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Ohne aktuelle Nachrichten leben?

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 10:10
von Oliva B.
Chris hat kürzlich in einem anderen Thread eine interessante Frage gestellt, die leider in der Diskussion völlig unterging:
chris hat geschrieben: Di 20. Jan 2026, 16:06 In meiner Funktion als normaler User (und nicht als Moderator) kann ich dazu nur beitragen, dass ich von dem Zugunglück erst verspätet erfahren habe, weil ich letztes Jahr endgültig den Kanal voll hatte von den ganzen (von den Medien für mich "freundlicherweise und selbstlos" vorsortierten) Meldungen, die einem normalen Menschen eigentlich nur noch die Magensäure überkochen lassen.

Daher - und das ist sicherlich auch ein interessanter Diskussionsansatz - habe ich mich seit dem Frühjahr 2025 zum ersten Mal in meinem Leben 100% konsequent von jeder Art von Nachrichten ferngehalten, sei es im Internet, im TV oder in den Printmedien. Wenn morgen die Welt untergeht, dann werde ich es erst erfahren, wenn hier die Lichter ausgehen.
:mrgreen:

Mein Horizont ist wieder der Horizont geworden, den ich aus dem Fenster sehen kann, um es mal etwas krass zu formulieren. Und es geht mir persönlich besser dabei. Ich hatte in der gesamten Zeit nie den Eindruck, dass ich irgendetwas Wichtiges verpasse. Man kann dann zwar bei politischen Diskussionen nicht mehr mitreden, aber wer will das heutzutage noch, wo jedes Wort auf die Goldwaage kommt und eine Freundschaft unter Umständen in Sekunden gekündigt wird, wenn man die falsche Meinung zu irgendwas hat?

Ist das jetzt dumm, kurzsichtig und egoistisch? Oder ist es in der heutigen Zeit die einzige Chance, dass man innerlich nicht überläuft und irgendwann platzt?
Diese Einstellung wirft viele Fragen auf:
Kann man wirklich ohne aktuelle Nachrichten auskommen, sei es temporäres (als Experiment) oder dauerhaft?
Ist ein Nachrichtenverzicht vielleicht DER Schlüssel zur mentalen und körperlichen Gesundheit?

Wie seht ihr das?

Re: Ohne aktuelle Nachrichten leben?

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 10:19
von baufred
... meine Sichtweise >:d< :

per Schlagzeilen registrieren 'was so abgeht' ... entscheiden, was hinterfragt werden sollte (Hintergrundinfos) - aber nur wenn notwendig > persönlicher Infobedarf bei speziellen Themen :idea: :idea: ...

... aber nicht alles tiefgründig 'abklappern' .... wie bereits angedeutet: sich nicht unnötig 'zumüllen' :roll: ...

Re: Ohne aktuelle Nachrichten leben?

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 12:36
von Quijosha
Also für mich wäre das nicht denkbar. Ich möchte informiert sein, was auf der Welt passiert. Ich lese jeden morgen Zeitung, tagsüber höre ich stündlich die Nachrichten im Radio bei der Arbeit und abends schaue ich die 8 Uhr Nachrichten. Was ich allerdings nicht mache (entgegen meinem Mann), weitersuchen. Wenn so etwas wie das Unglück in Spanien passiert, sucht er bewusst nach Youtubevideos oder auf Instagram oder Tiktok weiter. Das möchte ich dann nicht. Mir reicht es zu wissen, dass es passiert ist. Nur bei wirklich regionalen Sachen, die mich persönlich betreffen, schaue ich auch weiter. Wie zum Beispiel, als es uns den Strand weggespühlt hat vor ein paar Jahren.

Re: Ohne aktuelle Nachrichten leben?

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 13:33
von vitalista
Gänzlich ohne Nachrichten kann man wohl nicht auskommen, schon beim Griff zum Smartphone bekommst du automatisch welche mit.
Aber natürlich kann man mit einem äußert geringen Nachrichtenkonsum gut auskommen, meine Mutter hatte mir das vorgelebt und ihr ging es sehr gut damit.
Ich selbst bin anders, mein Frühstück dauert immer 2 Stunden, da der Kölner-Stadt-Anzeiger dazu gehört.
Ich möchte informiert sein, was so passiert und ich kann dann entscheiden, ob - welches Thema mich intensiver interessiert.

Wie ich mit Nachrichten umgehe, ist auch eine Frage der Resilienz. Ich empfinde Nachrichten wie die Zugunglücke schrecklich, aber ich fühle mich nicht persönlich betroffen. Eine Freundin von mir kann angesichts eines Unglücks in Tränen ausbrechen und fühlt sich dadurch belastet.
Ich denke, wenn mich die täglichen zigfachen Katastrophen-Nachrichten extrem treffen sollten, dann wäre es vermutlich gesünder für mein Seelenheil, den Nachrichtenkonsum deutlich einzuschränken.

Re: Ohne aktuelle Nachrichten leben?

