Eigentlich waren wir auf dem Weg nach Alarcón, doch da wir frühzeitig aufgebrochen waren, wollten wir schnell noch einen Abstecher nach Sax machen, um dort ein paar Fotos für das Ortsporträt zu machen. Es sollte nur ein Schnelldurchgang werden, denn wir hatten den Ort schon einmal ausgiebig besucht, aber leider habe ich zwischenzeitlich die damaligen Fotos verloren....
Wir parkten nach Ankunft in Sax unser Auto an der schattigen Nordwestseite der Burganlage und liefen hastig, weil frierend, den Weg zur Burg hoch, die auf einer steilen Klippe 524 m.ü.M. liegt. Dort oben liegt dem Betrachter Sax zu Füßen, hinter dem Dächermeer dehnt sich ein Großteil des Tals zwischen Elda und Villena aus, ein idealer Platz für Panoramafotos.
Auch das Pärchen, das uns begleitete, war ebenfalls zu dünn angezogen, nur unsere Fremdenführerin war richtig mollig eingepackt und ließ sich viel Zeit, uns in ihrem flauschigen Parka die Einmaligkeit der Burg zu erläutern, während wir in jeder sich bietenden Nische Zuflucht suchten.
Zunächst bekamen wir einen kurzen Crashkurs in Geschichte verpasst, hier ersatz- und auszugsweise eine Übersetzung des spanischen Wikipedia-Artikels (nur für geschichtlich interessierte Leser):
- Die ältesten Überreste der Burg von Sax sind iberischen und römischen Ursprungs, obwohl die heutige Festung von Arabern (Almohaden) erbaut wurde. Sie ist neben den Burgen von Villena und Biar eine der drei großen Festungen des Landkreises 'Alto Vinolopo', die einen Teil der Verteidigungslinie zu Kastilien bildeten. Ramón Folch de Cardona versuchte im Jahr 1239 die Festung Biar zu erobern, jedoch ohne Erfolg. Dafür nahmen die Ritter des Ordens von Calatrava, die von dem Prior von Alcañiz angefordert wurden, die Burg am Ende desselben Jahres ein. Der Besitz wurde lt. einer Vereinbarung an Alfonso X. von Kastilien übertragen und gehörte zum Feudalbesitz von Villena, bis sie 1480 in den Besitz der Katholischen Könige eingegliedert wurde.Während des Erbfolgekrieges war die Garnison der Burg abhängig von Philipp von Anjou. Als sie von den Truppen des Erzherzogs Karl von Österreich belagert wurde, zogen sich die Soldaten aus der Festung zurück. Im Jahr 1764 ernannte Carlos III. den Herzog von Arcos zum Aufseher der Burg. Im Jahr 1782 ging sie an den Herzog von Maqueda und ist seit nunmehr 1980 in kommunalem Besitz.
Die Burg steht auf einem längliche Hügel, unzugänglich von der Westseite, weshalb sie an der Ostseite befestigt wurde. Ihre Mauern haben bis zu zwei Meter starke Wände. Früher gab es eine Zugbrücke zum Bergfried.[/i]
Die kreisförmigen Flecken an der Wand sind von Projektilen 4, wahrscheinlich entstanden durch eine Bombardierung während der Belagerung durch den Grafen von Cocentaina.
Pforte5
Die vier Tafeln des Wappens zeigen uns die Herkunft des Marques de Villena (Marquesado de Villena 1445-1480)
In der Zisterne wurde das Regenwasser aufgefangen, denn Wasser war ein hochgeschätztes Gut für die Bewohner jeder Burg. König Jaime I. hielt in einem Dokument fest, dass für den Fall einer Belagerung Wasservorräte für einen Monat vorhanden sein müssen, um das Überleben der Einwohner zu gewährleisten. Die Burg von Sax lag damals in einem Grenzgebiet und die Bewohner lebten in ständiger Kriegsangst. Deshalb gab es auch zwei Zisternen, eine am Eingang der Burg, die andere zwischen den beiden Türmen.
Vom Turm zur Kapelle
Der Turm wurde von den Almohaden, einer sehr religiösen muslimischen Dynastie aus Nordafrika im 12. Jahrhundert erbaut. Die Bruchsteine wurden mit dem "Zement" der damaligen Zeit vermauert (einer Mischung aus Lehm und Kalkmörtel). Diese typisch arabische Stampflehmbauweise nennt sich tapial. Mit dieser Technik wurden ein Großteil der Mauern errichtet.1 Der Turm diente im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Zwecken:
Den Arabern diente er als Wachturm und den Christen als Kapelle des Heiligen Jorge.
Aus dieser Zeit stammt eine Fensteröffnung in Form eines Kreuzes.
An der Eingangsseite des Turms befand sich eine weitere Tür mit Kiel- oder auch Eselsrückenbogen genannt2, die möglicherweise dazu diente, den Gläubigen den Altarraum während der Messen auf der Vorburg 3 zu öffnen.
In seinem Innern ist der Große Flur zum Ausgang bemerkenswert, an dessen pechgeschwärzten Decken Graffiti aus dem 18. Jahrhundert bedeckt sind. Bemerkenswert ist auch die Spitzbogentreppe, typisch für das 15. Jahrhundert.
Auf dem Gelände stehen noch zwei Häuser mit Tapial-Wänden 1, die islamische Bauweise schlechthin.
Im Innern befindet sich eine Feuerstelle mit einer Keramikplatte, wo die damaligen Bewohner kochten und sich in kalten Winternächten wärmten. Sie aßen und schliefen in demselben Raum, ihre Betten bestanden aus Wolle oder Esparto.
Von hier kann man auf den Rundweg blicken, von dem aus die Soldaten die Ankunft der feindlichen Angreifer beobachten konnten, sowie einen trapezförmigen Turm, von dem heute nur noch die Mauerreste übrig sind und von denen die Legende berichtet, sie hätten die Form einer schlafenden Prinzessin...

