Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Schulsystem. Freizeitgestaltung mit Kindern, Tipps für Urlaub mit Kindern
rainer
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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von rainer » Do 22. Jun 2017, 22:41

Oliva B. hat geschrieben:[...
Aber die rein spanischsprachigen Gebiete in unserer Provinz (und in der Autonomen Region Valencia) wird es bald nicht mehr geben, wenn die Bemühungen weiter gehen....
Hoffentlich gebietet noch irgendjemand diesem Irrsinn Einhalt. Ich versuche mir ähnliches gerade in D vorzustellen: Schulen, in denen hochdeutsch abgeschafft wird? Stattdessen Bayrisch, Schwäbisch, Friesisch, Lippisch? Rückfall ins Mittelalter.
Gruß
rainer

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Soledad
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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von Soledad » Do 22. Jun 2017, 22:50

rainer hat geschrieben:Ich versuche mir ähnliches gerade in D vorzustellen: Schulen, in denen hochdeutsch abgeschafft wird? Stattdessen Bayrisch, Schwäbisch, Friesisch, Lippisch? Rückfall ins Mittelalter.
Jo, so wird ein Schuh draus... (im Gegensatz zu sol's "Vergleich" ;) ).

Aber wie heißt es so schön: España es diferente... !!! :lol: :lol: :lol:
Dios nunca te cerrarà una puerta, sin antes abrirte una ventana.
Un saludo, Soledad

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Oliva B.
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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von Oliva B. » Fr 23. Jun 2017, 17:15

Nachtrag für Lenny:

Ich kenne mich nicht genügend im valencianischen Schulsystem aus, um dir in der Frage einen Tipp zu geben.

Was ich beim Überfliegen der vielen Nachrichten rund um das Thema "mitnehmen" konnte, war, dass Eltern, die ihre Kinder nicht auf Valenciano unterrichten lassen wollen, sich durch das neue Gesetz (decreto de plurilingüismo) "erpresst" fühlen, denn es besagt, dass Kinder, die Valenciano wählen, mehr Englischstunden erhalten als Schüler, die sich für den spanischsprechenden Zweig entscheiden. Wegen dieser Benachteiligung
wählt(e) die Mehrheit der Eltern den Valencianozweig, vielleicht auch deshalb, weil beim späteren Studium an einer Universität innerhalb der Valencianischen Gemeinschaft Studierende mit guten Valenciano-Kenntnissen ungleich bessere Chancen haben.

Eltern fühlen sich in ihrem Recht beschnitten, zwischen den beiden Amtssprachen WÄHLEN zu können, denn Kinder, die jetzt in den Kindergarten kommen, werden demnächst von Erziehern betreut, die mit ihnen ausschließlich Valenciano sprechen. Das sei diskriminierend und letztendlich auch eine Frage des Respekts, so ein Teil der Eltern. Bisher konnten sie zwischen dem Spanisch-Zweig (mit nur zwei Fächern, die auf Valenciano unterrichtet wurden) wählen und dem Valenciano-Zweig. Manche Eltern trauen sich nicht, ihre Kritik öffentlich zu machen, da sie Benachteiligungen für ihre Kinder befürchten. Der Anteil der Schulen, die Valenciano vorziehen, soll angeblich im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen sein. Im Süden der Provinz Alicante und im Hinterland der Provinz Valencia wird jedoch vorwiegend Spanisch (español/castellano) gesprochen und unterrichtet. Dadurch können die Schüler weder die Pflichtsekundarstufe (ESO) noch die Oberstufe (Bachillerato) mit einem Zertifikat in Valenciano noch einem B1-Zertifikat in Englisch abschließen bzw. beginnen, Voraussetzung für ein Studium an einer der hiesigen Universitäten.
(Anmerkung: Für die Auswahl künftiger Chirurgen ist es scheinbar in der Valencianischen Gemeinschaft entscheidend, wie gut der Studierende Valenciano beherrscht und nicht wie gut seine Noten in den wichtigen Fächern sind - oder ob er ein Skalpell halten kann....? Lehrer müssen jetzt schon ein C1-Zertifikat für Valenciano haben, um an öffentlichen Schulen unterrichten zu dürfen.)

Eltern, die gegen das neue Gesetz sind, verkünden ihren Unmut auf Plattformen wie "No al decretazo, sí a la elección", "Asociación para la defensa del castellano" oder "Igualdad Lingüística", letztere wurde von Paola Orenes aus Calpe ins Leben gerufen.
Diese kurze Zusammenfassung stammt aus dem Artikel El valenciano vence al castellano en los colegios con el ‘chantaje’ del inglés.
  • Wenn Eltern wollen, dass ihre Kinder auf Spanisch unterrichtet werden sollen, müssten sie das innerhalb der ersten 2 Wochen nach Kursbeginn schriftlich beantragen.

    Im Artikel 6 Absatz 2 der Satzung der Autonomen Region Valencia (2006) wurde festgelegt, dass die valencianische Sprache offizielle Srache der Autonomen Gemeinschaft Valencia ist, genauso wie Spanisch die offizielle Staatssprache ist.
    Der Artikel 20 des Gesetzes 4/1983 vom 23. November über die den Gebrauch und die Lehre des Valenciano besagt, dass es keine Diskriminierung der Schüler geben dürfe, die normalerweise Spanisch sprechen.

    Außerdem besagt irgendeine Resolution vom 1. Juli 1997, dass die Möglichkeit einer anderen sprachlichen Behandlung besteht, sofern Eltern oder Erziehungsberechtigte dies beantragen... (s. o.)

    Das fand ich (inkl. Musterbrief/Antrag) auf dieser Web Site. - Ob das jedoch eine Hilfe ist, kann ich nicht beurteilen.

