JA, die Baztán-Trilogie ist für mich natürlich „ganz großes Kino“baufred hat geschrieben: Sa 22. Aug 2026, 18:03
@Frambuesa: ... schon vor längerer Zeit mehrfach erwähnt > Autorin: Dolores Redondo - sowohl in Spanisch, wie auch in Deutsch verfügbar - sogar bereits verfilmt > ein mystischer Krimi-3-Teiler > Baztán-Trilogie - spielt in einem Tal in Navarra
Wer liest gerade was?
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Frambuesa
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Re: Wer liest gerade was?
Saludos Frambuesa
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Eine Reise erhält ihre Bedeutung stets durch die Perspektive und Intention,
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Re: Wer liest gerade was?
Ich bin schon fast mit dem nächsten durch, das ebenfalls im Nordwesten spielt, genauer in Galicia, hier handelt es sich aber wieder um den typischen Kriminalroman mit zwei Hauptfiguren, die prinzipiell den Fall alleine ermitteln. Also eher durchschnittlicher Stoff, vorbei an der Realität der Polizeiarbeit, der sich gerade völlig in Details und der "dunklen Vergangenheit" verliert, im Schatten der Geheimbruderschaft del Cuélebre, eines galizischen Fabelwesens, von dem ich nicht weiß, ob es wirklich eine Fabel dazu gibt oder nicht. Google wird es im Zweifelsfall wissen.Frambuesa hat geschrieben: Sa 22. Aug 2026, 16:59 Hat mir auch gefallen, weil es sich um einen Krimi aus dem Norden Spaniens handelt, wo es ohnehin vor mystischen Erzählungen nur so wimmelt und ich mich seit Wochen damit beschäftige![]()
Wenn ich mich durch die letzen 40 Seiten gelesen habe, schreibe ich vielleicht noch ein paar Zeilen zur Colina del Cuervo von Ager Aguirre.
Saludos,
Chris
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Re: Wer liest gerade was?
La Colina del Cuervo von Ager Aguirre
Vorab ein kleiner Spoileralarm: da mich das Buch nicht so begeistert hat, dass ich es vorbehaltlos empfehlen würde, sind in der Besprechung einige Details enthalten, die der interessierte Leser gegebenenfalls lieber aus dem Buch selbst erfahren würde. Mörderin, Mörder und oder Motiv werden aber nicht verraten.
Wie angekündigt, geht es direkt weiter mit Spaniens wildem Nordwesten. Diesmal hat meine Lektüre alles in den Ring geworfen, was mir das Lesen prinzipiell verleidet:
- Zwei Polizisten, die alles im Alleingang erledigen, ob nun Verbrecherjagd im Boot oder nächtliche Einsätze direkt am Kliff - unser dynamisches Duo kommt ohne jede Unterstützung klar - oder auch nicht.
- Romanzen und Erektionen so weit das Auge reicht, gefühlt ist jeder scharf auf jeden, nicht nur zwischen den diversen Protagonisten knistert es hier und da, auch die alten notgeilen konservativen weißen Männer, die kleine unschuldige Mädchen missbrauchen, dürfen nicht fehlen.
- Bis zu einem gewissen Punkt ist es überschaubar, dann aber wird es wild. Eine geheime Bruderschaft, gehobene asturianische Kreise und der beinahe unvermeidliche Altfall, der dem kurz vor der Pensionierung stehenden Polizisten seit Jahrzehnten nachschleicht wie ein lästiger Stalker. Wenn so etwas auf dem Klappentext auftaucht, bin ich normalerweise raus. Plötzlich wird ein ganzes Fass an letztlich unwichtigen Personen und Handlungssträngen über die Story entleert, um das bisweilen absurde Verhalten der ermittelnden Inspektoren zu rechtfertigen und um uns möglichst viele falsche Fährten zu präsentieren, die aber alle nicht ausermittelt werden.
