Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

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Oliva B.
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Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von Oliva B. » Di 6. Nov 2012, 22:30

Ein unrühmliches Kapitel spanischer Geschichte fand sein Ende mit einem Dekret, das der spanische König Philipp III. erlassen hatte und das am 22. September 1609 in Kraft trat: Die Maurenvertreibung.
800px-Prayer_in_Cairo_1865.jpg
„Gebet in Kairo“ von Jean-Léon Gérôme, 1865
Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Vor gut 400 Jahren wurde die unerwünschte Minderheit der Moriscos (zum Christentum gezwungene Muslime) nach Nordafrika deportiert. Das waren rund 300.000 Personen, ca. 4% der damaligen spanischen Bevölkerung.In Spanien waren nur Andalusien und Murcia im Süden sowie Valencia und das Ebro-Becken (Saragossa) im Osten (Levante) Zentren arabischer Siedler, die dort zeitweise aber bis zu 80 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Noch heute sind genau jene Gebiete Spaniens (aber auch Katalonien) die Hauptniederlassungsgebiete muslimischer Immigranten und Zentren des Islam in Spanien.

Die von Sol fotografierte Moschee in Dénia war mir bislang unbekannt, aber der eigentliche Anlass für meine Recherchen zu diesem Thema. Ich kannte bisher nur das Minarett in La Jara.
Moschee1.JPG
Minarett in La Jara (Dénia)
Moschee, Foto Sol 12269660dh.jpg
'Minarett' in der Wohnanlage "Al Khalif" in Denia, Foto Sol
Obwohl geschichtlich vorbelastet, gibt es in Spanien - genauso wie in anderen europäischen Ländern - Fälle von Diskriminierung gegen Muslime. Hier wie da wird über Kopftücher, Gleichbehandlung im Religionsunterricht an Schulen usw. diskutiert.
[attachment=4]Islamic_Society_of_Akron_&_Kent_-_women_jummah_prayer.jpg[/attachment]
Islamfeindlichkeit (span. Islamofobia) ist auch in Spanien ein durchaus geläufiger Begriff und die seit dem Platzen der Immobilienblase auf historischen Höchststand (seit Beginn der Demokratie in Spanien) gestiegene Arbeitslosenquote und die dadurch äußerst angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt, lässt manch einem die muslimische Konkurrenz bedrohlich erscheinen.

In jüngerer Zeit sind auch Spanien und Italien zunehmend Ziel muslimischer Zuwanderer und die steigende Anzahl der Moscheen wird von den nicht muslimischen Spaniern immer argwöhnischer beobachet.
Auch der Allianz der Zivilisationen, die von Spanien (Zapatero) und der Türkei (Erdogan) im Jahr 2004 initiiert wurde, ändert nichts daran, ganz im Gegenteil; die konservativen Regierung der Partido Popular fühlt sich der Allianz nicht mehr verpflichtet und will die spanischen Beiträge kürzen.

  • Anmerkung: Die Allianz der Zivilisationen hat zum Ziel, kulturelle, religiöse und soziale Barrieren zwischen der westlichen und der muslimischen Welt zu überwinden und auf jede Form religiösen Extremismus adäquat zu reagieren.


Ganz im Gegensatz dazu äußerte sich der regionale Sekretär für Familie und Solidarität, Enrique Navarro, der bei der Einweihung der Moschee in Cocentaina im vergangenen Mai die Zuhörer beschwor, "heute, mehr als jemals zuvor, haben wir einen Reichtum, den zu bewahren wir verpflichtet sind, und wir können nicht dulden, dass die Wirtschaftskrise ihn in einen Nährboden verwandelt, in dem sich politische Parteien vermehren, die mit extremistischen Ideologien, Fremdenhass und Rassismus in Zusammenhang gebracht werden."

