Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Ereignisse und aktuelle Geschehnisse aus Politik, Wirtschaft und Umwelt (Klima-, Natur- und Tierschutz) werden hier diskutiert.
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Frambuesa
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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von Frambuesa »

Danke für deine ausführliche, informative Schilderung
Saludos Frambuesa
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Oliva B.
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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von Oliva B. »

chupacabra hat geschrieben:
So 8. Sep 2019, 23:08
Sollte es jemanden geben, der oder die das Plastikmeer noch nicht gesehen hat ... Ich kenne nur die Westseite, also von Motril nach Almería (Stadt). Da sieht es nur so aus. Und das sind immerhin 100km. Auf dieser Strecke liegt auch El Ejido.

Und Erdbeeren aus Spanien isst man doch hoffentlich ohnehin nicht? Die haben doch keinen Geschmack.



Bild


Bild
Doch alles nicht so schlimm???? ;-)

Zitat: "
  • Das Problem ist nicht das Gewächshaus, das Problem ist die Menge an Gewächshäusern.
    Marcos Diéguez, Ecologistas en Acción"


Das RedaktionsNetzwerk Deutschland hat die Gewächshäuser im Plastikmeer von Almería besucht:

Viele Menschen in Deutschland essen das ganze Jahr Paprika oder Tomaten.
Der Preis dafür sind riesige Gewächshäuser im Süden Spaniens – und ein gewaltiger Wasser- und Energieverbrauch.
Jetzt setzen immer mehr Bauern auf biologische Methoden.
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Eventuell ein Lichtstreifen am Horizont? Zu wünschen wäre es....

Miesepeter
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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von Miesepeter »

Das Problem ist nicht das Gewächshaus und auch nicht die Menge an Gewächshäusern, es fehlt an einer gemeinsmen Wasserwirtschaftspolitik. Jedes der 13 regionalen Wasserwirtschaftsämter verfährt im Alleingang, und es gibt laufend Streitereien darüber, wer wann wem wieviel Wasser abgeben soll, kann oder will oder auch nicht. Dabei sind auch sehr starke (meist verborgene) finanzielle interessen im Spiel. Die Politiker aller Richtungen nutzen diese Notwendigkeit für ihre eigenen Zwecke (Wählerfang) aus und versprecher immer wieder das Unmögliche, natürlich nur wenn Wahlen ins Haus stehen. Die Menge ist nicht in der Lage zu begreifen, daß die Wasserressourcen nicht unendlich sind und seit ca. 50 Jahren langsam aber ständig weniger werden. So führt der Stausee Contreras nur noch 20% seines Fassungsvermögens (943 hm) und versorgt damit das 120 km entfernte Valencia mit Trinkwasser. Noch 1957 erlitt Valencia die schwerste Überschwemmung seiner Geschichte (83 Todesopfer), damals gab es also zu viel Wasser, und jetzt aufeinmal ist nicht mal die Trinkwasserversorgung gesichert. Schon vg. Sommer gab es gebietsweise Engpässe, Schwimmbäder durften nicht gefüllt werden und der Wasserhahn blieb stundenweise trocken. Vielfach wurde - schon vor Jahren - der Leitungsdruck reduziert. Und letztendlich: was hier durch die Leitung fließt ist nicht nur vielfach ungenießbar sondern bis hin zu gesundheitsschädlich. Der schon erwähnte Ramon-Luis I brachte es mal im TV auf den Punkt als ersagte: "Das Wasser in Murcia ist FAST trinkbar".
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Oliva B.
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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von Oliva B. »

Miesepeter hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 19:38
Das Problem ist nicht das Gewächshaus und auch nicht die Menge an Gewächshäusern, es fehlt an einer gemeinsmen Wasserwirtschaftspolitik. Jedes der 13 regionalen Wasserwirtschaftsämter verfährt im Alleingang, und es gibt laufend Streitereien darüber, wer wann wem wieviel Wasser abgeben soll, kann oder will oder auch nicht. Dabei sind auch sehr starke (meist verborgene) finanzielle interessen im Spiel. Die Politiker aller Richtungen nutzen diese Notwendigkeit für ihre eigenen Zwecke (Wählerfang) aus und versprecher immer wieder das Unmögliche, natürlich nur wenn Wahlen ins Haus stehen. Die Menge ist nicht in der Lage zu begreifen, daß die Wasserressourcen nicht unendlich sind und seit ca. 50 Jahren langsam aber ständig weniger werden. So führt der Stausee Contreras nur noch 20% seines Fassungsvermögens (943 hm) und versorgt damit das 120 km entfernte Valencia mit Trinkwasser. Noch 1957 erlitt Valencia die schwerste Überschwemmung seiner Geschichte (83 Todesopfer), damals gab es also zu viel Wasser, und jetzt aufeinmal ist nicht mal die Trinkwasserversorgung gesichert. Schon vg. Sommer gab es gebietsweise Engpässe, Schwimmbäder durften nicht gefüllt werden und der Wasserhahn blieb stundenweise trocken. Vielfach wurde - schon vor Jahren - der Leitungsdruck reduziert. Und letztendlich: was hier durch die Leitung fließt ist nicht nur vielfach ungenießbar sondern bis hin zu gesundheitsschädlich. Der schon erwähnte Ramon-Luis I brachte es mal im TV auf den Punkt als ersagte: "Das Wasser in Murcia ist FAST trinkbar".
Natürlich hast du Recht! Die Frage am Schluss meines letzten Beitrags war auch eher sarkastisch gemeint, denn schon im Eingangsbeitrag schrieb ich:
  • "Deshalb macht es fassungslos, dass man sich in Spanien dann noch zusätzlich Ressourcen raubende Perversitäten wie das Plastikmeer (auch bekannt unter dem Beinamen „mar del plástico“ rund um den Ort El Ejido leistet, wo man sich die weltweit größte Anbaufläche unter Folie gönnt, unter der wasserintensiv Obst und Gemüse für den heimischen Markt und nördlicher gelegene EU-Länder wie Deutschland produziert wird."