- Und natürlich ist die liebste Hauptfigur einer Autorin.... richtig! hunderttausend Punkte! ... eine Autorin. Wo früher ein gewisser S. King aus Maine konsequent war, nämlich stets und ständig Schriftsteller aus Maine zu Protagonisten seiner Erzählungen zu machen, hat sich dies in letzter Zeit in fast alle Bücher eingeschlichen, die man angeboten bekommt. Müßig zu erwähnen, dass sich auch hier die Schreibblockade unserer selbstverständlich attraktiven und intelligenten Heldin nach Abschluss des Falls löst, und sie im Epilog ein super duper erfolgreiches Buch publiziert, während einer der Polizisten und seine Kollegin endlich in der Kiste gelandet sind und dümmlich grinsend in der Warteschlage stehen, die sich zwei Jahre nach Ende der eigentlichen Geschichte in einer lokalen Buchhandlung formiert hat, um sich von unser Heldin Schrägstrich Autorin eine Widmung ins Buch schmieren zu lassen. Wo sind bloß all die kaputten Typen wie Varg Veum geblieben, die in den 70ern mit ihrer Aquavit-Fahne durch Küstenorte strichen, um dem Täter auf die Spur zu kommen? Heutzutage hat man als Hobbydetektivin lackierte Nägel und steht manchmal auch nachts für Yogurette auf.
Aber worum geht es denn nun eigentlich? Victoria, die attraktive Autorin mit Schreibblockade und stets zum Scheitern verurteilten Beziehungen, steht nach einer klaren Ansage per Textnachricht von ihrem Freund wieder als Single da, fährt weinend ans Meer, lässt sich in einer Bar mit Whisky volllaufen, jedoch ohne die Charaktertiefe eines Varg Veum auch nur annähernd zu erreichen, und verliert keine Zeit, mit einem sich ihr aufdrängenden Franzosen in einem lokalen Hotel einzuchecken. Als sie am nächsten Morgen noch verklebt von der nächtlichen aventure amoureuse aufwacht, ist der Liebhaber von der Seine verschwunden, allerdings nur für kurze Zeit, denn man findet seinen Kadaver recht zeitnah am schwer zugänglichen Strand hinter dem Hotel. Aufgeschlitzt mit einem Dreizack und mit raußen Augen, neben einer ebenfalls toten Krähe. Das kann nur der Cuélebre aus der asturischen Legende gewesen sein, ein Fabelwesen in Schlangenform mit Flügeln, dem dem weiteren Verlauf der Geschichte zufolge traditionell Jungfrauen zur Ehelichung geopfert werden müssen, damit die lokalen Fischer unbehelligt ihrem Tagewerk nachgehen können.
Ab diesem Punkt kommt die bereits erwähnte geheime Bruderschaft ins Spiel, die unbehelligt ihrem Tagewerk der Zwangsverheiratung kleiner Mädchen nachgehen kann, im Schatten der großen Legende vom Cuélebre, die über allem schwebt wie eine dunkle Wolke mit 80% Niederschlagswahrscheinlichkeit. Im Nachgang lässt uns die Autorin wissen, dass es wirklich eine Legende vom Cuélebre gibt, nicht jedoch in der Form wie im Buch erwähnt, und die Bruderschaft sei fiktiv.
Müßig zu erwähnen, dass das muntere Stechen mit dem Dreizack weitergeht, während die Legende uns verfolgt; ebenso wie der Altfall und die hohen Kreise der lokalen Gesellschaft, die Alleingänge der Inspektoren und aufgesetzt wirkendes Lokalkolorit, auch in Form von regionalen Ausdrücken, die in die Erzählung eingestreut und in etlichen Fußnoten erklärt werden.
Am Ende versucht man sich an einer harten Beschleunigung des Tempos, doch statt gespannte Atemlosigkeit zu erzeugen, grenzt es ans Lächerliche, wenn erwachsene Menschen sich von ganz offensichtlich falschen Textnachrichten im Stile von "Du musst unbedingt kommen und dir das ansehen!!!" ans Meer in die Einöde zum kurzen Showdown locken lassen. Das dort enthüllte Serienmord-Motiv ist eher Banane und liegt weit abseits dessen, was im gesamten Buch konstruiert wurde. Irgendwie hat es Ager Aguirre geschafft, das dem Verleger als raffinierten Plot-Twist zu verkaufen, für mich ist es aber eher so als wenn man mir diverse exklusive Speisekarten vorlegt und dann ein Servierwagen mit Silberkuppel herangerollt wird, unter der eine Käsestulle liegt. Kann man essen, man fragt sich aber, was der ganze Aufriss vorher sollte. Und während der Täter (oder war es eine Täterin?) noch aus dem Nähkästchen plaudert, zwei reichlich naive Menschen zu seinen / ihren Füßen liegend, löst einer der Polizisten die Situation ebenso endgültig wie sicherlich vorschriftswidrig mit einem exakt platzierten Fernschuss aus seiner Dienstwaffe.