Die Region Valencia verdient durchaus die Bezeichnung "multikulti", denn hier leben Menschen aus 141 Nationen, die 62 Sprachen sprechen und 18 unterschiedliche Religionen ausüben.
.Quelle

Nach einer Studie Observatorio Andalusí leben160.449 Muslime in der Region Valencia, die Zuwanderer kommen hauptsächlich aus Nordafrika (Marokko und Algerien), Westafrika (Mauretanien, Senegal und Mali), dem Mittleren Osten und Pakistan. Das sind drei Prozent der Gesamtbevölkerung, wobei Valencia schon die autonome Region mit der höchsten muslimischen Bevölkerung ist, gefolgt von Katalonien, Madrid und Andalusien. Quelle.
  • 2004 lebten 800.000 Muslime in Spanien, davon 10.000 spanische Muslime. Quelle: Un resumen del Islam en España, 2007, written by Dennis Swick
  • "Die von Norden nach Süden abnehmende Anzahl der Muslime erklärte das Centro Cultural Islámico damit, dass z.B. die Geschäftsleute und Behörden (Politiker) in der Provinz Castellón lieber rumänische oder Einwanderer aus anderen osteuropäischen Ländern beschäftigen, mit der Begründung, sie würden über eine bessere Ausbildung, berufliche Qualifikation und religiösen Kompatibilität verfügen." Diese frei übersetzte Aussage aus dem Jahr 2004 stammt von Amparo Sanchez Rossell, Sekretär des islamischen Kulturzentrums von Valencia. Quelle
Auch DER SPIEGEL schrieb 2001 unter dem Titel " Die Vertreibung der Mauren", dass in Andalusien die Gemüsebauern lieber Christen als Moslems als Erntehelfer einstellen.
  • 130.000 Muslime leben in der Comunidad Valenciana, davon mehr als 49.000 in der Provinz Alicante..
    Quelle (16.05.2010)
[attachment=2]DSC_0751.JPG[/attachment]

52.882 Ausländer in der Provinz Alicante bekennen sich zum Islam, das sind 42,28% der gesamten islamischen Bevölkerung im Land Valencia. Die Mehrzahl von ihnen lebt in den Bezirken (comarcas) Marina Alta und Baixa, Baix Vinalopó und Vega Baja, weitere
49.139 Muslime leben in der Provinz Valencia und
22.999 in der Provinz Castellón.Quelle

Ein Vergleich: Vor 4 Jahre lebten noch 35.000 bekennende Moslems in der Provinz Alicante. Quelle.

1987 gab es in Spanien 23 Mezquitas, "heute gibt es allein in der Comunidad Valenciana 24 Moscheen, davon 13 in der Provinz Alicante, acht in der Provinz Valencia und drei in der Provinz Castellón."Quelle; Mai 2012
Eine andere Quelle hingegen spricht von "69 Moscheen auf valencianischem Boden" Quelle (24.02.2011)


VERGLEICHE
REGION VALENCIA:
Die Bevölkerung des Königreichs Valencia bestand vor 1609, dem Jahr der Maurenvertreibung, zu 33 Prozent aus Morisken, zum Christentum zwangsbekehrte Mudéjares.
Einige nördliche Regionen des Königreichs verloren damals fast ihre gesamte Bevölkerung. Quelle

Heute leben 5.117.190 Einwohner in der Region Valencia, davon bekennen sich 163.000 zum Islam. Das entspricht 3,2 Prozent
.
SPANIEN:
Nach einer Studie des Observatorio Andalusí (31.12.2011) sind 30% der Muslime Spanier, 70% Migranten (50% Marokkaner und 20% andere Nationalitäten), was etwa 3% der spanischen und ausländischen Gesamtbevölkerung entspricht.Quelle
DEUTSCHLAND
Nach Hochrechnungen der Studie Muslimisches Leben in Deutschland (2008) leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime in Deutschland, was etwa 5 % der Gesamtbevölkerung entspricht.

