänden 1, die islamische Bauweise schlechthin.
Im Innern befindet sich eine Feuerstelle mit einer Keramikplatte, wo die damaligen Bewohner kochten und sich in kalten Winternächten wärmten. Sie aßen und schliefen in demselben Raum, ihre Betten bestanden aus Wolle oder Esparto.
Von hier kann man auf den Rundweg blicken, von dem aus die Soldaten die Ankunft der feindlichen Angreifer beobachten konnten, sowie einen trapezförmigen Turm, von dem heute nur noch die Mauerreste übrig sind und von denen die Legende berichtet, sie hätten die Form einer schlafenden Prinzessin...
Eigentlich waren wir auf dem Weg nach Alarcón, doch da wir frühzeitig aufgebrochen waren, wollten wir schnell noch einen Abstecher nach Sax machen, um dort ein paar Fotos für das Ortsporträt zu machen. Es sollte nur ein Schnelldurchgang werden, denn wir hatten den Ort schon einmal ausgiebig besucht, aber leider habe ich zwischenzeitlich die damaligen Fotos verloren....
Wir parkten nach Ankunft in Sax unser Auto an der schattigen Nordwestseite der Burganlage und liefen hastig, weil frierend, den Weg zur Burg hoch, die auf einer steilen Klippe 524 m.ü.M. liegt. Dort oben liegt dem Betrachter Sax zu Füßen, hinter dem Dächermeer dehnt sich ein Großteil des Tals zwischen Elda und Villena aus, ein idealer Platz für Panoramafotos.
Ohne große Hoffnung statteten wir auf dem Rückweg der abseits gelegenen Eingangspforte einen Besuch ab. Ein Griff auf die Klinke zeigte uns, dass die Burg genauso verschlossen war wie beim letzten Mal. Schade, wir hätten genauso gerne wie Akinom (Unser drittes Ziel: Sax) einen Blick hinter die schwere Pforte geworfen. Andererseits waren wir aber froh, uns wieder ins warme Auto setzen zu können, als mich eine junge Spanierin ansprach, ob wir uns auch für die Burg interessieren würden? Sie hätte eine Besichtigung bestellt und wir könnten uns gerne dranhängen. Hätten wir doch nur unsere warmen Mäntel aus dem Auto mitgenommen!!!
Auch das Pärchen, das uns begleitete, war ebenfalls zu dünn angezogen, nur unsere Fremdenführerin war richtig mollig eingepackt und ließ sich viel Zeit, uns in ihrem flauschigen Parka die Einmaligkeit der Burg zu erläutern, während wir in jeder sich bietenden Nische Zuflucht suchten.
Zunächst bekamen wir einen kurzen Crashkurs in Geschichte verpasst, hier ersatz- und auszugsweise eine Übersetzung des spanischen Wikipedia-Artikels (nur für geschichtlich interessierte Leser):
- Die ältesten Überreste der Burg von Sax sind iberischen und römischen Ursprungs, obwohl die heutige Festung von Arabern (Almohaden) erbaut wurde. Sie ist neben den Burgen von Villena und Biar eine der drei großen Festungen des Landkreises 'Alto Vinolopo', die einen Teil der Verteidigungslinie zu Kastilien bildeten. Ramón Folch de Cardona versuchte im Jahr 1239 die Festung Biar zu erobern, jedoch ohne Erfolg. Dafür nahmen die Ritter des Ordens von Calatrava, die von dem Prior von Alcañiz angefordert wurden, die Burg am Ende desselben Jahres ein. Der Besitz wurde lt. einer Vereinbarung an Alfonso X. von Kastilien übertragen und gehörte zum Feudalbesitz von Villena, bis sie 1480 in den Besitz der Katholischen Könige eingegliedert wurde.Während des Erbfolgekrieges war die Garnison der Burg abhängig von Philipp von Anjou. Als sie von den Truppen des Erzherzogs Karl von Österreich belagert wurde, zogen sich die Soldaten aus der Festung zurück. Im Jahr 1764 ernannte Carlos III. den Herzog von Arcos zum Aufseher der Burg. Im Jahr 1782 ging sie an den Herzog von Maqueda und ist seit nunmehr 1980 in kommunalem Besitz.