Die Nebenschauplätze werden danach im Epilog alle in ein, zwei Sätzen dicht gemacht, die Bösen bekommen su merecido, und die Guten signieren Erfolgsromane beziehungsweise lassen sie sich signieren. Was soll man dazu sagen? Man muss die Region und ihre Legenden schon lieben, um sich an dem Buch zu ergötzen. Für mich bleibt es ein austauschbarer Kriminalroman mit einer Prise Beziehungsstress, einer Prise lokale Legende und einer Prise Realitätsferne.
Vorab ein kleiner Spoileralarm: da mich das Buch nicht so begeistert hat, dass ich es vorbehaltlos empfehlen würde, sind in der Besprechung einige Details enthalten, die der interessierte Leser gegebenenfalls lieber aus dem Buch selbst erfahren würde. Mörderin, Mörder und oder Motiv werden aber nicht verraten.
Wie angekündigt, geht es direkt weiter mit Spaniens wildem Nordwesten. Diesmal hat meine Lektüre alles in den Ring geworfen, was mir das Lesen prinzipiell verleidet:
- Zwei Polizisten, die alles im Alleingang erledigen, ob nun Verbrecherjagd im Boot oder nächtliche Einsätze direkt am Kliff - unser dynamisches Duo kommt ohne jede Unterstützung klar - oder auch nicht.
- Romanzen und Erektionen so weit das Auge reicht, gefühlt ist jeder scharf auf jeden, nicht nur zwischen den diversen Protagonisten knistert es hier und da, auch die alten notgeilen konservativen weißen Männer, die kleine unschuldige Mädchen missbrauchen, dürfen nicht fehlen.
- Bis zu einem gewissen Punkt ist es überschaubar, dann aber wird es wild. Eine geheime Bruderschaft, gehobene asturianische Kreise und der beinahe unvermeidliche Altfall, der dem kurz vor der Pensionierung stehenden Polizisten seit Jahrzehnten nachschleicht wie ein lästiger Stalker. Wenn so etwas auf dem Klappentext auftaucht, bin ich normalerweise raus. Plötzlich wird ein ganzes Fass an letztlich unwichtigen Personen und Handlungssträngen über die Story entleert, um das bisweilen absurde Verhalten der ermittelnden Inspektoren zu rechtfertigen und um uns möglichst viele falsche Fährten zu präsentieren, die aber alle nicht ausermittelt werden.
- Und natürlich ist die liebste Hauptfigur einer Autorin.... richtig! hunderttausend Punkte! ... eine Autorin. Wo früher ein gewisser S. King aus Maine konsequent war, nämlich stets und ständig Schriftsteller aus Maine zu Protagonisten seiner Erzählungen zu machen, hat sich dies in letzter Zeit in fast alle Bücher eingeschlichen, die man angeboten bekommt. Müßig zu erwähnen, dass sich auch hier die Schreibblockade unserer selbstverständlich attraktiven und intelligenten Heldin nach Abschluss des Falls löst, und sie im Epilog ein super duper erfolgreiches Buch publiziert, während einer der Polizisten und seine Kollegin endlich in der Kiste gelandet sind und dümmlich grinsend in der Warteschlage stehen, die sich zwei Jahre nach Ende der eigentlichen Geschichte in einer lokalen Buchhandlung formiert hat, um sich von unser Heldin Schrägstrich Autorin eine Widmung ins Buch schmieren zu lassen. Wo sind bloß all die kaputten Typen wie Varg Veum geblieben, die in den 70ern mit ihrer Aquavit-Fahne durch Küstenorte strichen, um dem Täter auf die Spur zu kommen? Heutzutage hat man als Hobbydetektivin lackierte Nägel und steht manchmal auch nachts für Yogurette auf.
Aber worum geht es denn nun eigentlich? Victoria, die attraktive Autorin mit Schreibblockade und stets zum Scheitern verurteilten Beziehungen, steht nach einer klaren Ansage per Textnachricht von ihrem Freund wieder als Single da, fährt weinend ans Meer, lässt sich in einer Bar mit Whisky volllaufen, jedoch ohne die Charaktertiefe eines Varg Veum auch nur annähernd zu erreichen, und verliert keine Zeit, mit einem sich ihr aufdrängenden Franzosen in einem lokalen Hotel einzuchecken. Als sie am nächsten Morgen noch verklebt von der nächtlichen aventure amoureuse aufwacht, ist der Liebhaber von der Seine verschwunden, allerdings nur für kurze Zeit, denn man findet seinen Kadaver recht zeitnah am schwer zugänglichen Strand hinter dem Hotel. Aufgeschlitzt mit einem Dreizack und mit raußen Augen, neben einer ebenfalls toten Krähe. Das kann nur der Cuélebre aus der asturischen Legende gewesen sein, ein Fabelwesen in Schlangenform mit Flügeln, dem dem weiteren Verlauf der Geschichte zufolge traditionell Jungfrauen zur Ehelichung geopfert werden müssen, damit die lokalen Fischer unbehelligt ihrem Tagewerk nachgehen können.
