Frambuesa hat geschrieben: Mi 12. Aug 2026, 18:52
Ich wünsche euch gleich einen klaren Himmel und ein phantastisches Naturschauspiel

- vielleicht gibt es morgen ja Fotos?
Nachdem es vorhin kurz geschauert

hatte, habe ich eigentlich die Hoffnung aufgegeben, heute überhaupt noch etwas zu sehen. Aber jetzt ist der Himmel wieder klar und die Sonne scheint!
Vielleicht interessiert euch ja, welche Geschichte ich heute im Netz gefunden habe:
Die andere Sonnenfinsternis von 1900
Am 28. Mai 1900 schaute Elche nach oben. Und zwar nicht nur ein bisschen.
Kurz vor vier Uhr nachmittags verstummte das Gespräch auf den Feldern. Astronomen standen an ihren Instrumenten, Assistenten warteten auf Kommandos, und Tausende Menschen blickten auf die Sonne. Das Licht wurde fahler, die Temperatur sank – und dann kam der Schatten.
Etwas mehr als eine Minute lang war die Sonne vollständig verschwunden. Die Korona erschien, einige Planeten wurden sichtbar und Elche erlebte mitten am Nachmittag eine ziemlich spektakuläre Nacht.
Für die Astronomen war allerdings keine Zeit für Romantik. Fotoplatten mussten gewechselt, Verschlüsse geöffnet, Temperaturen notiert und Spektren aufgenommen werden. Eine Minute Totalität ist eben schnell vorbei – vor allem, wenn man dafür Monate gearbeitet hat.
Elche wird zum Wissenschaftscamp
Die Sonnenfinsternis hatte schon lange vorher für Aufregung gesorgt. Bereits im Herbst 1899 berichtete *El Pueblo de Elche*, dass die Stadt mitten im Gebiet lag, durch das der Mondschatten ziehen würde. Der Direktor der Sternwarte von Madrid wollte deshalb wissen, wo die zahlreichen Wissenschaftler unterkommen konnten, wie es mit Verkehr und Versorgung aussah und wo man am besten Beobachtungspavillons aufstellen konnte.
Kurz gesagt: Elche bereitete sich darauf vor, ausländische Astronomen zu beherbergen – und gleichzeitig vermutlich ein wenig darauf, möglichst beeindruckend auszusehen.
Im Frühjahr 1900 wurde es konkret. Französische, britische, schottische und spanische Expeditionen machten sich auf den Weg. Landhäuser, Obstgärten und Dachterrassen wurden zu provisorischen Observatorien. Die Eisenbahn brachte Menschen und Gepäck aus Alicante heran. Die wirklich schweren Dinge – Teleskope, Kameras und allerlei wissenschaftliches Gerät – mussten anschließend irgendwie weitertransportiert werden.
Heute würde man vermutlich von einem internationalen Wissenschaftsevent sprechen. Damals hieß es in der Presse schlicht: **„Die Weisen“ waren gekommen.**
Und diese Weisen wollten vor allem eines: einen möglichst freien Blick auf die Sonne.
Erst einmal musste Elche vermessen werden
Bevor der große Moment kam, war noch ein bisschen Bürokratie im Himmel zu erledigen.
Im März traf eine Kommission des Geografischen und Statistischen Instituts ein. Eduardo Mier y Miura und Francisco Papis sollten den geografischen Breitengrad von Elche möglichst genau bestimmen. Das klingt zunächst wenig spektakulär, war aber für die Berechnung der Finsternis und den Vergleich der Beobachtungen enorm wichtig.
Die Sonnenfinsternis war inzwischen also nicht mehr nur ein astronomisches Ereignis. Sie war eine kommunale Großveranstaltung mit internationaler Beteiligung, wissenschaftlicher Präzisionsarbeit und vermutlich reichlich Gepäck.
Der Mann hinter dem Plan
Eine wichtige Rolle spielte **José Joaquín Landerer y Climent**, ein valencianischer Astronom und Geologe. Die Zeitungen schrieben seinen Namen gelegentlich falsch und machten aus ihm sogar einen Chemiker. Das musste natürlich korrigiert werden: Landerer war Astronom und beschäftigte sich besonders mit der Sonnenkorona.
Er hatte Elche schon Jahre zuvor als möglichen Beobachtungsort ins Auge gefasst. 1900 untersuchte er die Bedingungen vor Ort und suchte geeignete Plätze für die Expeditionen der Universität Montpellier und der Französischen Astronomischen Gesellschaft.
Anfang April meldete die Presse bereits, dass Landerer sein Observatorium eingerichtet habe.
Nach der Finsternis wurde ihm sogar zugeschrieben, mehrere ausländische Expeditionen davon überzeugt zu haben, dass Elche zu den besten Beobachtungsorten gehörte. Landerer selbst erinnerte daran, dass er diesen Tag schon seit fünf Jahren erwartet hatte.
Fünf Jahre Vorbereitung für gut eine Minute Dunkelheit. Das klingt zunächst nach einem schlechten Zeit-Leistungs-Verhältnis. Für die Astronomie des Jahres 1900 war es jedoch eine einmalige Gelegenheit.
Und so wurde Elche am 28. Mai 1900 für einen kurzen Augenblick zu einem internationalen Freiluftlabor: Wissenschaftler aus mehreren Ländern, komplizierte Instrumente, improvisierte Observatorien – und eine Sonne, die pünktlich für etwas mehr als eine Minute verschwand.

Optimiertes Bild der Sonnenfinsternisbeobachtung in Elche im Jahr 1900
126 Jahre später lohnt sich der Blick zurück.
Am 12. August 2026 verbindet eine weitere Sonnenfinsternis Elche mit diesem Kapitel seiner Geschichte. Diesmal liegt die Stadt südlich des Streifens der Totalität und erlebt die Finsternis als sehr tiefe partielle Verfinsterung – mit der Sonne bereits tief im Westen.
Die große Dunkelheit von 1900 kehrt also nicht ganz zurück.
Aber vielleicht reicht es ja, wenn Elche wieder einmal nach oben schaut.
Dieser Zusammenfassung liegt ein Bericht von Alicante Plaza zugrunde. Den vollständigen (spanischen) Text findet ihr
El otro eclipse de 1900