Ich habe versucht, Zahlenmaterial aus seriösen Quellen gegenüber zu stellen, um zu einigermaßen aussagefähigen Vergleichen zu gelangen. Der Beitrag dient rein statistischen Zwecken und muss nicht kommentiert werden.
Dateianhänge
DSC_0751.JPG
Islamic_Society_of_Akron_&_Kent_-_women_jummah_prayer.jpg
Urheber: Beth Rankin (BohPhoto), Genehmigung: CC-BY-2.0 (Wikipedia)

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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von maxheadroom » Di 6. Nov 2012, 23:12

Hola Oliva,
da hast Du wieder eine tolle Arbeit geleistet, ist immer interessant solches Zahlenmaterial zu sehen.
Dazu ist mir nur aus den byte tiefen meiner Festplatte folgendes fuer die interessierten eingefallen:

„ Wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Er wollte euch aber in allem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Ihr sollt mit einander in guten Taten wetteifern. Zu Gott werdet ihr alle zurückkehren; und dann wird Er euch Kunde geben davon, worüber ihr zu streiten pflegtet.“ Sure 5:48

Saludos und nochmals Danke für das tolle Zahlenmaterial

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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von Josefine » Di 6. Nov 2012, 23:17

Danke Oliva B, für Deinen Bericht. Besonders schön, die vielen Links dazu. :)
So bekommt man einen guten Einblick in die Geschichte Spaniens >:d< und muss sich nicht alles selbst zusammensuchen.

Grüsse :)
Josefine
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Gruß Josefine (Jofina)

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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von villa » Mi 7. Nov 2012, 00:18

Ein sehr interessanter Bericht.

Da wir ja in CH auch mit sehr vielen Ausländern gesegnte sind (ca. 20%) und dazu viele eingebügerte Zuwanderer. Ist mir das Problem der "Feindschaft" gegenüber andern Religionen und Nationalitäten nicht so fremd. Ich denke dass diese "Feindschaft " darus entsteht, dass es schlich zu wenig Kontakt gibt zwischen den Gruppen. Und was man nicht kennt das scheut man.

Das kennen wir in der Schweiz auch, ich weiss nicht ob es hier in Spanien auch so Zentren gibt wie ich das uas DE kenne z. B. von Türken, das kennen wir in dieser Form in der SCheiz nicht. Die meisten Ausländer sind bei uns sehr gut integriert.

Wenn es wirtschaftlich schlecht geht ist das immer der Nährboden für Feindschaften und dem wird isch Spanien kaum entziehen können. Wenn dann diese Ausländer ev. auch noch felissig sind und die Jobs bekommen und die Spanier nicht mehr, dann wird es sicher kritisch. Das Problem haben wir in CH bei kanpp 3% Arbeitslosen nicht so sehr. Und doch haben wir bei einer Abstimmung ein Minarettverbot durchgesetzt. Dieses Abstimmungsergebinss hat unsere Politiker ein wenig geschockt, weil zu dieser Abstimmung nur rel. wenig Medienarbeit geleistet wurde, die Politiker hatten angenommen das das so wie so abgelehnt wird.
Es gab aber im Westen (mitunter DE und EU Politker) viel mehr Aufsehen und Rüge als von den Muslimischen Staaten. Un dich bin hier mal ehrlich, auch ich habe diesem Verbot zugestimmt, nicht wiel ich was gegen Muslime habe, baer die Vorstellung aus dem Fenster zu sehen und ein Minarett zu erblicken hat mich dazu gebracht. Oder die Vorstellung, dass die Skyline unserer Städte von Minaretten gezeichnet wäre. (Hab mal BIlder von eine riesen Moschee in ...ich glaube Köln gesehen) Sorry aber das wäre nicht mehr meine Heimat. Oder wenn ich am Morgen von eine Muezin geweckt würde.
Ich denke zusammen leben bedeutet auch, dass man gewisse Dinge respektiert und akzeptiert.

