Fatales Schulsytem

Schulsystem. Freizeitgestaltung mit Kindern, Tipps für Urlaub mit Kindern
Benutzeravatar
Oliva B.
Admin
Admin
Beiträge: 17990
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 08:17
Wohnort: El Comtat, Marina Alta (E), NRW/OWL (D)
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Oliva B. » Sa 5. Okt 2013, 20:40

Die Wirtschaftswoche schreibt:

"Personalmarkt: In Spanien gibt es viel zu viele Überqualifizierte"

Spanische Jugendlichen gehen lieber zur Universität als eine Berufsausbildung zu absolvieren. Nur 65 Prozent der Spanier im Alter von 25 bis 34 Jahren haben den für alle einheitlichen Schulabschluss ESO, der mit der mittleren Reife vergleichbar ist.

Das führt dazu, dass es in Spanien nur rund 270.000 Berufsschüler, aber 1,5 Millionen Studenten gibt, die wiederum zum großen Teil hoffnungslos überqualifiziert für den aktuellen spanischen Stellenmarkt sind. Es gibt viel zu wenig Leute, die eine gute Berufsausbildung haben."


30.000 junge Spanier(46.704.314 Ew. am 1.1.2013) haben in diesem Jahr Ausbildungsvertrag mit einer spanischen Firma unterzeichnet - gegenüber gut 550.000 Lehrlingen (Deutschland: 80.523.746 Ew. am 31.12.2012), ein krasses Missverhältnis.

Benutzeravatar
Oliva B.
Admin
Admin
Beiträge: 17990
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 08:17
Wohnort: El Comtat, Marina Alta (E), NRW/OWL (D)
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Oliva B. » Mi 9. Okt 2013, 10:06

Und weiter geht es:

Zitat:
"In anderen Orten der Welt wie Japan, Holland oder Schweden wissen die Abiturienten mehr als die Menschen mit Universitätsabschluss hier“,
klagt die Tageszeitung >El Mundo< über das spanische Bildungssystem. Hier geht es zu dem Artikel der >Berliner Zeitung<.

Auch wenn die Deutschen, die Schweizer (sowieso) und die Österreicher (so lala) besser da stehen als die Spanier, sollte man doch genauer hinschauen:
Deutsche beim Lesen nur Mittelmaß - Zitat: "Bei den weltweiten Pisa-Schultests schaffen es die 15-Jährigen aus Deutschland allenfalls knapp bis ins obere Mittelfeld - während Japan, Finnland und Korea stets ganz weit oben rangieren. Ein ähnliches Bild offenbart jetzt der erste Pisa-Test für Erwachsene."
Deutschlands Erwachsene lesen und rechnen im internationalen Vergleich nur mittelmäßig
Jeder sechste deutsche Erwachsene liest wie ein Zehnjähriger
Deutschland vergeudet junge Talente
Chancenkiller Grundschule

Benutzeravatar
Oliva B.
Admin
Admin
Beiträge: 17990
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 08:17
Wohnort: El Comtat, Marina Alta (E), NRW/OWL (D)
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Oliva B. » Sa 13. Aug 2016, 20:13

"
ÖFFENTLICHE SCHULEN IN SPANIEN: OPFER DER PRIVATISIERUNGSPOLITIK:

