Da ich abends nun wieder relativ häufig ein Buch zur Hand nehme, will ich diese Rubrik mal wieder aus der Versenkung heben. Vielleicht können sich hier ja auch diejenigen einbringen, die bei den spanischen Themen eher zu den stillen Lesern gehören? Wir würden uns freuen.
Ich lese in letzter Zeit vor allem Bücher von spanischen Autoren, da mich das typische US-Buch, das immer irgendwo mit Senatoren oder Polizeichefs, die wiedergewählt werden wollen, daherkommt, nicht mehr anspricht. Da bevorzuge ich Literatur aus der Heimat, und diesmal gewissermaßen direkt vor der Haustür.
Allerdings muss ich das Thema gleich mit einer Buch-Nicht-Empfehlung für alle Residenten neu beleben, denn das Werk erfüllt seinen Anspruch aus dem Klappentext leider überhaupt nicht:
Pablo Poveda
Crimen En Altea Hills
(Gabriel Caballero 17)
Gabriel, con la ayuda (y la molestia) de la incisiva periodista Rosario, se sumerge en el glamuroso y peligroso mundo de la Costa Blanca. Su investigación los llevará de los callejones del casco antiguo de Altea, a las lujosas mansiones de Altea Hills, donde las fortunas se blanquean y las verdades se entierran.
Mit der Hilfe (und der Belästigung) der scharfsinnigen Journalistin Rosario taucht Gabriel in die glamouröse und gefährliche Welt der Costa Blanca ein. Ihre Ermittlungen führen sie von den Gassen der Altstadt von Altea zu den luxuriösen Villen von Altea Hills, wo Vermögen gewaschen und Wahrheiten begraben werden.
(deepl.com)
Als jemand, der seit zwei Jahrzehnten in Altea lebt, habe ich dieses Buch natürlich mit Begeisterung aufgeschlagen und wollte abtauchen in ein mir bekanntes Setting. Doch leider war da nichts anderes zu fühlen, als dass der Autor in seinem Leben nie in Altea gewesen sein kann, und nur ein paar Klischees bedient, die er irgendwo aus dem Internet gezogen hat.
Die meiste Zeit ist man in der Ferienwohnung und deren Umgebung, irgendwo in Alteas Altstadt, wo man überraschenderweise direkt vor der Tür parken kann. Dann gibt es als Handlungsort noch eine Künstlerwerkstatt, ebenfalls mit Parkplatz direkt vor der Tür und natürlich den Hafen, zu dem man nicht in maximal zehn Minuten zu Fuß geht, sondern auch mit dem Kraftwagen fährt. Für eine Szene gibt es auch eine fette russische Villa in den Hills, allerdings ist mir die Serpentinenstraße, die von Altea Hills zum Parkplatz vor dem Haus in der Altstadt führt, völlig unbekannt, und bei der Länge der Fahrt müsste der Protagonist eigentlich bis mindestens nach Benidorm gekommen sein.
Wahrscheinlich liegt eine der Erklärungen darin, dass es sich um den 17. (!) Fall des Gabriel Caballero handelt, die Bücher werden also im Akkord verfasst und letztlich ist den Fans die Kulisse wohl egal, hauptsache der Romanheld löst sämtliche Probleme im Alleingang, und wenn ihn mal ein Schurke von einem Boot ins Mittelmeer wirft, dann wird er von einem Fischerboot wieder rausgeholt und an Land gebracht.
Fazit: Seichte Unterhaltung für alle, die noch nie in Altea waren, und sich ein eigenes völlig falsches Bild voller Klischees von dieser schönen weißen Künstlerstadt machen wollen.