Ich möchte mich einfach nur in meiner Heimat auch noch heimisch fühlen. Jeder darf gerne seine Religion leben und seine Eigenarten haben, aber so wie ich hier in Spanine Gast bin..mehr oder weniger oft und lang.... sind diese Menschen bei uns auch Gäste und müssen sich ein wenig anpassen. Wenn wir in die muslimischen Länder sehen wird da von andern Religionen wesentlich merh anpassung verlangt oder die Manschen werden sogar verfolgt.

Offenheit ist gut, aber man darf den Menschen nicht ihre Heimat streitig machen. Ich bin sicher dass die Meisten die für dieses Minarett-Verbot gestimmt haben nichts gegen Muslime haben, genau wie ich. Unter meinen Freunden gibt es Katholiken, Protestanten, Christkatholiken, Muslime, Juden, Kopten etc. Von einigen weiss ich die Nationalität oder Religion gar nicht..merke ich gerade, aber das steht eben nicht im Vordergrund sondern der Mensch.

Mein Vater hat mir einen guten Leitfaden mitgegeben: Beurteile die Menschen nicht nach Hautfarbe, Nantionalität oder Religion, sonder gib jeden eine Chanche, lerne den Menschen kennen und Urteile dann. Denn es gibt überall gute und schlechte Menschen.
Ich denke wir alle sind nicht frei von Vorurteilen, aber man sollte wenigstens versuchen die zu überwinden und immer den einzelnen Menschen in der Vordergrund stellen.
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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von sol » Mi 7. Nov 2012, 06:21

Danke Elke für diesen aufschlußreichen Beitrag mit den vielen Links >:d<

ähnl. habe ich mir 1999 aus der Literatur einverleibt,bevor wir nach Spanien sind.
du hast die Konzentration gebracht - wieder eine Meisterleistung neben der Ernte.

Ich verfolge auch schon jahrelang den Verlauf hier in Deutschland - den Bau vieler
Moscheen und die Minarette dazu - vielfach durften die nicht gebaut werden------

Wir Menschen leben doch unter einer Allmächtigkeit, die wir uns nicht erklären können
und wird doch von jeder Volksgruppe anders ausgelegt dadurch die verschiedenen Religionen.

Jeder soll doch nach seinem Glauben selig werden - man soll ihn nicht daran hindern.
Trinken müssen wir alle - einer Wasser,Tee o.Kaffee, die anderen Bier oder Wein-----
Gruss Wolfgang

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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von TorreHoradada » Mi 7. Nov 2012, 08:31

Erst einmal Danke Elke für die Arbeit.

:-? - ich schrieb es schon in einem anderen Thread und sage es auch öffentlich. Für mich hat die Kirche heutzutage in der jetzigen Form keine Daseinsberechtigung mehr. Und dieses Problem ist kein rein spanisches Problem. Die Menschheit hat seit über 800 Jahren nicht dazugelernt.

Willkommen im Neantertal !
Wovor haben wir denn Angst? Vor einer anderen Religion? Ich glaube nicht. Die instinktive menschlich Angst beruht nur auf dem Unbekannten, auf dem Fremden, aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Sobald man merkt, dass von dem "anderen" keine Gefahr ausgeht und das Fremde es gut meint kommt der Instinkt "Herdentier" durch und das Fremde wird integriert in die soziale Gruppe.
Mittlerweile dürften wir alle aber klug genug sein dieses auch mental zu steuern.

Islam besser als das Christentum?
Gerade als in Spanien die Muslime im Mittelalter die Herrschaft hatten, brachten sie Wissen und Kultur mit. Das was in Europa nach dem römischen Reich unwiderruflich verloren gegangen war weil die Europäer sich gegenseitig bekriegten. Und hier war die katholische Kirche oftmals der Initiator. Während in den muslimischen Gebieten sowohl Christen als auch Juden in die Gesellschaft integriert wurden und als Teil des Zusammenlebens dazu gehörten.

