Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

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Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von Florecilla » Do 4. Jun 2009, 19:47

Gerade habe ich einen Artikel über Organspenden gefunden, aus dem hervorgeht, dass "in Deutschland 16 Organspender auf eine Million Einwohner kommen. In anderen Ländern ist diese Quote bedeutend höher. Spitzenreiter in Europa ist Spanien mit 33,6 Spendern auf eine Million Einwohner."

Den ganzen Artikel könnt ihr hier lesen.

Spanien gehört neben Belgien, Frankreich, Österreich, Italien und Tschechien zu den Ländern, die die sogenannte "Widerspruchslösung" praktizieren, d.h. die Organspende ist grundsätzlich zulässig, es sei denn der mögliche Spender hat einer Organentnahme vorher widersprochen. In Deutschland und allen anderen Ländern muss man der Organspende ausdrücklich per Ausweis zustimmen oder nahe Angehörige müssen die Zustimmung geben ("Zustimmungslösung").

Mehr dazu hier.
Hasta luego,
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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von kala » Do 4. Jun 2009, 20:21

Hallo Flroecilla,
ja Spanien hält seit vielen Jahren inzwischen diese Position. Nicht nur das hier die ganze Prozedur einfacher ist, auch sind dadurch die Kliniken inzwischen sehr darauf spzialisiert, dass es eben kein Einzelfall mehr ist, sondern eher der Normalfall.
Während in Deuschland der ganze Ablauf komplizierter ist und dann noch Spezialkliniken benötigt werden.
Es geht ja noch gar nicht mal immer gleich um Herz, Niere oder Leber. Auch die Hornhaut oder andere "Kleinigkeiten" können anderen Menschen unheimlich weiterhelfen. Wer z.B. auf eine Leber in Deutschland wartet hat definitiv ganz schlechte Karten, man könnte schon sagen, er wurde beim Austeilen vergessen - dabei braucht man eigentlich "nur" ein Stück Leber, also ein Lebendspender würde ausreichen, da das Organ nachwächst. Stellt sich die Frage, warum man da nicht auch mit Geld etwas nachhelfen kann. Wenn beiden Seiten geholfen wird finde ich so etwas ok.

Ich hab auch nichs dagegen wenn meine Einzelteile als Ersatzteillager verwendet werden, vorausgesetzt es hilft keiner nach :-o

lg
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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von Florecilla » Mi 2. Jun 2010, 18:50

In der Welt Online werden die "Spanischen Organspenden" heute als Zahl des Tages genannt. Zitat: "Statistisch betrachtet haben 34,2 je eine Million Spanier Organe gegeben. Deutschland erreicht mit 14,9 Spendern nicht einmal die Hälfte dieses Wertes."

Zahl des Tages ist also 0,00342 % !!!

Ist das wirklich viel?
Hasta luego,
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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von kala » Mi 2. Jun 2010, 19:34

...kommt vermutlich darauf an, ob man als Betroffener ein Organ bekommen hat oder nicht.

Ist eigentlich bekannt, ob die zugelassenen Organspender in Deutschland höhere Hürden zu überwinden haben? Wobei ich natürlich nicht die Spender meine, sondern die Organe selbst. So weit ich weiss, kann man z.B. kein Knochenmark spenden, wenn man an einem Ekzem leidet. Sollte ich aber das Knochenmark brauchen, wäre mir das wirklich so was von... egal. (ist in D so, von E weiss ich es nicht.)

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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von Florecilla » Mi 2. Jun 2010, 20:05

Am 26. Mai gab es auf arte eine Dokumentation zu dem Thema:

Organspende in Spanien: Vorbild für Europa

Eine neue EU-Richtlinie nach spanischem Vorbild könnte jährlich 20 000 Menschenleben retten.

Jedes Jahr hängt das Leben von 20.000 Menschen in Europa davon ab, ob sie rechtzeitig ein Herz, eine Niere oder ein anderes Spenderorgan erhalten. Sie können nun hoffen. Ende Mai verabschiedete das Europa-Parlament eine neue Richtlinie für Organspenden. Darin werden EU-weite Qualitäts- und Sicherheitsstandards festgelegt, die Organspenden in allen Mitgliedsstaaten erleichtern sollen. Vorbild dafür war das spanische System. Es ist bestens organisiert und gilt als besonders effizient. Wie es genau funktioniert, zeigt die ARTE-Journal-Reportage von Laetitia Giroux und Joseph Gordillo.

arte-Video
Hasta luego,
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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von medusa » Di 15. Jun 2010, 22:05

Hola,
zu Organspenden, bzw. dem Zwang zu Spenden, gäbe es viel zu sagen, aber scheinbar ist das kein "Kränzchenthema", :-?
Ich hoffe, ich komme nie in die Verlegenheit eine neue Lunge zu brauchen, aber bevor ich eine teergespickte bekäme, würde ich lieber verzichten und einem Familienmitglied möchte ich sowas auch nicht zugemutet wissen.
Aber offensichtlich gibt es keine Skrupel und daran ändern auch neue EU - Verordnungen nichts. :-o

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,700928,00.html

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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von Oliva B. » Di 15. Jun 2010, 23:35

