Was ich schon immer über Olivenöl wissen wollte

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Oliva B.
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Was ich schon immer über Olivenöl wissen wollte

Beitrag von Oliva B. »

In diesem Thread dreht sich alles um Olivenöl mit besonderem Fokus auf natives Olivenöl extra. Ziel ist es, Wissen zu sammeln, einzuordnen und zu teilen: von wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen über neue Studien bis hin zu eigenen Erfahrungen aus Küche, Einkauf oder Verkostung.
Die Beiträge werden bewusst in loser Reihenfolge eingestellt. Es geht nicht um Dogmen oder Nachplappern von Marketingversprechen, sondern um ein besseres Verständnis dafür, was ein gutes Olivenöl ausmacht.

Neben Fakten sollen auch praktische Tipps, persönliche Beobachtungen und Fragen Platz haben. Ergänzungen und Diskussionen sind ausdrücklich willkommen. Dieser Thread soll wachsen, sich weiterentwickeln und im besten Fall dazu beitragen, Olivenöl bewusster zu genießen.

Ein paar Worte zu mir und meinem Weg zum Olivenöl
Ein eigener Olivenhain war für mich schon immer mehr als nur eine romantische Idee – eher ein langfristiger Traum. Also habe ich mich früh und intensiv mit dem Olivenanbau und der Ölgewinnung beschäftigt und viel gelesen. Aber weder Fachliteratur noch Hochglanzbände über den Olivenanbau können die Praxis ersetzen. Ein Olivenbauer in der Toskana hat uns gezeigt, worauf es bei der Erzeugung erstklassigen Olivenöls wirklich ankommt. Als wir dann 2004 unsere Finca erwarben, haben uns unsere spanischen Freunde vor Ort gezeigt, wie sich unser angeeignetes Wissen mit hiesigen Klima, Böden und Sorten vereinbaren ließ, und haben dabei nicht mit kleinen Tipps und wertvollen Ratschlägen gespart. Für uns stand fest: Aus unseren Oliven sollte kein bedeutungsloses Allerweltsöl werden, sondern ein wirklich gutes Olivenöl der Extraklasse.
manatiales de Olivo 28.11. Olvenernte 005.JPG
Dazu mus man wissen, dass bei der Olivenölerzeugung in den 2000er Jahren in Spanien mehr Wert auf Masse statt auf Klasse gelegt wurde. Dss hat dich inzwischen geändert. Geerntet wurde damals meist erst ab Dezember (weil dann die Oliven einen hohe Ölanteil haben) bis in den März des Folgejahres hinein, wenn die Früchte ihre beste Zeit schon lange hinter sich gelassen haben. Das farsus erzeugte Olivenöl wurde zwar offiziell als „nativ“ deklariert, war aber geschmacklich nicht vergleichbar mit den hochwertigen Ölen aus Italien. Es schmeckte und roch oft muffig, modrig oder ranzig.

Unser erstes eigene Öl haben wir zunächst nur für uns und unsere Familie produziert. Als unser Nachbar uns während der ersten Ernte besuchte, wollte er natürlich sehen, wie wir uns bei der ungewohnten Arbeit anstellten. Als er ein Blick in unsere vollen Körbe warf, meinte er beim Anblick der bunten Oliven, die gerade erst anfingen ihre Farbe zu veändern: "Das wird nicht viel Öl geben, dafür aber ein ganz feines! Wir ernten erst später, weil wir von der Kooperative nicht für die Qualität bezahlt werden, sondern für die abgelieferte Menge." Das war mir bekannt, aber für uns war unf ist die Olivenölproduktion Hobby und nicht Broterwerb. Freunde und Bekannte in Deutschland probierten unser Öl und waren restlos begeistert. Nach unserer zweiten Ernte waren die Überschüsse schnell verkauft, schnell hatten wir einen kleinen Kundenstamm.
Um eventuellen Fragen aus dem Forum zuvorzukommen: Nein, ich mache hier keine Werbung für unser Olivenöl. Auch wenn unser Kundenstamm mit der Zeit gewachsen ist, unser Olivenhain hat immer noch dieselbe Größe wie damals. Wir sind am Limit, anfragen lohnt also nicht!

Bis heute "verschlinge" ich alles, was ich zum Thema Olivenöl in den Printmedien oder in den Weiten des Internets finde – angefangen von agrarwissenschaftlichen Veröffentlichungen über sensorische Analysen bis hin zu eher trockenen technischen Abhandlungen zur Ölgewinnung. Theorie und Praxis gingen immer "Hand in Hand", ergänzt durch viele eigene Erfahrungen, aber auch Fehler trugen zum Lerprozess genauso wie die Aha-Momente, wenn etwas abseits der Lehrpfade gelang.