Im Namen der Kirche wurden zu diesem Zeitpunkt ( Mittelalter ) die sogenannten Kreuzzüge ( KIRCHE ! ) initiiert. Dabei hat sich das Christentum im Orient wie die Berseker aufgeführt. Bei Eroberungen wurden die Muslime regelrecht abgeschlachtet. Hatten die Muslime im Gegenzug erobert so wurde überwiegend die christliche Bevölkerung verschont.

Ebenso hat die katholische Kirche Martin Lutter bekämpft und wollte ihren selbsternannten alleinigen Gottesverteterstatus nicht gefährden. Es hat sich ( Gott sei Dank ;) ) jedoch der Protestantismus durchgesetzt als eine andere Form des christlichen Glaubens.

Und in der etwas jüngeren deutchen Geeschichte verfolgte man mit der sogenannten Endlösung das Judentum. Obwohl das Christentum sich vor über 2000 Jahren vom Judentum abspaltete. Alle Christen haben jüdische Wurzeln !!!!

Wer ist Gott?
Sicher hat die Menschheit schon immer an irgendeinen Gott Opfer und Muße erbracht. Römer und Griechen (ge)dachten an Neptun, Zeus usw. - akzeptierten aber auch das Christentum bis es alleinige Religion im römischen Reich wurde. Selbst unter der Annahme, dass es nur einen Gott gäbe, wie lautet denn sein Name? Gott? Und was bedeutet Allah?


Das waren nur ein paar Zeilen, die zum nachdenken anregen sollten.
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mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde

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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von rainer » Mi 7. Nov 2012, 09:43

Viele wissen ja garnicht, dass das tatsächlich der selbe Gott ist, nur eben in anderer Sprache. Denn das Alte Testament haben ja beide Religionen noch als gemeinsame Wurzel.

Glaube an sich, an was und wen auch immer, kann eine Bereicherung des ganz persönlichen Lebens sein. Schlimm wird Religion erst dadurch, dass Menschen sie als Machtmittel über Menschen missbrauchen. Und zu welchen Dingen sie pervertieren kann. Durch nichts in der Welt ist in der Geschichte so viel Blut geflossen wie durch Religion, und da waren die Christen schon immer vorneweg. Sowohl nach innen (Hexenverfolgung, Ketzerverbrennungen, Inquistion) als auch nach außen (Kreuzzüge, Zwangsbekehrungen von Eingeborenen; es gab mal ein vatikanisches Konzil über die Frage, ob Indianer eine Seele haben).
Und hat mal jemand über Magdeburg im dreißigjährigen Krieg gelesen, was Katholiken glaubten, "Ungläubigen" antun zu dürfen?
Aber es haben ja sogar Päpste sich blutigst bekriegt.

Unfassbar ist für mich der Widerspruch, daß die Lehre Jesu an sich ja aus purer Duldsamkeit und Nächstenliebe besteht.
Ähnlich sieht es mit dem Koran aus. Schlimm ist lediglich, was manche Fanatiker hineininterpretieren,
was heutzutage andererseits aber auch Islam- Gegner tun und damit alle über einen Kamm scheren wollen.
Gruß
rainer

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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von Oliva B. » Mi 7. Nov 2012, 10:02

@ Max
Du hast doch für alles und jeden den passenden Spruch auf Lager, in diesem Fall sogar eine Sure aus dem Koran.

@ Josefine
Ich habe die Links bewusst mit einem geringeren Schriftgrad angegeben, weil ich sie eigentlich sehr störend finde. Ich wollte aber nicht den Eindruck erwecken, ich hätte mir die Zahlen aus den Fingern gesogen, sondern ich wollte sie für jeden nachvollziehbar darstellen.

@ villa
Ich habe eine solch ausführliche Antwort nach diesen trockenen Zahlen nicht erwartet. Ich verstehe aber, was du uns sagen willst und sehe es ähnlich:

Im 17. Jahrhundert wurden alle noch bestehenden islamischen Moscheen in Spanien in Kirchen umgewandelt, zerstört oder zweckentfremdet. Ich bin aber trotz Toleranz einer anderen Kultur gegenüber der Meinung, dass bei einem muslimischen Bevölkerungsanteil von 3 Prozent nicht in jedem Dorf ein Minarett zu sehen sein muss, das allein durch seine Höhe das Landschaftsbild verändern würde.