Ab diesem Punkt kommt die bereits erwähnte geheime Bruderschaft ins Spiel, die unbehelligt ihrem Tagewerk der Zwangsverheiratung kleiner Mädchen nachgehen kann, im Schatten der großen Legende vom Cuélebre, die über allem schwebt wie eine dunkle Wolke mit 80% Niederschlagswahrscheinlichkeit. Im Nachgang lässt uns die Autorin wissen, dass es wirklich eine Legende vom Cuélebre gibt, nicht jedoch in der Form wie im Buch erwähnt, und die Bruderschaft sei fiktiv.
Müßig zu erwähnen, dass das muntere Stechen mit dem Dreizack weitergeht, während die Legende uns verfolgt; ebenso wie der Altfall und die hohen Kreise der lokalen Gesellschaft, die Alleingänge der Inspektoren und aufgesetzt wirkendes Lokalkolorit, auch in Form von regionalen Ausdrücken, die in die Erzählung eingestreut und in etlichen Fußnoten erklärt werden.
Am Ende versucht man sich an einer harten Beschleunigung des Tempos, doch statt gespannte Atemlosigkeit zu erzeugen, grenzt es ans Lächerliche, wenn erwachsene Menschen sich von ganz offensichtlich falschen Textnachrichten im Stile von "Du musst unbedingt kommen und dir das ansehen!!!" ans Meer in die Einöde zum kurzen Showdown locken lassen. Das dort enthüllte Serienmord-Motiv ist eher Banane und liegt weit abseits dessen, was im gesamten Buch konstruiert wurde. Irgendwie hat es Ager Aguirre geschafft, das dem Verleger als raffinierten Plot-Twist zu verkaufen, für mich ist es aber eher so als wenn man mir diverse exklusive Speisekarten vorlegt und dann ein Servierwagen mit Silberkuppel herangerollt wird, unter der eine Käsestulle liegt. Kann man essen, man fragt sich aber, was der ganze Aufriss vorher sollte. Und während der Täter (oder war es eine Täterin?) noch aus dem Nähkästchen plaudert, zwei reichlich naive Menschen zu seinen / ihren Füßen liegend, löst einer der Polizisten die Situation ebenso endgültig wie sicherlich vorschriftswidrig mit einem exakt platzierten Fernschuss aus seiner Dienstwaffe.
Die Nebenschauplätze werden danach im Epilog alle in ein, zwei Sätzen dicht gemacht, die Bösen bekommen su merecido, und die Guten signieren Erfolgsromane beziehungsweise lassen sie sich signieren. Was soll man dazu sagen? Man muss die Region und ihre Legenden schon lieben, um sich an dem Buch zu ergötzen. Für mich bleibt es ein austauschbarer Kriminalroman mit einer Prise Beziehungsstress, einer Prise lokale Legende und einer Prise Realitätsferne.
Saludos,
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Re: Wer liest gerade was?
Caso 344 von Juan Hernández Rodríguez
Und wieder einmal ist mir ein frisch erschienenes spanisches Buch unter die Augen gekommen, welches erfreulicherweise wieder eines ist, an das man sich auch nach ein paar Monaten noch erinnert.
Das Cover hat die KI etwas zu spooky gestaltet würde ich mal sagen, denn der Inhalt ist ein Kriminal-Fall und keine mysteriöse Begegnung der wasweißich wievielten Art auf einer einsamen nächtlichen Nationalstraße.
Setting: irgendwo nicht ganz im Nirgendwo, schlängelt sich die N344 durch die endlose bergige spanische Landschaft, und man muss eigentlich nur noch wissen, dass es ein Dorf mit 200 Familien gibt und ein paar Kilometer weiter die Nationalstraße entlang einen Steinbruch, dessen Besitzer Ismael Corvo als Don Ismael im Prinzip so etwas wie der König des Dorfs ist, weil alle 200 Familien direkt oder indirekt von seinem Betrieb leben. Entweder man arbeitet im Steinbruch oder man betreibt die Tankstelle wo Don Ismael seine LKWs betankt, oder man serviert seinen Angestellten die Almuerzos del Currante, oder, oder.