Die Burg steht auf einem längliche Hügel, unzugänglich von der Westseite, weshalb sie an der Ostseite befestigt wurde. Ihre Mauern haben bis zu zwei Meter starke Wände. Früher gab es eine Zugbrücke zum Bergfried.[/i]
Von einem Punkt, der in der Nähe der 'Cueva del Buey' (Ochsenhöhle) liegt, kann man das ganze Tal von Vinalopó einsehen, ebenso Sax sehen einschließlich der nördlichen und südlichen Berghänge. Von hier oben konnten alle Bewegungen im Tal beobachtet werden. Früher waren es die alten Handelsstraßen wie die Vía Augusta, heute ist der AVE, der das Land auf schienen durchquert. Sax ist ein Wegkreuz zwischen Küste und Inland.
Hier befand sich im Falle eines feindlichen Angriffs eine der schwächsten Zonen der Burg, Der Graf von Cocentaina belagerte die Burg im Jahr 1476 mit seinen Soldaten und verschiedenen Kriegsapparaten, darunter war eine Bombarde die 'la Cocentaina' genannt wurde. Die gesamte Ebene, auf der wir uns befinden, war überfüllt mit Kriegsgeräten und Soldaten, die versuchten, die Burg zu erstürmen.
Der Marquis von Villena, einer der mächtigsten Adeligen seiner Zeit in Spanien, ließ den Turm im 14. und 15. Jahrhundert erbauen. Herausragend ist das Dekor, ähnlich wie an dem Burg-Palast des Marquis in Belmonte, wo er normalerweise residierte. In den frischen Putz hat man Eisenknötchen mit Mörtel eingeputzt 1, die gelegentlich ein besonderes Muster auf der Fassade darstellen 2, heraldische Symbole des Marqués in der Fassade.
An der Wand gab es damals einen Ausgang mit einer Treppe, von der nur noch wenige Spuren an der Fassade zu sehen sind3.
Die kreisförmigen Flecken an der Wand sind von Projektilen 4, wahrscheinlich entstanden durch eine Bombardierung während der Belagerung durch den Grafen von Cocentaina.
Pforte5
Die kreisförmigen Flecken an der Wand sind von Projektilen 4, wahrscheinlich entstanden durch eine Bombardierung während der Belagerung durch den Grafen von Cocentaina.
Pforte5
Beim Hinauslehnen zwischen den Mauerzinnen an der rechten Seite, sieht man an der halbkreisförmigen Wand das Wappen des Marquis de Villena. Es wurde an dieser exponierten Stelle als Symbol seiner Macht angebracht, um die Einwohner dieser Zeit daran zu erinnern, wer ihr Herr war, und um die Beständigkeit seiner Macht zu demonstrierten.
Die halbrunde Bau diente als Pfeiler und wurde mit der einzigen Absicht gebaut, das Wappen daran anzubringen.
Die vier Tafeln des Wappens zeigen uns die Herkunft des Marques de Villena (Marquesado de Villena 1445-1480)
Die vier Tafeln des Wappens zeigen uns die Herkunft des Marques de Villena (Marquesado de Villena 1445-1480)
Wasservorrat der Burg
In der Zisterne wurde das Regenwasser aufgefangen, denn Wasser war ein hochgeschätztes Gut für die Bewohner jeder Burg. König Jaime I. hielt in einem Dokument fest, dass für den Fall einer Belagerung Wasservorräte für einen Monat vorhanden sein müssen, um das Überleben der Einwohner zu gewährleisten. Die Burg von Sax lag damals in einem Grenzgebiet und die Bewohner lebten in ständiger Kriegsangst. Deshalb gab es auch zwei Zisternen, eine am Eingang der Burg, die andere zwischen den beiden Türmen.