Nachdem ich im Februar letzten Jahres in Marrakesch war, hatte ich hier im Forum einen ausführlichendreiteiligen Reisebericht eingestellt. Ich habe ihn nicht zu Ende geführt, denn die Lust auf den 4. Teil haben mir die damaligen Diskussionen und die durch einige Mitglieder aufgeheizte Stimmung hier im Forum vermiest. Eigentlich sollte es ein Bericht über den Islam werden. Was ich in Marrakesch erlebt habe, hätte ich gerne noch geschrieben. Trotz meiner angepassten Kleidung wurde mir nahegelegt, mir einen traditionellen Kaftan zuzulegen und die Augen züchtig niederzuschlagen. Den Fotoapparat konnte ich nur versteckt benutzen und als "Ungläubige" hatten ich (und auch mein Mann) keinen Zutritt zu den Moscheen.

Diese Art von Fremdenfeindlichkeit wird in diesem Land keinem Muslim entgegengebracht. Sie können im Kaftan herumlaufen, die Frauen mit Kopftuch, und keiner dreht sich nach ihnen um. Weder hier noch in Deutschland würde ihnen verwehrt werden, ein christliches Gotteshaus zu betreten.

Wie schwer es aber hier zu Lande muslimische Migranten wegen der ihnen fremden Kultur haben, ist mir aufgegangen, als ich kürzlich die Klasse einer öffentlichen spanischen Erwachsenenbildungsstätte besuchte. Dort fand ein Eingliederungskurs für muslimische Frauen statt, die ohne Sprachkenntnisse nach Spanien gekommen waren. Dieser Sprachkurs fing bei Null an, denn diese Frauen konnten nur Arabisch lesen und schreiben. Sie finden sich in dieser für sie fremden Kultur nur schwer zurecht, weil sie der lateinischen Schrift nicht mächtig sind. Diese Kurse helfen den Migranten sich zu integrieren und verhindern Ghettobildung.

@ sol
Da kannst du mal sehen, wohin so ein kleines Foto aus einem Reisebericht führen kann... ;) Man sieht nicht viele Minarette in unserer Provinz, die Moscheen sind oft ganz unscheinbare Häuser. Das war der Grund, warum mir dein Foto von einem mir unbekannten Minarett in Dénia aufiel. Margit hat mich dann aufgeklärt, dass es sich wohl nicht um den Turm einer Moschee handelt, sondern um ein Minarett als Stilelement in einer arabisch anmutenden Wohnanlage.

@ Torre und rainer
Genau das war es, was ich mit meinem Eingangsbericht bezwecken wollte: Wenn jemand Angst vor Überfremdung hat und überall nur noch Muslime sieht, der sollte sich die von mir recherchierten Zahlen anschauen. Was sind denn 3,2 Prozent von der Gesamtbevölkerung? Drei von hundert Menschen in Spanien sind Moslems, in Deutschland sogar jeder fünfte. Zahlen, die besonders im Zeitalter der Globalisierung, jedes Land/Volk gut verkraften sollte.

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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von girasol » Mi 7. Nov 2012, 10:04

@ Torre: Da kann ich dir nur zustimmen, hatte erst kürzlich eine Diskussion mit meinem Schwiegervater darüber.

Gruß
girasol
Die Welt ist ein Buch und wer nicht reist, liest davon nur eine Seite.
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Re: Muslime in Spanien, ein altes Thema wieder aktuell

Beitrag von sol » Mi 7. Nov 2012, 10:19

meine jetzige Wohnstadt hat ca. 32.000 Einwohner z.Zt.

es leben 600 Musleme aus unterschiedl. Ländern bei uns

null Problemo
Gruss Wolfgang

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