Und dann gibt es Nuria Alsina, die wohnte im Dorf, genauer gesagt im Haus ihrer Mutter, zusammen mit derselben, arbeitete an der LKW-Waage des Steinbruchs, weil sie - Gott sei ihrer armen Seele gnädig - eine echte Erbsenzählerin und somit für den Job die Traumbesetzung war. Bis sie vor elf Jahren eines Nachts verschwand, natürlich direkt an der Nationalstraße, die gerade von Grund auf saniert wurde, sogar in der Nacht ihres Verschwindens. Ich verrate keine Geheimnisse, wenn ich hier laut "hint! hint!" rufe und nervös mit einem Auge zwinkere, denn natürlich spricht alles gegen ein freiwilliges Verschwinden, wenn Nuria mitten in der Nacht an der offenen Baugrube - dreist wie Lumpi - Don Ismael mit Unregelmäßigkeiten seiner Buchhaltung und mit einer etwas eigenwilligen Gestión de Residuos verdächtiger Giftfässer konfrontiert, welche zu dieser Zeit regelmäßig nachts im Steinbruch angeliefert wurden.
Und so kommen wir zu David Rojas, Inspektor bei der Polizei mit Einträgen in der Personalakte und anschließender Versetzung ins Kellerloch zu den Altfällen. Der fast schon typische Krimi-Polizist ohne Frau, ohne Beförderung und ohne nennenswerte Erfolge im Leben. Plötzlich taucht eine gewisse Elena auf. Man kennt sich, weil sie ab und zu irgendwelche Fälle bringt. Sie bleibt bis zum Ende eine etwas undurchsichtige Gestalt, weil sie ihre vor zwölf Jahren abgängige Schwester von einer in einer Privatwohnung eingerichteten Zentrale mit Pinwand, inklusive bunter Bindfäden von Foto zu Foto, aus sucht. Die Parallelen zum Fall Nuria Alsina schreien einen förmlich an, und so ist es Elenas logischer nächster Schritt, dass man den kurz vor den Pensionierung stehenden in Ungnade gefallenen Inspektor Rojas für Ermittlungen in der Sache Nuria einspannt.
Bis hierher klingt es nach solider Standard-Kost. Warum ist mir das Buch trotzdem positiv aufgefallen? Trotz dem es elf Jahre in die Vergangenheit geht, hat der Autor dankenswerterweise auf das übliche halbe Dutzend paralleler in den Raum-Zeit-Quirl geworfenen Erzählstränge verzichtet und arbeitet die Geschichte ziemlich linear ab. Und dazu gehört, dass wie bei Columbo am Anfang das Verbrechen steht, inklusive Motiv und Täter. Wir beginnen also nicht mit eitel Sonnenschein im Steinbruch, Nuria an der LKW-Waage ein Liedchen summend und Don Ismael delegiert nebenher seine LKW-Flotte, bis dunkle Wolken über der Szene aufziehen, oder mit einem tapsigen Alt-Inspektor, der elf Jahre später zwischen Kieshaufen umherstreicht ohne dass man wüsste, wieso. Stattdessen werden uns bereits ganz am Anfang im Prinzip alle Fakten auf den Tisch geknallt.
Der Leser muss sich nicht fragen, ob Nuria wirklich freiwillig verschwunden ist oder ob sie doch in jener Nacht vor elf Jahren von Don Ismael beseitigt wurde, weil sie an der Waage und an den Büchern zu neugierig war. Wenn man von Zweitem ausgeht, dann ist auch mehr oder weniger klar, wo und wie die Leiche verschwunden ist. Und klar ist auch eine weitere Tatsache: eine spanische Nationalstraße die reißt nur Gott alleine wieder auf, darunter geht es nicht. Das ideale Grab für die Ewigkeit also, für allzu neugierige Mitarbeiterinnen und für leckende Sondermüllfässer. Und damit beginnt Rojas' Dilemma: es reicht nicht, etwas zu wissen, man muss es beweisen. Und das Dorf schweigt. Und Don Ismael lächelt.