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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von maxheadroom »


Hola todos y Oliva,
danke fuer den Bericht und die Bilder der Plastikwueste. Selber schon mit erstaunen gesehen bei diversen Fahrten. Was aber noch mehr erstaunt sind nach gewissen Wetterereignissen, *starke Winde u.aehnl* die diversen massenhaften Plastikfetzen der Treibhaueser. Die dann die restliche Landschaft verzieren, man trifft diese Ueberbleibsel oft kilometerweit entfernt von den Plantagen an, eine unendliche Quelle von Microplastik nachdem sie von der Sonne zerbroeselt werden :(( >:) >:)
Das Wasserknappheit auch langsam hier in D ein Thema wird habe ich ja schon gepostet , das versiegen der Aischquelle, heute ein Bericht ueber Trinkwasserversorgung Muenchen gelesen der auch nicht besonders positiv klang :roll: In den grauen Zellen haengengeblieben ist ein ein Satz das ein Regentropfen ungefaehr 25 Jahre braucht bis er im Grundwasser angekommen ist, da es ja immer weniger Niederschlaege , auch in D , gibt , kann man es sich ja selber vorstellen was bei gleichbleibenden Klimawandel auf uns zukommt :-?
Saludos
maxheadroom



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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von nurgis »

Diese Plastikfelder haben uns schon vor ca. 20 Jahren erschrocken. Wir wollten die schöne Ostküste sehen direkt in Meernähe, sahen jedoch nur Plastikfelder, selbst auf kleinen Vorsprüngen zum Meer. Das Durchfahren der Küstenregionen kam einen manchmal vor, als führe man durch Hochhausgassen. Rechts und links nur Plastik und dieses teilweise schon durch Wind und Sonne zerfleddert.

@oliva B, danke für Deinen informativen Beitrag dazu.
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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von Frambuesa »

Oliva B. hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 18:46

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland hat die Gewächshäuser im Plastikmeer von Almería besucht:

Viele Menschen in Deutschland essen das ganze Jahr Paprika oder Tomaten.
Der Preis dafür sind riesige Gewächshäuser im Süden Spaniens – und ein gewaltiger Wasser- und Energieverbrauch.
Jetzt setzen immer mehr Bauern auf biologische Methoden.
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Eventuell ein Lichtstreifen am Horizont? Zu wünschen wäre es....
Ja, wäre wirklich wünschenswert. Danke, dass du den Artikel des RND verlinkt hast.
Bei unseren langjährigen Aufenthalt in der wohl schönsten Gegend der Provinz Almerías** kamen wir häufig durch dieses „Mar del Plastico“, haben oft die Luft anhalten müssen, wenn mal wieder so einige „Gemüsebauern“ ihre Feuerchen am Brennen hatten und schwarze Rauchwolken über die Straßen waberten. Was die da wohl alles verbrannt haben? Klar, natürlich war da sicher auch die eine oder andere Plastikplane oder so ganz versehentlich :mrgreen: der eine oder andere Autoreifen druntergeraten.
Hier wird ausgediente Plane der Gewächshäuser gesammelt;<br />auf dem Foto sieht man jedoch nur einen winzigen Teil
Hier wird ausgediente Plane der Gewächshäuser gesammelt;
auf dem Foto sieht man jedoch nur einen winzigen Teil

Bei und nach einem Sturm sah es dann ganz verheerend aus - riesige Plastikplanen kamen einem unkontrolliert auf den Straßen entgegengeflattert und landeten dann zu Hauf in irgendeiner windgeschützten Ecke wo sie dann lange Zeit liegenblieben oder vom Wind wieder erfasst wurden.
Jahrelang haben wir „die Szene“ und alles, was damit zusammenhängt beobachtet und auch die Problematik der ausgebeuteten Plantagenarbeiter. Wie gesagt, darüber könnte ich Romane schreiben . . .