Wo die Konservativen an der Macht waren oder sind, boomen private Lehranstalten.
Öffentliche Schulen hingegen verwahrlosen." - Zitate aus dem obigen Artikel:
  • "[...] im Raum Valencia gehen sogar fast die Hälfte aller SchülerInnen auf Privatschulen."
    [...] ein Blick auf das Land Valencia -[...] zeigt die Folgen der konservativen Bildungspolitik. Die neue Regierung [...]veröffentlichte Statistiken, denen zufolge unter den Konservativen im öffentlichen Schulsystem 834 Klassen geschlossen wurden, während in den Privatschulen 95 neue Klassen aufmachten.!
    "Im konservativen Bildungslabor Valencia verlassen sogar mehr als ein Drittel die Schule ohne Hauptschulabschluss."
Und für Eltern schulpflichtiger Kinder gleich noch eine weitere Sparmaßnahme (auf Spanisch):
  • Die autonome Landesregierung des Landes Valencia schafft die ärztlichen Schulatteste für die über 14-Jährige ab.
    Mit dieser Maßnahme wird versucht, die Bürokratie überfüllter Arzt- und Kinderarztpraxen des öffentlichen Gesundheitssystems zu entlasten. Quelle
Zum Thema Schulbesuch die Erfahrungen Kinder spanischer Freunde, die in die Schweiz ausgewandert sind:
  • 2012 ist eine Tochter unserer spanischen Freunde mit ihrer Familie in die Schweiz ausgewandert, weil der Familienvater hier keine Arbeit mehr fand (Architekt-Immobilienblase). Die Kinder waren damals 6 und 12 Jahre alt. In der französischen Schweiz mussten sie Französisch lernen, Englisch und Deutsch kamen inzwischen als Fremdsprachen hinzu. In Valencia waren die Kinder auf einer Privatschule (für die Eltern kam in Spanien keine öffentliche Schule in Frage), die private kostete für beide Kinder um die 800 Euro monatlich.
    Beide Kinder wurden in dem kleinen Wintersportort von Anfang individuell durch Sonderunterricht gefördert. Die Große hatte in diesem Jahr die Bestnote in Deutsch. Die Kleine ist Klassenbeste.
    Wie jedes Jahr besuchten die Kinder in den großen Ferien ihre Großeltern in unserem Dorf, wo sie mit ihren alten Spielkameraden zusammentreffen. In diesem Jahr sagte die Große zu ihrer Mutter, dass sie jetzt endlich merke, welch eine gute Ausbildung (öffentliche Schule) ihr die Eltern in der Schweiz bieten. Sie hat festgestellt, dass sie ein sehr viel größeres Allgemeinwissen als ihre spanischen Freundinnen hat - von den Sprachen (Spanisch, Valenciano Französisch, Englisch und Deutsch) einmal abgesehen.
Chris schrieb in einem Beitrag, in dem es um Valenciano im Unterricht ging:

  • "Allein dass hier in der Region Altea die Durchsetzung des Valenciano wider jede Vernunft, und zu Lasten der Zukunfts-Chancen meiner Kinder wegen unnötigen Sprachwirrwarrs in ihrer schulischen Erziehung, als "linguistische Normalisierung" bezeichnet wird, zeigt doch schon, welch kleines geistiges aber dafür extrem politisch polarisiertes Licht dort leuchtet." Interessierte Eltern können hier weiter lesen
Und hier noch etwas über die Linia PIP.

Benutzeravatar
Kipperlenny
Tech-Supporter
Tech-Supporter
Beiträge: 1610
Registriert: Sa 27. Feb 2016, 00:07
Wohnort: Pedreguer
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Kipperlenny » So 14. Aug 2016, 01:25

Wir schreiben dann die nächsten Jahre immer wie es denn in Pedreguer so ist - nach einem Jahr private Escuela Infantil geht unsere Tochter jetzt ja auf die öffentliche hier im Ort.

Allerdings bin ich nicht so auf Leistung aus (wie das in Deutschland etc. gerne immer gefordert wird) sondern möchte, dass meine Kinder nicht dauernd in Angst vor der nächsten Prüfung leben oder bis spät in die Nacht Hausaufgaben machen müssen. Na mal schauen wie es so wird die nächsten.... 13 Jahre :D

Das Schulattest kann man aber für alle Altersstufen abschaffen - mein Kind wiegen und die Größe messen kann ich auch selbst - das war der Arztbesuch vor 2 Wochen bzgl. meiner Tochter nämlich schon.