Das Buch arbeitet nicht mit einem Dutzend Tatverdächtiger und möglicher Szenarien, sondern konzentriert sich auf Charakterstudien. Was macht es mit einem Dorf, wenn die Hand, die alle füttert, plötzlich mit Blut besudelt ist? Was geht in Nurias Mutter vor, die seit über zehn Jahren an jedem Jahrestag des Verschwindens ihrer Tochter zum Polizeirevier läuft und dort nur mit "nichts neues" abgefertigt wird, wenn auf einmal doch jemand zuhört und ihr verspricht, ihre Tochter zu finden? Was ist mit dem inzwischen pensionierten Teniente der Guardia Cvil, der damals mit "kompatibel mit freiwilligem Fortgang" die Akte archivierte und seitdem in seinem Acelgas-Garten sitzt und sich fragt, ob er damals nicht doch besser alles gesagt hätte, was er wusste, anstatt auf seine Vorgesetzten zu hören? Und was geht in den übrigen Beteiligten vor, wenn plötzlich ein Bulle, der nichts mehr zu verlieren hat, trotz aller Drohungen zu schnüffeln anfängt und nicht locker lässt?
Stellenweise ist das Buch etwas repetitiv, etwa tausend Mal wird zum Beispiel erwähnt, was Nuria für eine pingeligen Pedantin war, die sogar auf ihrer Einkaufsliste niemals auf das Setzen der Kommata verzichtete, weswegen die Bin-dann-mal-weg-SMS ohne Punkt und Komma keinesfalls von ihr stammen konnte, obwohl sie in der Nacht ihres Verschwindens von ihrem Telefon verschickt wurde. Und so geht es mit diversen Punkten, was manchmal etwas nervt. Zum Schluss ist das Buch dann auch wie der alte Terrier mit dem zerkauten Leder: es muss wirklich jedes offene Ende bis zur Zerstörung durchgekaut werden, man denkt auf der Zielgeraden mindestens sechs oder sieben Mal: jetzt ist das Buch zu Ende, und schwupp! kommt das nächste überflüssige Kapitel um die Ecke. Da wollte der Autor wirklich nichts der Phantasie des Lesers überlassen und wollte ihm für jedes Detail einen Abschluss nach seinem Gusto aufdrängen.
Gefallen hat mir das Buch trotzdem, denn es ist nicht die übliche Tätersuche, sondern der Autor lässt eine wohldosierte Bombe in einem Mikrokosmos platzen und schaut dann mit der Lupe, wie jeder Einzelne darauf reagiert. Für Freunde der spanischen Provinz, Justiz und Korruption sicherlich eine Empfehlung, vor allem jetzt, wo es Herbst wird und die nebligen Nationalstraßen ihren ganz eigenen Charme bekommen. Denn ein Strang bleibt doch offen: Elena und ihre Pinwand; und wenn man der glauben will, dann ist ganz Spanien voll von Nurias und Don Ismaels, und wer weiß: vielleicht ist ja auch unter dem Asphalt unserer guten alten N332 etwas versteckt?
Und wieder einmal ist mir ein frisch erschienenes spanisches Buch unter die Augen gekommen, welches erfreulicherweise wieder eines ist, an das man sich auch nach ein paar Monaten noch erinnert.
Das Cover hat die KI etwas zu spooky gestaltet würde ich mal sagen, denn der Inhalt ist ein Kriminal-Fall und keine mysteriöse Begegnung der wasweißich wievielten Art auf einer einsamen nächtlichen Nationalstraße.
Setting: irgendwo nicht ganz im Nirgendwo, schlängelt sich die N344 durch die endlose bergige spanische Landschaft, und man muss eigentlich nur noch wissen, dass es ein Dorf mit 200 Familien gibt und ein paar Kilometer weiter die Nationalstraße entlang einen Steinbruch, dessen Besitzer Ismael Corvo als Don Ismael im Prinzip so etwas wie der König des Dorfs ist, weil alle 200 Familien direkt oder indirekt von seinem Betrieb leben. Entweder man arbeitet im Steinbruch oder man betreibt die Tankstelle wo Don Ismael seine LKWs betankt, oder man serviert seinen Angestellten die Almuerzos del Currante, oder, oder.
Und dann gibt es Nuria Alsina, die wohnte im Dorf, genauer gesagt im Haus ihrer Mutter, zusammen mit derselben, arbeitete an der LKW-Waage des Steinbruchs, weil sie - Gott sei ihrer armen Seele gnädig - eine echte Erbsenzählerin und somit für den Job die Traumbesetzung war. Bis sie vor elf Jahren eines Nachts verschwand, natürlich direkt an der Nationalstraße, die gerade von Grund auf saniert wurde, sogar in der Nacht ihres Verschwindens. Ich verrate keine Geheimnisse, wenn ich hier laut "hint! hint!" rufe und nervös mit einem Auge zwinkere, denn natürlich spricht alles gegen ein freiwilliges Verschwinden, wenn Nuria mitten in der Nacht an der offenen Baugrube - dreist wie Lumpi - Don Ismael mit Unregelmäßigkeiten seiner Buchhaltung und mit einer etwas eigenwilligen Gestión de Residuos verdächtiger Giftfässer konfrontiert, welche zu dieser Zeit regelmäßig nachts im Steinbruch angeliefert wurden.