In der Zisterne wurde das Regenwasser aufgefangen, denn Wasser war ein hochgeschätztes Gut für die Bewohner jeder Burg. König Jaime I. hielt in einem Dokument fest, dass für den Fall einer Belagerung Wasservorräte für einen Monat vorhanden sein müssen, um das Überleben der Einwohner zu gewährleisten. Die Burg von Sax lag damals in einem Grenzgebiet und die Bewohner lebten in ständiger Kriegsangst. Deshalb gab es auch zwei Zisternen, eine am Eingang der Burg, die andere zwischen den beiden Türmen.
Vom Turm zur Kapelle
Der Turm wurde von den Almohaden, einer sehr religiösen muslimischen Dynastie aus Nordafrika im 12. Jahrhundert erbaut. Die Bruchsteine wurden mit dem "Zement" der damaligen Zeit vermauert (einer Mischung aus Lehm und Kalkmörtel). Diese typisch arabische Stampflehmbauweise nennt sich tapial. Mit dieser Technik wurden ein Großteil der Mauern errichtet.1 Der Turm diente im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Zwecken:
Den Arabern diente er als Wachturm und den Christen als Kapelle des Heiligen Jorge.
Aus dieser Zeit stammt eine Fensteröffnung in Form eines Kreuzes.
An der Eingangsseite des Turms befand sich eine weitere Tür mit Kiel- oder auch Eselsrückenbogen genannt2, die möglicherweise dazu diente, den Gläubigen den Altarraum während der Messen auf der Vorburg 3 zu öffnen.
Der "Leuchtturm" von Vinalopo - Der Bergfried oder Maestra (Meister), Symbol der Macht seines Herrschers zeigt durch seine Größe das Ausmaß der feindlichen Gefahr, die der Burg in diesem Grenzgebiet drohte. Der Turm ist eine defensive, aktive "Waffe" (das heißt, man greift die belagernden Feinde mit heißem Öl, Projektilen und Armbrüsten an) sowie eine passive (die dicken Mauern schützen die Bewohner).
In seinem Innern ist der Große Flur zum Ausgang bemerkenswert, an dessen pechgeschwärzten Decken Graffiti aus dem 18. Jahrhundert bedeckt sind. Bemerkenswert ist auch die Spitzbogentreppe, typisch für das 15. Jahrhundert.
In seinem Innern ist der Große Flur zum Ausgang bemerkenswert, an dessen pechgeschwärzten Decken Graffiti aus dem 18. Jahrhundert bedeckt sind. Bemerkenswert ist auch die Spitzbogentreppe, typisch für das 15. Jahrhundert.
Vom Turm aus erkennt man andere Wehrtürme, Burgen und die Grenze zwischen den Königreichen Murcia (Castilla) und Valencia (Aragón). Das war auch der Grund, eine im höchsten Maße uneinnehmbare Festung zu bauen. Um bei Angriffen zu warnen, wurden Feuer auf den Türmen entfacht und mit Rauchzeichen die benachbarten Burgen und Türme benachrichtigt.
Das Leben im 10. JahrhundertAuf dem Gelände stehen noch zwei Häuser mit Tapial-Wänden 1, die islamische Bauweise schlechthin.
Im Innern befindet sich eine Feuerstelle mit einer Keramikplatte, wo die damaligen Bewohner kochten und sich in kalten Winternächten wärmten. Sie aßen und schliefen in demselben Raum, ihre Betten bestanden aus Wolle oder Esparto.
Von hier kann man auf den Rundweg blicken, von dem aus die Soldaten die Ankunft der feindlichen Angreifer beobachten konnten, sowie einen trapezförmigen Turm, von dem heute nur noch die Mauerreste übrig sind und von denen die Legende berichtet, sie hätten die Form einer schlafenden Prinzessin...
Nach diesem überraschenden Rundgang von einer Stunde, der übrigens gratis war, setzten wir unsere Fahrt fort, nicht ohne die Heizung unseres Autos auf höchste Stufe gestellt zu haben.
Hersteller der Grafiken auf den Fotos: Taller de Empleo Saxum II