Benutzeravatar
Oliva B.
Admin
Admin
Beiträge: 17990
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 08:17
Wohnort: El Comtat, Marina Alta (E), NRW/OWL (D)
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Oliva B. » So 14. Aug 2016, 09:25

Kipperlenny hat geschrieben:Allerdings bin ich nicht so auf Leistung aus (wie das in Deutschland etc. gerne immer gefordert wird) sondern möchte, dass meine Kinder nicht dauernd in Angst vor der nächsten Prüfung leben oder bis spät in die Nacht Hausaufgaben machen müssen. Na mal schauen wie es so wird die nächsten.... 13 Jahre :D
Hallo Lenny,

ich bin gespannt, was du in Zukunft berichten wirst. Eure eigene Schulzeit (und Studium) ist noch nicht soooo lange her, daher könnt ihr noch gut Vergleiche ziehen. Allerdings sollte man unterscheiden zwischen (ungesundem) Leistungsdruck und Unterforderung. Letzteres ist hierzulande wohl eher das Problem....
Kipperlenny hat geschrieben:Das Schulattest kann man aber für alle Altersstufen abschaffen - mein Kind wiegen und die Größe messen kann ich auch selbst - das war der Arztbesuch vor 2 Wochen bzgl. meiner Tochter nämlich schon.
Ich habe allerdings gedacht, dass die schulischen Untersuchungen den deutschen Vorsorgeuntersuchungen entsprechen, aber auch dort sind Vorsorgeuntersuchungen nach dem 5. Lebensjahr wohl nicht (mehr?) Standard. Die U10 und U11 sowie die J2 werden in Deutschland nur zum Teil von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Quelle

Benutzeravatar
Kipperlenny
Tech-Supporter
Tech-Supporter
Beiträge: 1610
Registriert: Sa 27. Feb 2016, 00:07
Wohnort: Pedreguer
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Kipperlenny » So 14. Aug 2016, 11:37

Oliva B. hat geschrieben:Ich habe allerdings gedacht, dass die schulischen Untersuchungen den deutschen Vorsorgeuntersuchungen entsprechen
Die U Untersuchungen gibt es hier ja gar nicht - sondern nur "Impftermine". Also nichts mit Klötzchenbauen vor dem Arzt, korrekte Aussprache, Gleichgewicht prüfen etc.
Auch die deutsche Einschulungsuntersuchung ist ja viel viel umfangreicher - ich wäre damals fast durchgefallen weil ihnen mein Stirchmännchen nicht gefallen hat :D Hier war es wirklich nur Größe messen, wiegen, abhören, Zettel ausstellen.

calpe06
activo
activo
Beiträge: 275
Registriert: Mi 3. Sep 2008, 13:57
Wohnort: Calpe
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von calpe06 » So 14. Aug 2016, 20:00

Also ich muss mal sagen, dass ich die oeffentliche Schule gar nicht so schlecht finde, wei es immer gesagt wird.

Im Colegio bekommen Auslaender auch kostenlos Zusatzunterricht.
Im INstituto gibt es das auch noch, wenn es dann noch benoetigt wird.
Unsere Grosse ist hier gleich in die 2. Klasse im Colegio gekommen, obwohl sie in Deutschland erst eingeschult worden waere.
Aber sie hat es trotzdem ohne Probleme geschafft. Mittlerweile kommt sie jetzt in die 4 ESO im Instituto.
Es liegt nicht nur an der Schule. Auch die Schueler muessen was tun fuer die Schule oder die Eltern muessen da strenger hinter stehen, dass die Kids was machen als nur in die Disco zu rennen. Es sind viele Spanier, die hier wiederholen mussten und das nun schon 2x und das nur weil die immer zur Disco rennen und nur Jungs im Kopf.
Was ich noch gut find, dess die Kids hier immer noch am Schuljahresende die Chance haben die verhauenen Faecher nich mal aufzuholen, na klar muss man dafuer auch lernen, aber dass muss man in Deutschland auch.
Wie gesagt unsere Grosse hat alles geschafft und das sogar ohne Extra Examen am Schujahresende und ich bin sehr stolz auf sie, dass sie sich auf die Schule konzentriert und nicht nur Disco und Jungs im Kopf hat.
Nur mal als Beispiel: Bei Elternversammlungen sind von ca 32 Schuelern meistens nur von ca 10 Schuelern die Eltern anwesend, das sagt doch schon fast alles und diese sind dann auch fast noch alles Auslaender.
Die Eltern und die Lehrer muessen dahinter stehen und die Schueler in den Arsch treten so wie es bei uns frueher noch war.