Mit meiner über 20-jährigen praktische Erfahrung bei der Bewirtschaftung eines Olivenhains und meinem fundierten Fachwissen freue ich mich auf eure Fragen, und hoffe, auch diejenigen unter euch überzeugen zu können, die jetzt noch sagen, "Olivenöl ist nicht so meins".

PS: Wie ihr seht, war der Entwurf für diesen Beitrag schon seit einigen Tagen fertig, da ich schon länger beabsichtigte, bei nächster Gelegenheit einen Thread über Olivenöl zu eröffnen. Dass sie so schnell gekommen ist, damit habe ich allerdings nicht gerechnet. ;-)
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Was ich schon immer über Olivenöl wissen wollte

Beitrag von Katzenmama »

Oliva B. hat geschrieben: Di 20. Jan 2026, 20:32
Katzenmama hat geschrieben: Di 20. Jan 2026, 20:26 Noch habe ich einige Liter von meinem eigenen Öl aus der Ölmühle in Millena. :-D
Darf ich mal ganz neugierig fragen, wie alt das inzwischen ist?
Für alle, die gutes natives Öl über mehr als ein paar Jahre lagern:
Das Öl ist von meiner letzten Ernte von Oktober bis Dezember 2021. Das Öl steht dunkel im grundsätzlich nicht zu kalten Keller. Die 5l Behälter sind noch mit dem Siegeldeckel verschlossen. Auf dem Boden haben sich natürlich viele Schwebstoffe gesammelt.

Der Geschmack ist weiterhin gut. Auch mein Sohn und Freundinnen benutzen das Öl immer noch gerne.
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Beitrag von Hobbykoch »

Katzenmama hat geschrieben: Mi 21. Jan 2026, 20:45
Für alle, die gutes natives Öl über mehr als ein paar Jahre lagern:
Das Öl ist von meiner letzten Ernte von Oktober bis Dezember 2021. Das Öl steht dunkel im grundsätzlich nicht zu kalten Keller. Die 5l Behälter sind noch mit dem Siegeldeckel verschlossen. Auf dem Boden haben sich natürlich viele Schwebstoffe gesammelt.

Der Geschmack ist weiterhin gut. Auch mein Sohn und Freundinnen benutzen das Öl immer noch gerne.
Wow, das hätte ich nicht gedacht. Werde zwar bei meinem massiven Verbrauch wohl eher nicht in diese Gelegenheit kommen, aber gut zu wissen. Hab bisher immer vernommen, dass es schnell ranzig wird. Danke
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Beitrag von Hobbykoch »

Apropos, was ist nochmal ein Keller?
:lol:
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Oliva B.
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Beitrag von Oliva B. »

Katzenmama hat geschrieben: Mi 21. Jan 2026, 20:45
Für alle, die gutes natives Öl über mehr als ein paar Jahre lagern:
Das Öl ist von meiner letzten Ernte von Oktober bis Dezember 2021. Das Öl steht dunkel im grundsätzlich nicht zu kalten Keller. Die 5l Behälter sind noch mit dem Siegeldeckel verschlossen. Auf dem Boden haben sich natürlich viele Schwebstoffe gesammelt.

Der Geschmack ist weiterhin gut. Auch mein Sohn und Freundinnen benutzen das Öl immer noch gerne.
Das kann ich nur bestätigen. Mich rief vor Jahren ein Bekannter an, nachdem er eine Kiste eines 5 Jahre alten Olivenöls in seinem Keller entdeckt hatte, das er von uns bezogen hatte. Da ich selbst keine Erfahrung mit so alten Ölen habe (schließlich gibt es jedes Jahr neues) Bild riet ich ihm, das Öl zu probieren. Es war noch einwandfrei.

Ich habe schon öfter im Internet gelesen, dass Olivenöle noch viele Jahre nach der Ernte genießbar sind. Aber dabei handelt es sich immer um Olivenöle der Kategorie "nativ extra". Aber selbst in dieser höchsten Kategorie gibt es noch gravierende Unterschiede, doch das erkläre ich gern einmal an passenderer Stelle.
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Rauchpunkt

Beitrag von Hobbykoch »