Und so kommen wir zu David Rojas, Inspektor bei der Polizei mit Einträgen in der Personalakte und anschließender Versetzung ins Kellerloch zu den Altfällen. Der fast schon typische Krimi-Polizist ohne Frau, ohne Beförderung und ohne nennenswerte Erfolge im Leben. Plötzlich taucht eine gewisse Elena auf. Man kennt sich, weil sie ab und zu irgendwelche Fälle bringt. Sie bleibt bis zum Ende eine etwas undurchsichtige Gestalt, weil sie ihre vor zwölf Jahren abgängige Schwester von einer in einer Privatwohnung eingerichteten Zentrale mit Pinwand, inklusive bunter Bindfäden von Foto zu Foto, aus sucht. Die Parallelen zum Fall Nuria Alsina schreien einen förmlich an, und so ist es Elenas logischer nächster Schritt, dass man den kurz vor den Pensionierung stehenden in Ungnade gefallenen Inspektor Rojas für Ermittlungen in der Sache Nuria einspannt.
Bis hierher klingt es nach solider Standard-Kost. Warum ist mir das Buch trotzdem positiv aufgefallen? Trotz dem es elf Jahre in die Vergangenheit geht, hat der Autor dankenswerterweise auf das übliche halbe Dutzend paralleler in den Raum-Zeit-Quirl geworfenen Erzählstränge verzichtet und arbeitet die Geschichte ziemlich linear ab. Und dazu gehört, dass wie bei Columbo am Anfang das Verbrechen steht, inklusive Motiv und Täter. Wir beginnen also nicht mit eitel Sonnenschein im Steinbruch, Nuria an der LKW-Waage ein Liedchen summend und Don Ismael delegiert nebenher seine LKW-Flotte, bis dunkle Wolken über der Szene aufziehen, oder mit einem tapsigen Alt-Inspektor, der elf Jahre später zwischen Kieshaufen umherstreicht ohne dass man wüsste, wieso. Stattdessen werden uns bereits ganz am Anfang im Prinzip alle Fakten auf den Tisch geknallt.
Der Leser muss sich nicht fragen, ob Nuria wirklich freiwillig verschwunden ist oder ob sie doch in jener Nacht vor elf Jahren von Don Ismael beseitigt wurde, weil sie an der Waage und an den Büchern zu neugierig war. Wenn man von Zweitem ausgeht, dann ist auch mehr oder weniger klar, wo und wie die Leiche verschwunden ist. Und klar ist auch eine weitere Tatsache: eine spanische Nationalstraße die reißt nur Gott alleine wieder auf, darunter geht es nicht. Das ideale Grab für die Ewigkeit also, für allzu neugierige Mitarbeiterinnen und für leckende Sondermüllfässer. Und damit beginnt Rojas' Dilemma: es reicht nicht, etwas zu wissen, man muss es beweisen. Und das Dorf schweigt. Und Don Ismael lächelt.
Das Buch arbeitet nicht mit einem Dutzend Tatverdächtiger und möglicher Szenarien, sondern konzentriert sich auf Charakterstudien. Was macht es mit einem Dorf, wenn die Hand, die alle füttert, plötzlich mit Blut besudelt ist? Was geht in Nurias Mutter vor, die seit über zehn Jahren an jedem Jahrestag des Verschwindens ihrer Tochter zum Polizeirevier läuft und dort nur mit "nichts neues" abgefertigt wird, wenn auf einmal doch jemand zuhört und ihr verspricht, ihre Tochter zu finden? Was ist mit dem inzwischen pensionierten Teniente der Guardia Cvil, der damals mit "kompatibel mit freiwilligem Fortgang" die Akte archivierte und seitdem in seinem Acelgas-Garten sitzt und sich fragt, ob er damals nicht doch besser alles gesagt hätte, was er wusste, anstatt auf seine Vorgesetzten zu hören? Und was geht in den übrigen Beteiligten vor, wenn plötzlich ein Bulle, der nichts mehr zu verlieren hat, trotz aller Drohungen zu schnüffeln anfängt und nicht locker lässt?
