Toleranz im alten Al-Andalus

von den Iberern bis zur Neuzeit
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Atze
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Toleranz im alten Al-Andalus

Beitrag von Atze »

Vielleicht erinnert ihr euch:
Bei einer Diskussion über die religiösen Grundlagen der Menschenrechte kamen wir auf die Spanische Inquisition und der ihr damals eigenen speziellen rassistischen Judenverfolgung zu sprechen. Und wieder kam die auch früher von mir vertretene Meinung einer religiösen Toleranz im islamisch beherrschten Spanien auf.
Aus meinem letzten Beitrag damals:
"Die Judenverfolgungen in Spanien waren in erster Linie eine innerspanische Entwicklung und nicht von der römischen Kirche gesteuert Trotz des Titels: "Katholische Könige", verliehen von Papst Alexander IV. Aber der war ja selber ein Spanier.

Ob ich hier in Spanien noch dazu komme, etwas dazu zu schreiben, dass die Behauptung der durchgehenden Toleranz für Christen und Juden im muslimischen Spanien ein frommes Märchen ist, weiß ich nicht. Unzweifelhaft hat es ausgesprochen tolerante Zeiten gegeben - aber auch regelrecht fundamentalistische Phasen des Islam in Spanien.
Für heute erstmal Schluss."
............
Das beabsichtige ich, jetzt wieder aufzugreifen und fange mit einem" Paukenschlag" an: Dem bis dahin größten Progrom an Juden im Jahr 1066 in Granada:

https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Granada

Ganz offenbar gibt es in der damaligen Hoch-Zeit des konfliktarmen Zusammenlebens der Kulturen im alten Andalus doch einige Flecken.
Aber keine Angst: Noch bin ich dabei, Informationen zu sichten und zu werten.
LG Atze

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Re: Toleranz im alten Al-Andalus

Beitrag von Miesepeter »

Diese "Toleranz" ging so weit, daß u.v.a. dem kath. Pfarrer Josep Tarongi noch 1876 die Ausübung seines Amtes aufgrund seiner jüdischen Abstammung (sog. "Chuetas" = konvertierte Juden) untersagt wurde. Der Begriff "Al-Andalus" bezog sich seinerzeit m.W. auf das gesamte vom Islam beherrschte Gebiet der iber. Halbinsel.
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Re: Toleranz im alten Al-Andalus

Beitrag von Atze »

Ja, die "Reinheit des Blutes" als antijüdisches Argument ist eine Erfindung der Spanier, ein protorassistisches Konzept, erstmals 1449 in Toledo als Statut niedergeschrieben. Im übrigen Abendland war zu der Zeit mit einer Konversion zum Christentum die Sache meist erledigt.
Und ja: Mit dem alten Al-Andalus ist das ges. islamisch beherrschte Spanien gemeint. Egal ob es um größere Reiche oder um Gebiete der zahlreichen muslimischen (und christlichen) Warlords handelte. Wie z. B. El Cid einer war. Die Grenzen waren da fließend.
LG Atze

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Re: Toleranz im alten Al-Andalus

Beitrag von Miesepeter »

Als Gegenstück des "reinen Blutes" entstand im Spanischen der Ausdruck "mala sangre" (etwa schlechtes Blut) der den konvertierten Juden zugeschrieben wurde und heute allgemein einen schlechten Charakter beschreibt. Die ganze Geschichte der Juden in Spanien ist hochinteressant, entbehrt aber radikalen Auswüchsen. Im staatl. Radio5 Radio erzählt Matilde Gini Barnatan Einzelheiten, und das jüdische Zentrum in Gerona ist einmalig. Auch heute noch sprechen die Nachfahren der Sefardim in Israel "ladinisch" ähnlich des im 16 Jh. gesprochenen Spanisch. Ihre Zeitung "Aurora" hat inzwishen auf das moderne Spanisch umgestellt. Mazel toff.
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Scandy
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Re: Toleranz im alten Al-Andalus

Beitrag von Scandy »

Atze hat geschrieben: Di 22. Mär 2022, 08:31 Vielleicht erinnert ihr euch:
Aber keine Angst: Noch bin ich dabei, Informationen zu sichten und zu werten.
ich erinnere mich und warte ;)

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Re: Toleranz im alten Al-Andalus

Beitrag von Atze »

Scandy hat geschrieben: Do 31. Mär 2022, 21:23
Atze hat geschrieben: Di 22. Mär 2022, 08:31 Vielleicht erinnert ihr euch:
Aber keine Angst: Noch bin ich dabei, Informationen zu sichten und zu werten.
ich erinnere mich und warte ;)

Scandy
Bekenne mich schuldig, ich war etwas vorlaut. Ich wartete noch auf ein Buch, das ich morgen abholen werde.
Dauert also noch etwas..
LG Atze

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