Mercadona nennt seine Kunden gern
„jefes“. Eigentlich ein sympathischer Begriff – schließlich soll der Kunde König sein. Doch bei der neuen
Fischabteilung könnte man sich fragen, wie viel Entscheidungsmacht ein „Chef“ tatsächlich noch hat.
Die Meldung*) ist nicht neu:
Die klassische Fischtheke soll zunehmend verschwinden. Stattdessen gibt es gereinigten, portionierten und verpackten Fisch aus dem Kühlregal. Mercadona begründet die Umstellung mit mehr Frische, kürzeren Wartezeiten und einem effizienteren Einkauf.
Das klingt gut. Sehr gut sogar.
Aber vielleicht lohnt sich ein zweiter Blick.
Denn bisher konnte der „Chef“ tatsächlich wie ein Chef auftreten: Er konnte sich die Fische ansehen, sich ein bestimmtes Exemplar aussuchen und dem Mitarbeiter sagen, was damit geschehen soll.
Ausnehmen? Natürlich.
Entschuppen? Kein Problem.
Entgräten? Bitte schön.
Filetieren? Gerne.
In bestimmte Stücke schneiden? Selbstverständlich.
Ich habe beispielsweise manche Fische entschuppen lassen, andere zusätzlich entgräten – schließlich mag Olivo keine Gräten im Mund.

Und je nach Zubereitungsart konnten die passenden Schnitte gemacht werden, etwa zum späteren „Spicken“ mit Zitronenscheiben.
Diese individuelle Dienstleistung ist mit der fertig abgepackten Schale weitgehend Geschichte.
Jetzt gilt eher:
Schale nehmen oder Schale stehen lassen. Glücklicherweise gibt es
noch andere Supermarktketten wie
Masymas, an derenr Fischtheke man eine große Auswahl an frischem Fisch und hochwertige Meeresfrüchte findet, direkt von den wichtigsten Fischmärkten des Landes wie A Coruña, Cádiz, Málaga, Torrevieja… Der frische Fisch wird dann, wie früher bei Mercadona, von Fachleuten ganz nach den Wünschen der Kunden zubereitet. Aber das nur am Rande, in unserem Thema geht es um Mercadona.
Dort ist der Fisch bereits ausgewählt, gereinigt, portioniert und geschnitten. Der Kunde kann nicht mehr beurteilen, welcher einzelne Fisch ihm am besten gefällt, und er kann auch nicht mehr spontan entscheiden, wie genau er ihn für das Abendessen vorbereitet haben möchte.
Das ist effizient.
Aber eben auch sehr standardisiert.
Und genau hier stellt sich eine durchaus berechtigte Frage:
Wem nützt diese Effizienz eigentlich am meisten?
Denn eine Fischtheke braucht Mitarbeiter. Menschen, die beraten, Fische präsentieren, sie ausnehmen, entschuppen, entgräten, filetieren und nach Kundenwunsch zuschneiden. Eine Schale aus dem Kühlregal braucht diese individuelle Betreuung nicht.
Wenn also die persönliche Bedienung wegfällt und gleichzeitig die Vorbereitung stärker standardisiert wird, dürfte das auch für Mercadona organisatorische und wirtschaftliche Vorteile haben.
Das ist keine Unterstellung, sondern schlicht eine Frage, die man stellen darf:
Wie verteilen sich die durch die neue Verkaufsform eingesparten Kosten?
Und dann wäre da noch das Thema Verpackung.
Mercadona empfiehlt, die Fischschalen zum Einfrieren zusätzlich in spezielle Gefrierbeutel zu geben und den Fisch innerhalb eines Monats zu verbrauchen. Damit kommt zur Verkaufsverpackung unter Umständen noch eine weitere Plastikverpackung hinzu.
Mehr Convenience – möglicherweise auch mehr Plastik.
Ausgerechnet dort, wo früher ein Fisch weitgehend individuell über die Theke verkauft und nach den Wünschen des Kunden vorbereitet werden konnte.
Natürlich wird es Kunden geben, die die neue Lösung begrüßen. Schale aus dem Kühlregal nehmen, in den Einkaufswagen legen, bezahlen – fertig. Keine Wartezeit, kein Gespräch, keine Entscheidung über den Zuschnitt.
Für einen schnellen Einkauf mag das praktisch sein.
Aber
ist „schneller“ automatisch besser?
Und ist ein Kunde wirklich mehr „Chef“, wenn er zwar keine Wartezeit mehr hat, dafür aber auch nicht mehr entscheiden kann, welchen Fisch er bekommt und wie er ihn vorbereitet haben möchte?
Mercadona spricht von einem moderneren, effizienteren Modell und davon, die Bedürfnisse seiner „Chefs“ besser zu erfüllen.
Vielleicht sollten diese „Chefs“ deshalb einmal selbst gefragt werden:
Wollt ihr wirklich weniger Wartezeit – oder wollt ihr weiterhin die Wahl haben?
Denn möglicherweise ist der entscheidende Unterschied zwischen der alten und der neuen Fischabteilung ganz einfach:
Früher konnte der Chef sagen, was mit seinem Fisch geschehen soll.
Jetzt muss der Chef nehmen, was bereits in der Schale liegt.
Und während Mercadona damit wirbt, die Zeit vom Fang bis zum Verbraucher möglichst weit zu verkürzen, bleibt eine andere Zeitrechnung offen:
Wie viel Zeit und wie viele Kosten spart Mercadona eigentlich durch den Wegfall der individuellen Bedienung?
Eine Antwort darauf wäre für die „Chefs“ mindestens genauso interessant wie die Frage, wie lange der Fisch nach dem Kauf haltbar ist.
Quelle:
Mercadona explica por qué desaparecen las pescaderías de sus supermercados: “Reducir al máximo el tiempo” vom 12.7.2026