Stellenweise ist das Buch etwas repetitiv, etwa tausend Mal wird zum Beispiel erwähnt, was Nuria für eine pingeligen Pedantin war, die sogar auf ihrer Einkaufsliste niemals auf das Setzen der Kommata verzichtete, weswegen die Bin-dann-mal-weg-SMS ohne Punkt und Komma keinesfalls von ihr stammen konnte, obwohl sie in der Nacht ihres Verschwindens von ihrem Telefon verschickt wurde. Und so geht es mit diversen Punkten, was manchmal etwas nervt. Zum Schluss ist das Buch dann auch wie der alte Terrier mit dem zerkauten Leder: es muss wirklich jedes offene Ende bis zur Zerstörung durchgekaut werden, man denkt auf der Zielgeraden mindestens sechs oder sieben Mal: jetzt ist das Buch zu Ende, und schwupp! kommt das nächste überflüssige Kapitel um die Ecke. Da wollte der Autor wirklich nichts der Phantasie des Lesers überlassen und wollte ihm für jedes Detail einen Abschluss nach seinem Gusto aufdrängen.
Gefallen hat mir das Buch trotzdem, denn es ist nicht die übliche Tätersuche, sondern der Autor lässt eine wohldosierte Bombe in einem Mikrokosmos platzen und schaut dann mit der Lupe, wie jeder Einzelne darauf reagiert. Für Freunde der spanischen Provinz, Justiz und Korruption sicherlich eine Empfehlung, vor allem jetzt, wo es Herbst wird und die nebligen Nationalstraßen ihren ganz eigenen Charme bekommen. Denn ein Strang bleibt doch offen: Elena und ihre Pinwand; und wenn man der glauben will, dann ist ganz Spanien voll von Nurias und Don Ismaels, und wer weiß: vielleicht ist ja auch unter dem Asphalt unserer guten alten N332 etwas versteckt?
Saludos,
Chris
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Re: Wer liest gerade was?
Eine sehr unterhaltsame Rezension – und das sage ich, obwohl ich das Buch selbst noch gar nicht gelesen habe.
Nach deiner Besprechung bin ich allerdings schon bestens über Nurias Kommata, Don Ismaels Giftfässer, die Nationalstraße und die spanische Provinz informiert. Fast könnte man sich das Lesen sparen … fast. 
Besonders neugierig macht mich tatsächlich der Ansatz, dass man den Täter quasi kennt und trotzdem mitermitteln darf. Und natürlich Elena mit ihrer Pinwand – spätestens da möchte man dann doch wissen, was es mit den bunten Fäden auf sich hat.
Und sollte ich demnächst über die N332 fahren, werde ich den Asphalt jedenfalls mit ganz anderen Augen betrachten. Man weiß ja nie, was da so alles darunterliegt …
Besonders neugierig macht mich tatsächlich der Ansatz, dass man den Täter quasi kennt und trotzdem mitermitteln darf. Und natürlich Elena mit ihrer Pinwand – spätestens da möchte man dann doch wissen, was es mit den bunten Fäden auf sich hat.
Und sollte ich demnächst über die N332 fahren, werde ich den Asphalt jedenfalls mit ganz anderen Augen betrachten. Man weiß ja nie, was da so alles darunterliegt …

Saludos,
Elke (Oliva B.)
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Re: Wer liest gerade was?
Historischer Roman: Winter der Welt von Ken Follett. Eine Trilogie.
Der Roman beleuchtet die Beginne der Nazi Zeit. Damals wollte man es auch nicht glauben was sich daraus entwickelte.
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Diskutiere nie mit Idioten, sie holen dich auf ihr Niveau und schlagen dich dort mit Erfahrung...
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- chris
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Re: Wer liest gerade was?
Das ist ja genau das, was das Buch ausmacht: man bekommt am Anfang den Fall serviert, eben wie bei Columbo, und dann geht es nur noch darum, die Beweise zusammenzutragen. Allerdings konzentriert sich das Werk im Gegensatz zu Peter Falk eher auf die psychologischen Aspekte und arbeitet das, was in den Köpfen der Beteiligten vorgeht, sehr deutlich aus.
Sonst hätte ich niemals verraten, dass Nuria natürlich verscharrt unter der N344 liegt und auf keinen Fall durchgebrannt ist, denn genau das wird einem im Buch indirekt auch gleich zu Beginn mitgeteilt. Es besteht nie ein Zweifel an Täter, Motiv oder ungefährem Hergang. Aber das reicht natürlich nicht für eine Anklage, also stürzt sich Rojas kopfüber in den Fall.
Saludos,
Chris
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