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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von Kipperlenny » Sa 1. Jul 2017, 21:45

Ich danke Dir, wir werden uns die beiden Webseiten mal genauer anschauen.

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Oliva B.
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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von Oliva B. » Fr 14. Jul 2017, 17:00


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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von Kipperlenny » Fr 14. Jul 2017, 17:02

Muss ich mir hinterher mal genau durchlesen - wir waren gestern zumindest schon mal auf unserer ersten spanischen Demo - konnte die Kinder gleich mal lernen was eine Demo ist :D

http://renovacion.eu/2017/07/14/varios- ... ler-marza/

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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von Sunwind » Fr 14. Jul 2017, 17:34

Kipperlenny hat geschrieben:Muss ich mir hinterher mal genau durchlesen - wir waren gestern zumindest schon mal auf unserer ersten spanischen Demo - konnte die Kinder gleich mal lernen was eine Demo ist :D

http://renovacion.eu/2017/07/14/varios- ... ler-marza/
Finde ich gut - die spinnen doch !!

Gruß

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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von basi » Fr 14. Jul 2017, 20:10

In der heutigen Ausgabe der CBN fand ich folgenden Artikel:

Das Madrider Erziehungsministerium hat das Dekret für Mehrsprachigkeit der
Landesregierung Valencia als „diskriminierend“ eingestuft. Das vom Oberlandesgericht einstweilig
gestoppte Dekret
bildet die Grundlage, um Schüler im valencianischen Zweig beim
Fremdsprachenunterricht zu bevorzugen.
ich verspreche nichts, und das halte ich auch

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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von chris » Di 18. Jul 2017, 02:33

Kipperlenny hat geschrieben: eine beschissene Minderheitssprache die man nirgends auf der Welt brauchen kann
Besser hätte ich es auch nicht zusammenfassen können.
;-)

Wir haben genau die gleichen Sorgen um die Zukunft unserer Kinder. Insbesondere die Gefahr, dass sie allein auf Grund der "Sprache" im Unterricht nicht mitkommen werden.

Außerdem leiden natürlich wichtige Sprachen darunter, wenn der Kopf mit einem Dorfdialekt zugekotzt wird. In Schule und Kindergarten ließ sich "Valenciano" bislang weitgehend vermeiden, trotzdem sprechen unsere Kleinen ein wildes Gemisch aus Spanisch, Deutsch und Niederländisch. Was daraus werden soll, wenn es den ganzen Vormittag Dialekt gibt, das möchte ich mir gar nicht ausmalen.

Ich verstehe nicht, warum nicht endlich von höherer Stelle gegen den Mist vorgegangen wird. Wenn ich mich recht entsinne, ist es die spanische Verfassung, die ungefähr so formuliert: Jeder Spanier hat die spanische Sprache zu beherrschen und das Recht, eine der offiziellen regionalen Amtssprachen zu benutzen.

In Altea sind wir soweit, dass neue Beschilderung mittlerweile nur noch im Dorfdialekt erfolgt, egal wie sehr dass Gebiet offiziell zweisprachig ist. Auch offizielle Veranstaltungen der Stadtverwaltung, zum Beispiel für Kinder, gibt es nicht mehr auf Spanisch. So wird uns als Steuerzahlern, noch dazu mit einem gewissen überregionalen Bildungsniveau, der Zugang zu den meisten Events unmöglich gemacht.

Vor rund zwanzig Jahren habe ich mich bewusst gegen Barcelona entschieden, ohne zu ahnen, dass die valenzianische Gemeinschaft im Jahre 2017 den damaligen Zuständen in Cataluña in nichts mehr nachstehen würde.

Wohin der Irrsinn mittelfristig führt, sieht man in Cataluña. Politische Extremisten fordern die unilaterale Abspaltung und verbieten den Gebrauch der spanischen Sprache für die Beschriftung von Geschäften, etc. Trotz entsprechender Verbote werden verfassungswidrige Referenden veranstaltet, und die Menschen werden linguistisch gegeneinander aufgehetzt. Es gibt inzwischen sogar eine App, ähnlich Tripadvisor, in der Läden und Geschäfte allein dahingehend bewertet werden können, wie gut das Personal Cacalà spricht.

Das steht uns hier in Valencia in der Zukunft wohl noch alles bevor, es sei denn, ein Wunder geschieht.

Warten wir mal ab, wie sich das auf unsere Kinder auswirkt. Ich hoffe immer noch, dass die das irgendwie meistern werden.

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Re: Neues Gesetz - nun ist alles Valencian

Beitrag von sol » Di 18. Jul 2017, 05:31

chris hat geschrieben:
Kipperlenny hat geschrieben: eine beschissene Minderheitssprache die man nirgends auf der Welt brauchen kann
Besser hätte ich es auch nicht zusammenfassen können.
;-)Warten wir mal ab, wie sich das auf unsere Kinder auswirkt. Ich hoffe immer noch, dass die das irgendwie meistern werden.
dazu : die Kinder sind da doch recht lernfähig----- >:d<
Meine Mutter sprach tiefstes sächsisch-ich wurde in Berlin geboren--beherrschte beides--heute noch
unsere Kinder durften 1977 tiefstes schwäbisch lernen- ick ooch ( mit 40 )- kann es heute noch teilw.
meine Kunden von der Maingrenze bis zum Bodensee , also fast ganz Ba.Wttbg.( ausser Baden)
sprachen sooo unterschiedlich --musste ich mich einstellen----
unser Sohn spricht jetzt bayerisches schwäbisch unsere Tochter Mischmasch bei Heidelberg
dann kam 1999 spanisch dazu- ein paar Vokabeln sind hängen geblieben
Ergo : die Umgebung formt die Sprechweise mMn.------ :-?
Gruss Wolfgang

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