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 14:04
von Frambuesa
Quijosha hat geschrieben: Fr 23. Jan 2026, 12:36 Also für mich wäre das nicht denkbar. Ich möchte informiert sein, was auf der Welt passiert.
Auch für mich ist ein Leben ohne Nachrichten nicht denkbar. Dabei nutze ich mehrere Nachrichtensender, um informiert zu sein und mir eine Meinung bilden zu können.
Aber stets wie baufred sagt:
baufred hat geschrieben: Fr 23. Jan 2026, 10:19 .... wie bereits angedeutet: sich nicht unnötig 'zumüllen' :roll: ...
OT: Und wenn ich mich an die Zeiten erinnere, in denen ich mich oft 4 und mehr Wochen in abgelegenen Gegenden Sri Lankas aufhielt und keine Nachrichten sehen konnte, wo es noch keine Handys gab und kein Internet, wo eine Telefonverbindung nur mit viel Glück zustande kam und fast die einzige Kommunikation für Normalsterbliche über vorsintflutliche Faxgeräte lief, dann habe ich das auch überlebt ;-)

Re: Ohne aktuelle Nachrichten leben?

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 14:10
von chris
Quijosha hat geschrieben: Fr 23. Jan 2026, 12:36 Also für mich wäre das nicht denkbar. Ich möchte informiert sein, was auf der Welt passiert.
Da diskutiere ich gleich mal mit, denn es bedarf vielleicht einer weiterführenderen Erklärung ;-)
Ich war immer sehr an Nachrichten und am Tagesgeschehen interessiert, soviel vorweg. Warum hat sich das so radikal geändert?


Einer der Gründe ist für mich, dass es fast nirgendwo mehr eine Trennung zwischen objektivem Journalismus und persönlicher Meinung gibt. Ich komme aus einer Zeit, in der Kommentare noch klar von Meldungen getrennt sein mussten, und bei den seriöseren Medien hatte das auch ganz gut geklappt, obwohl natürlich je nach Tageszeitung immer schon ein eher linkes oder konservatives politisches Grundrauschen mit dabei war (Frankfurter Rundschau vs FAZ zum Beispiel, von der taz ganz zu schweigen).

Heutzutage hingegen wird selbst in den ÖR und anderen seriösen Medien nicht mehr objektiv berichtet, sondern u.a. über Adjektive grundsätzlich ein Meinungstrend mit eingeführt, und das nicht mehr subtil, sondern ganz unverhohlen. Ob nun populistisch und fragwürdig oder heldenhaft und aktivistisch, alles muss durch stilistische Gefühlsausbrüche mit einer fest zementierten Meinung versehen werden, die keinerlei Hinterfragen duldet.


Der zweite wichtige Grund für Magensäure-Exzesse ist die aktive Vorselektierung dessen, was man den Menschen überhaupt zeigt und wie man es ihnen zeigt, um die eigene Blase, das eigene vorgefasste Weltbild auch als Journalist nicht verlassen zu müssen.

Dabei geht es bei den Lücken in der Berichterstattung gar nicht nur um den Konflikt der politischen Strömungen in Spanien oder Deutschland oder den USA, sondern man muss sich auch fragen, warum mit den Schultern gezuckt wird, wenn täglich in Gaza Kinder ermordet werden, aber nach wie vor bei den wenigen Stunden, die ich im Jahr noch vor dem Fernseher sitze, in deutschen Programmen links oben selbst im Jahr 2026 noch per SMS Spenden für die Ukraine gesammelt werden. Bitte jetzt keine politische Debatte darüber, das ist für mich nur ein Beispiel, warum ich mich zuletzt nur noch manipuliert und nicht mehr informiert gefühlt habe. Ein Krieg ist wichtig, und im anderen werden halt nur terroristische Araber weggebombt incl Kollateralschäden; also Haken dran und nächster Tagesordnungspunkt.

Oder aber wenn Medienhäuser und Rundfunkanstalten des öffentlichen Rechts sich mit Mistgabeln von der schreienden Minderheit durchs Dorf jagen lassen und eine von der großen Mehrheit (auch der Frauen) erwiesenermaßen abgelehnte künstliche Gendersprache verwenden, und sowohl die Damen als auch die Herren unter fadenscheinigen Gründen aus der traditionellen Begrüßung zur wichtigsten deutschen Nachrichtensendung getilgt werden, da man sich auf Wunsch einer weiteren kleinen Minderheit darauf geeinigt hat, dass dies nicht alle Menschen ausreichend inkludieren würde, die sich weder als Dame noch als Herr empfinden.


Da kam dann irgendwann zwangsläufig die Frage: bringen mir diese ganzen vorsortierten, tendenziösen und gegen gewisse Grundwerte verstoßenden "Infos" überhaupt etwas? Klare Antwort: nein. Außer noch mehr Sorgen vielleicht. Und die wirklich wichtigen Nachrichten, die bekommt man mit etwas zeitlicher Verzögerung ja eh mit, weil alle Welt drüber redet.

Re: Ohne aktuelle Nachrichten leben?

Verfasst: Fr 23. Jan 2026, 15:04
von Hobbykoch
Ich habe ja schon in verschiedenen Ländern gelebt und Nachrichten im Fernsehen waren überall anders. Da wurde zB in Australien (Anfang der 90er) berichtet, dass man als Ausländer am Bahnhof in Frankfurt/Main sofort erschossen wird. Andere Länder berichten aus Europa nichts, etc etc. In Deutschland wird ganz selten über Afrika berichtet. Ich schaue gar keine Nachrichten mehr und das schon lange. Schlagzeilen bekommt man ja dennoch irgendwie immer mit. Ich entscheide dann, was für mich selbst interessant ist und kümmere mich dann bei "sicheren" Quellen um die Sache. Die Welt ist soooo groß und Medien greifen bewusst nur das auf, was Quote bringen könnte. Daher kümmere ich mich nur um das, was mich interessiert. Muss nicht unbedingt bei Schlagzeilen mitreden können.