40 bzw. 45 Jahre nach Franco

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Atze
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Atze »

Miesepeter hat geschrieben: Sa 5. Sep 2020, 22:15 Die Wahrheit (russ. Prawda) - welche Wahrheit? Warum wird sie verschwiegen wie z.B. die Vernehmungsprotokolle von Rudolf Hess?

Diese Vernehmungsprotokolle sind 2017 (30 Jahre nach dem Tod von Hess) aber doch schon freigegeben worden: Uninteressant.
Interessant war Hess wohl nur als medizinischer Fall.

Meine selbsterlebte Wahrheit dies Franco-Spaniens 1960-1975: Vollbeschäftigung, Null Auslandsverschuldung, Aufstieg Spaniens zur Welt-Industriemacht Nr. 6, Sozialeinrichtungen, die die Sozialisten ab 1982 abbauten und auflösten. Nicht zu vergessen ein bis damals nicht dagewesenes Sozialwohnungs-Programm, etlichen Wasserkraftwerke, die ersten Autobahnen.
Sogar Autobahnen!!! So so.
Woran erinnert mich das wohl?
Hitler (der nun aber eine ganz andere "Qualität" hatte) vollbrachte ja bis 1939 auch so eine Art Wirtschaftswunder.
Und vor 1960?
Durch die von Franco gewählte Autarkiepolitik Hungersnöte und Verelendung.
LG Atze

Wenn dereinst die letzte Bohrinsel abgebaut und die letzte Tankstelle geschlossen ist,
werdet ihr feststellen, dass man bei Greenpeace nachts kein Bier kaufen kann.
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Xanaron »

Danke Atze.
Der Hinweis, dass diese "Wirtschaftswunder" mit tausenden von Toten und hunderttausenden von Leidenden erkauft wurden. Tolle "Leistungen" dieser Epochen.....
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Atze
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Atze »

Fiel mir heute gerade ein.
Noch 2003 - da waren wir gerade in Madrid - gab es nahe dem Königspalast einen hübschen platanenbeschatteten Platz: Plaza del Caudillo.
Gibt es den noch?
LG Atze

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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Cozumel »

Atze hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 03:19
Durch die von Franco gewählte Autarkiepolitik Hungersnöte und Verelendung.
Richtig, davon können besonders die Andalusier ein Lied singen. Franco hat den 3-4 Grossgrundbesitzern freie Hand gelassen, als Gegenleistung für Akzeptanz für seine Politik.

Bis in die 1975 gab es in Andalusien kein Gesundheitssystem: Ärzte waren fast alle privat.
Kaum Krankenhäuser, kaum Schulen. die meisten Andalusier hatten nicht mehr als 4 Jahre Schule, wenn überhaupt.

So hat man die Menschen klein gehalten. Ihr Status war kaum besser als der des Leibeigenen. Praktischerweise konnte man diese Menschen dann gut in Touristenhotels als sehr billige Putzmannschaften brauchen, getrennt von ihren Familien in Andalusien.
In der Nähe von Malaga hat Franco ein kleines Dorf gespendet. Es ist das hässlichste Dorf weit und breit. Nie habe ich etwas übleres gesehen. Das ist geradezu ein Hohn.

Katalonien wurde von der Guadia Civil in einer eisernen Umklammerung gehalten. Wehe, du hast bei einer der ständigen Überprüfungen nervös reagiert, Da hattest du schnell mal den Gewehrkolben im Gesicht. Ich hab 73 da gelebt.
Wohlstand für alle, nein auf keinen Fall und soziale Leistungen bekamen nur Anhänger und Madrileños.
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Atze
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Atze »

Gerade gesehen: Heute von 17:00 bis 20:00 gibt es die Sendung bei Phoenix noch einmal.
LG Atze

Wenn dereinst die letzte Bohrinsel abgebaut und die letzte Tankstelle geschlossen ist,
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Oliva B.
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Oliva B. »

Danke, Atze, für den Programmhinweis!
Miesepeter hat geschrieben: Sa 5. Sep 2020, 22:15 [...]. Meine selbsterlebte Wahrheit dies Franco-Spaniens 1960-1975: Vollbeschäftigung, Null Auslandsverschuldung, Aufstieg Spaniens zur Welt-Industriemacht Nr. 6, Sozialeinrichtungen, die die Sozialisten ab 1982 abbauten und auflösten. Nicht zu vergessen ein bis damals nicht dagewesenes Sozialwohnungs-Programm, etlichen Wasserkraftwerke, die ersten Autobahnen. Das sind Tatsachen. Bitte erspart Euch das JA ABER.
@ Miesepeter
[...]
"Die Nationalstiftung Francisco Franco („Fundación Nacional Francisco Franco“) besitzt umfangreiche Archivmaterialien aus Francos Amtssitz, die nach dem Tod des Diktators nicht an öffentliche Archive übergeben wurden, sondern in den Besitz der privaten Stiftung übergingen. Unliebsamen Historikern wird seither immer wieder der Zugang verweigert." (Link zum Wikipedia-Zitat weiter unten)