<
medusa hat geschrieben:Hola,
zu Organspenden, bzw. dem Zwang zu Spenden, gäbe es viel zu sagen, aber scheinbar ist das kein "Kränzchenthema", :-?
Ich hoffe, ich komme nie in die Verlegenheit eine neue Lunge zu brauchen, aber bevor ich eine teergespickte bekäme, würde ich lieber verzichten und einem Familienmitglied möchte ich sowas auch nicht zugemutet wissen.
Aber offensichtlich gibt es keine Skrupel und daran ändern auch neue EU - Verordnungen nichts. :-o

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,700928,00.html
@ medusa

Spott ist hier doch völlig fehl am Platz. ;-)

In diesem Artikelbaum ging es um die Vorreiterrolle, die Spanien in Sachen Transplantationen in Europa inne hat.
Auch die CBN hat sich erst kürzlich in einem Artikel mit der Thematik beschäftigt 20.000 Leben pro Jahr - Europäisches Parlament erlässt Richtlinie für Organspenden – Spanisches Modell als Vorbild.

Der von dir verlinkte Beitrag bezieht sich jedoch auf einen Fall, der sich in England abgespielt hat.
Zitat: „Offenbar hatten die Ärzte des „Wythenshawe Hospital“ wegen Mangels an Spenderorganen auf solche zurückgegriffen, die sonst nicht in die engere Auswahl kämen.“ Quelle.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, das besagt, dass es auf diesem Gebiet (in Großbritannien wie auch anderswo) noch viel zu tun gibt und ist somit- selbst für Kaffeekränzchen jeder Art ;) - eine interessante Diskussionsgrundlage.

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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von Oliva B. » Mo 30. Aug 2010, 09:05

Steinmeiers Organspende an seine Frau brachte ein altbekanntes Thema wieder einmal in die Schlagzeilen.
Tatsache ist, dass in Deutschland zu wenige Organe gespendet werden.

Zitat*) „Nur 15 Menschen je einer Million Einwohner werden nach dem Tod Organe entnommen - ein Anteil, der nicht einmal halb so hoch ist wie beispielsweise in Spanien.“
Während in Deutschland der Verstorbene über einen Organspendeausweis verfügen muss oder Verwandte einer Entnahme zustimmen müssen, gilt in Spanien und in vielen anderen Ländern die Widerspruchsregelung,
Zitat*): Organe können entnommen werden, wenn der Verstorbene dem nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat.“

Deutsche Krankenhäuser kommen ihrer Verpflichtung, Hirntote zu melden, oft nicht nach, da die Kosten für eine Entnahme höher sind als die Einnahmen, die mit 3504 € beziffert werden. In Spanien wird die Erstattung wesentlich großzügiger als in Deutschland gehandhabt.

*)Die verwendeten Zitate stammen aus einem Onlineartikel mit dem Titel „Spendet mehr Organe! Spendet mehr Organe!“ der Welt am Sonntag vom 29.08.10, in dem sieben verschiedene Lösungsmodelle vorgestellt werden, um den Mangel an Spenderorganen zu beheben.

Nachtrag
Übrigens: Spanien liegt mit 34 Spenden pro eine Million Einwohner auf Platz eins in Europa.
Zuletzt geändert von Oliva B. am Mo 30. Aug 2010, 09:42, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Nachtrag

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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von girasol » Mo 30. Aug 2010, 09:59

Hallo,

das Thema wird in Deutschland nun wieder diskutiert und das ist gut so, auch die Politiker erwägen eine andere Vorgehensweise.

Irgenwie ist es ja schon "kurios", dass Umfragen immer wieder zeigen, wieviele Menschen bereit wären Organe zu spenden und wie wenige tatsächlich einen Organspendeausweis haben. Aber vielleicht sagt man, wenn man gefragt wird, auch mal schnell: Ja klar würde ich spenden, wenn es dann aber darum geht, sich einen Ausweis zu besorgen, sieht es schon ganz anders aus. Wobei das ja nun wirklich kinderleicht ist.
Ich denke, jeder sollte das für sich selbst entscheiden. Aber es würde sicher nicht schaden, wenn man "gezwungen" wird, mal darüber nachzudenken, z.B. weil es die Widerspruchsregelung gibt oder es eben zu einem bestimmten Zeitpunkt abgefragt wird, ob man es möchte oder nicht.

Ich persönlich habe keinerlei Probleme damit, nach meinem Tod Organe zu spenden und habe schon seit ewigen Zeiten einen Organspenderausweis.

Gruß
girasol
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Aurelius Augustinus

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Re: Spanien europäischer Spitzenreiter bei Organspenden

Beitrag von Marybell » Mo 30. Aug 2010, 19:41

Ganz interessantes Thema!Habe auch mal einen sehr emotionalen Bericht von Organspendeempfängern gelesen, wie sie psychisch damit zurecht kommen Organe von fremden Menschen transplantiert zu bekommen. Wirklich ein Thema von dem man sich wünscht niemals betroffen zu sein.Anscheinend hat man aber hier in Spanien wirklich viel bessere Chancen an Organe zu kommen als in Deutschland.
Dazu passt vielleicht: Jeder sollte in seinem Movil unter ICE (in case of emergency) eine Angehörigennummer gespeichert haben. Dies gilt international und erleichtert dem Rettungspersonal die Kontaktaufnahme zu Angehörigen.

ciao Marybell
ciao Marybell

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