Aber es hat sich in den letzten - sagen wir mal 8 Jahren - schon einiges getan und in positivem Sinne allen voran ist da natürlich die Firma Biosabor, die in der Gemeinde Nijar besonders in den letzten Jahren viel, sehr viel unternommen hat.

Ein weiteres Thema ist in diesem Zusammenhang natürlich auch das Thema der modernen „Sklavenhaltung“, die in Olivas verlinktem Artikel auch kurz angesprochen wird. Aber darüber mag ich mich nicht heute und nicht in diesem Faden auslassen.

Doch über allem steht:

Der Hunger Nordeuropas zu jeder Zeit frisches und exotisches Obst und Gemüse auf dem Teller zu haben

** Die schönste Küstenlandschaft der Provinz Almerías befindet sich zwischen den Orten Carboneras, Agua Amarga und Cabo de Gata. Die sieht man natürlich nicht von der A7 aus, dafür muss man schon über die Landstraße fahren. ;-)
Saludos Frambuesa
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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von chupacabra »

Frambuesa hat geschrieben:
Di 14. Jan 2020, 08:51
...

Doch über allem steht:

Der Hunger Nordeuropas zu jeder Zeit frisches und exotisches Obst und Gemüse auf dem Teller zu haben
Richtig, das ist so ähnlich wie beim CO2-Verbrauch. Letztlich ist doch der End-Kunde / Verbraucher schuld. Es ist zu einfach, die Probleme auf die Produzenten / Industrie zu schieben.
Saludos chupacabra

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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von Oliva B. »

Am 28. November 2019 rief das EU-Parlament den Klimanotstand für Europa aus. Die Entscheidung hat allerdings nur symbolischen Charakter.

Jetzt rief auch die neue Regierung den Klimanotstand in Spanien aus. Innerhalb von 100 Tagen will sie ihr Paket zum Klimaschutz schnüren und dem Parlament ein neues Gesetz übergeben. Klimawandel und die Energiewende seien die "Eckpfeiler für alle Ministerien und alles Regierungshandeln", äußerte Regierungssprecherin María Jesús Montero. Bis 2040 sollen bis zu 95 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bezogen werden.

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Tessa
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Re: Beobachtungen: Klimawandel in Spanien

Beitrag von Tessa »

Ich denke dass die Menschen nicht nur in Europa, aber hier sehr verbreitet, sich weit von den Ernährungsgewohnheiten ihrer Vorfahren entfernt haben, eben weil sie immer aus aller Welt frisches Obst und Gemüse bekommen wollen und können.

Ich erinnere mich, dass wir in meiner Kindheit das gegessen haben, was saisonal "reif" und damit verfügbar war, im Winter z.B. viel Kohl (Grünkohl, Rosenkohl, Rot- und Weißkohl bzw. Sauerkraut), eingeweckte Bohnen, an Obst Äpfel, eingeweckte Pflaumen und Birnen usw.

Schon in De habe ich es abgelehnt, Spargel aus Peru, Orangen aus Südafrika, Wein aus Chile etc. zu kaufen, denn alle diese Lebensmittel werden ja über tausende von Kilometern durch die Gegend geschippert. Das ist einfach irre, wenn man mal genauer darüber nachdenkt.

Was Spanien betrifft so meine ich auch, dass viel mehr "Vorratswirtschaft" für Regenwasser betrieben werden sollte, und natürlich auch mehr Solarenergie für die Stromerzeugung genutzt werden sollte.
ich hoffe sehr, dass Teresa Ribera erfolgreich ist, ich bin ein "Fan" von ihr, seit sie die obskure "Sonnensteuer" des korrupten Rajoy abgeschafft hat. Hier in Spanien wäre so vieles möglich, das Land ist groß und schön.

Wie ich noch in De las, hat die Universität Granada ein spezielles Program zur Aufforstung aufgelegt (auch sehr wichtig), was ich für vielversprechend halte: (Zitat)
"Wissenschaftler der Universität Granada in Spanien haben neue Verfahren für die Aufforstung von bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen entwickelt, die auf dem Verhältnis zwischen Landflächen und Pflanzen basieren. Ziel ist es, das Überleben und die Entwicklung der Pflanzen in der für den Mittelmeerraum typischen Umwelt zu verbessern. Die Ergebnisse der Studie wurden teilweise in der Fachzeitschrift Annals of Forest Science veröffentlicht. " (Den Link kann ich leider nicht posten, da ich noch neu hier bin und nicht genügend Beiträge verfasst habe).

Ich habe in De ein Permakulturfeld an einem Waldrand betrieben und werde hier in ganz kleinem Maßstab in dieser Hinsicht auch wieder aktiv werden. M.E. ist die Permakultur die einzige landwirtschaftliche Methode, die eine vielfältige, gesunde Lebensgrundlage für die sich exponentiell vermehrende Menschheit herstellen kann!
Take a walk outside your mind... (Aerosmith)
Tessa

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