Der Diktator Franco ging schon in jungen Jahren über Leichen! Wie Hitler war Franco ein skrupelloser und hinterlistiger Mörder, der seine Gegner verfolgte, umbringen oder internieren ließ. Die Gefangenen waren einem brutalen Regime der Zwangsarbeit ausgesetzt und mussten die durch den Spanischen Bürgerkrieg zerstörte Infrastruktur wieder aufbauen.
„In Spanien gab es in der Anfangszeit der Franco-Diktatur 1936 bis 1947 bis zu 190 (geschätzt) Konzentrationslager (span.: Campo de concentración), in denen fast eine halbe Million republikanische Kämpfer des Spanischen Bürgerkriegs, Flüchtlinge und Regimegegner eingesperrt worden waren." Wozu die Häftlinge der Konzentrationslager im Franquistischen Spanien eingesetzt wurden, kann man in Kurzfassung bei Wikipedia lesen.

Der Wiederaufbau Spaniens war keine Leistung Francos. Er wurde erkauft mit Unterdrückung, Hunger, Krankheit und dem Tod von Regimekritikern. Man musste schon gut wegsehen können, wenn man das nicht bemerkt haben will.

[...]
Zuletzt geändert von Oliva B. am Do 10. Sep 2020, 15:50, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Beitrag aus einem internen Thread übernommen und gekürzt.
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Miesepeter »

Ziat Atze: " ...hübschen platanenbeschatteten Platz: Plaza del Caudillo. Gibt es den noch?"
Im Stadtplan ist kein derartiger Platz verzeichnet. Ich selbst lebte 1964-72 in Madrid und kann mich nicht en einen derartigen Platz erinnern (nicht zu verwechseln mit dem Platz in unmittelbarer Nähe des ehem. Wohnsitz Francos in El Pardo). Der heißt immer noch so, genauso wie eine Allee der von gewissen Kreisen als gewalttätigen Terrorpozei verschrienen "Guardia Civil".
Ich weiss nicht, ob ich bin wo ich hinwollte, aber sicher da wo ich hin sollte.
Warum kann der Friedenskampf nicht friedlich ausgetragen werden?
Wer die Kapitalsten vernichten will, muss ihre Währung zerstören (W I. Uljanow)
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Oliva B.
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Oliva B. »

Miesepeter hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 19:11 Ziat Atze: " ...hübschen platanenbeschatteten Platz: Plaza del Caudillo. Gibt es den noch?"
Im Stadtplan ist kein derartiger Platz verzeichnet. Ich selbst lebte 1964-72 in Madrid und kann mich nicht en einen derartigen Platz erinnern (nicht zu verwechseln mit dem Platz in unmittelbarer Nähe des ehem. Wohnsitz Francos in El Pardo). Der heißt immer noch so, genauso wie eine Allee der von gewissen Kreisen als gewalttätigen Terrorpozei verschrienen "Guardia Civil".
Es ist schon erstaunlich, dass man diesen hübschen Platz nicht kennt, wenn man so lange in Madrid gelebt hat, denn erst am Morgen des 11. Januar 2016 wurde das Sciuld auf der Plaza de „El Caudillo“ im Distrikt Fuencarral-El Pardo von Madrid gestohlen und durch ein Pappschild ersetzt, auf dem geschrieben stand „Plaza de la Amnesia Histórica“… :-s
Roban la placa de la plaza del Caudillo en El Pardo antes de que sea retirada por Manuela Carmena

Heute soll der Platz schlicht und einfach "Plaza el Pardo" heißen.
@ Atze,
vielleicht schaust du mal, ob du ihn wiedererkennst Google-Bilder
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von Cozumel »

@Miesepeter
Das war die GC ja auch, wer hat denn einen Putsch gemacht, als Suarez Präsident war?
Das Miliär und die GC.
Ausserdem haben sie übel gewütet in der Francozeit unter den Regimegegnern.
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Re: 40 Jahre nach Franco

Beitrag von nurgis »

Trotzdem kenne ich hier noch einige Franco-Anhänger, die diesen gerne wieder hätten.
Grund: damals konnten wir Häuser und Autos offen stehen lassen, es gab keine Diebe.
Der Hund ist Dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.
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