Ja das einzigste was hier bloed ist, ist dass unbedingt das Valenciano drin sein muss, aber auch dass haben wir geschafft.
Wir sassen am Anang da und habe manchmal bis 3 Uhr morgens an den Hausaufgaben gesessen, wegen dem Ueberstezten in Caste und Valen und Deutsch und wieder zurueck, aber wir haben es geschafft.

Dann kenne ich da eine Familie (Auslaender) da heisst es eine Stunde Hausaufgaben und was da nicht geschafft wird ist egal und Samstag und Sonntag ist Chilltag. Na was aus diesen Schuelern wird, kann man sich ja denken, wenn sie nicht spaetestes auf dem Instituto die Kurve bekommen und von selber den Ar... hochbekommen.
Liebe Gruesse
Steffi und Familie

Benutzeravatar
Oliva B.
Admin
Admin
Beiträge: 17990
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 08:17
Wohnort: El Comtat, Marina Alta (E), NRW/OWL (D)
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Oliva B. » Mo 15. Aug 2016, 20:34

Hallo Steffi,

nach so viel negativer Presse ein positives Beispiel, dass nicht unbedingt das Schulsystem Schuld daran trägt, wenn ein Schüler das Klassenziel nicht erreicht. Ich wünsche deiner Tochter, dass ihr Fleiß und ihr Durchhaltevermögen später mit attraktiven Arbeitsangeboten belohnt wird.

Benutzeravatar
Oliva B.
Admin
Admin
Beiträge: 17990
Registriert: Mi 6. Mai 2009, 08:17
Wohnort: El Comtat, Marina Alta (E), NRW/OWL (D)
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Oliva B. » Mi 16. Nov 2016, 10:53

Vielleicht interessiert sich jemand von euch für das Video aus der ZDFmediathek (2 Min.)?

  • Hausaufgaben-Streik in Spanien:
    Spaniens Kinder sind in der Regel auf Ganztagsschulen. 60 Stunden Unterricht, dann nochmal fast sieben Stunden Hausaufgaben pro Woche. Zeit für Familie und gemeinsame Aktionen gibt es da kaum. Den Eltern reicht es jetzt. Sie wollen die Hausaufgabenflut …

Benutzeravatar
Kipperlenny
Tech-Supporter
Tech-Supporter
Beiträge: 1610
Registriert: Sa 27. Feb 2016, 00:07
Wohnort: Pedreguer
Kontaktdaten:

Re: Fatales Schulsytem

Beitrag von Kipperlenny » Mi 16. Nov 2016, 11:01

Ich habe eh keine Ahnung warum die Eltern (in Deutschland) das immer weiter mitmachen - das ist ja kein allein spanisches Problem. Hausaufgaben für die Ferien etc. habe ich alles selbst erlebt in der Schule.

Ich habe irgendwann in der 9. Klasse aufgehört Hausaufgaben zu machen - komplett. Ungefähr zu der Zeit wo man als Mutter den Einfluss verliert :D Da gab es immer Mal wieder Ärger und meine Mutter hatte es mit den Lehrergesprächen nicht leicht - ich habe dann begonnen auch keine Mappen mehr zu führen >:)

Na meinen Kindern werde ich beibringen wie ich durch die Schule gekommen bin (habe ja kein zu schlechtes Abitur ohne eine Klasse wiederholen zu müssen) und sie dann so gut es geht dabei unterstützen. Man sollte in der Schule halt lernen wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden und der Schnitt muss halt passen (statt alles perfekt zu haben). Wenn man mündlich gut mitarbeitet und die Klausuren auch ne 2 sind, dann kann man auch die 5 für fehlende Hausaufgaben verkraften...

Was will ich damit sagen? Das Wichtigste ist, dass die Kinder den Spaß am Lernen, Ihre Neugier und Lust auf Wissen nicht verlieren - das darf die Schule ihnen nicht kaputt machen. Und notfalls muss man als Eltern halt der Schule auch Grenzen setzen (siehe Dein Beitrag vom ZDF). Letztendlich sind es ja meine Kinder :smile:

Antworten

Zurück zu „Familienecke“