Nett was man hier so erfährt.
In D wird ja das Olivenöl regelrecht schlecht dargestellt. Nicht von den positiven Eigenschaften her, aber von der Verwendung. Da wird ständig pauschal von einem unfiltriertem ausgegangen, ohne es zu erwähnen, und nem Rauchpunkt von 135 Grad. Nicht zum Kochen und Braten geeignet, da krebserregend und nur für Salate oder der kalten Küche zu empfehlen! Was ich da schon über die Jahre an Überzeugungsarbeit und Aufklärung geleistet habe. Das hält sich aber so hartnäckig. Man möchte ja das heimische Öl verkaufen.
So war es ja auch Jahrzehnte lang mit alternativen Süßstoffen. ZB Stevia war lange Zeit sogar als Lebensmittel verboten und nur als Badezusatz erhältlich.
Ebenfalls Verdacht auf krebserregend, was ja null stimmt.
Aber durch die zig fache Süße im Vergleich zu Zucker natürlich geschäftsschädigend.
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Beitrag von Julekeil »

Hola,

na da bin ich ja beruhigt. Die Ölmühle hat aus meinen paar Oliven 45 Liter gequetscht und ich hatte mich schon gefragt, wie ich das in einem Jahr verbrauchen soll ...

Saludos
Sabine
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Rauchpunkt

Beitrag von Beefeater »

Dann klärt mich als Olivenöl Laien mal auf.

Wie ist es denn nun mit dem Braten?
Früher habe ich schon mal Olivenöl zum Braten von Steaks benutzt, aber das qualmte wirklich fürchterlich,
weil ich beim Steakbraten wirklich "Vollgas" gebe. Auf dem Grill wie in der Pfanne ...

Oder lässt man es besser?
... Et het noch emmer joot jejange
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Rauchpunkt

Beitrag von Hobbykoch »

Beefeater hat geschrieben: Do 22. Jan 2026, 14:19 Dann klärt mich als Olivenöl Laien mal auf.

Wie ist es denn nun mit dem Braten?
Früher habe ich schon mal Olivenöl zum Braten von Steaks benutzt, aber das qualmte wirklich fürchterlich,
weil ich beim Steakbraten wirklich "Vollgas" gebe. Auf dem Grill wie in der Pfanne ...

Oder lässt man es besser?
Ich habe ja ein Laser Thermometer, was ich fürs Wursten benötige. Damit habe ich schon etliche Öle getestet. Nativ extra lag immer zwischen 190 und 210 Grad beim Rauchpunkt. Das reicht ja völlig zum normalen anbraten aller Art. Moderne beschichtete Pfannen dürfen ja nur noch bis ca 200 Grad erhitzt werden. Scharfes anbraten bei Vollgas erreicht natürlich den Rauchpunkt, was aber noch nichts zur Stabilität der Verbindungen aussagt. Ab hier mag ich persönlich aber dann den Geschmack nicht mehr.
Hier noch die Aussage der KI, welche die selbe Meinung vertritt, wie ich:

"Ist der Rauchpunkt von Olivenöl gefährlich?
​Die kurze Antwort: Nein, Olivenöl ist beim normalen Kochen eines der sichersten und stabilsten Öle. Erst wenn das Öl über einen längeren Zeitraum massiv raucht, entstehen gesundheitsbedenkliche Stoffe.
​1. Die Stabilität (Oxidation vs. Rauchpunkt)
​Früher dachte man, der Rauchpunkt sei das wichtigste Maß für die Sicherheit. Neuere Studien zeigen jedoch, dass die oxidative Stabilität viel entscheidender ist:
​Antioxidantien: Hochwertiges (natives extra) Olivenöl enthält viele Polyphenole und Vitamin E. Diese schützen das Öl davor, bei Hitze zu zerfallen.
​Fettsäuren: Olivenöl besteht zum Großteil aus einfach ungesättigten Fettsäuren, die deutlich hitzestabiler sind als die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in vielen Sonnenblumen- oder Maiskeimölen.
​Ergebnis: Selbst wenn Olivenöl zu rauchen beginnt, bildet es oft weniger schädliche Verbindungen (wie polare Stoffe oder Transfette) als raffinierte Pflanzenöle mit höherem Rauchpunkt.
​2. Wann es wirklich gefährlich wird
​Gefahr besteht erst, wenn das Öl verrennt:
​Acrolein-Bildung: Wenn Öl über den Rauchpunkt hinaus erhitzt wird, zersetzt sich das Glycerin und es entsteht Acrolein. Das erkennst du an einem stechenden Geruch und brennenden Augen. Acrolein steht im Verdacht, krebserregend zu sein.
​Geschmack: Verbranntes Öl schmeckt bitter und ranzig. Das ist ein natürliches Warnsignal deines Körpers.

Zusammenfassend: Du kannst mit nativem Olivenöl extra bedenkenlos braten. Es ist chemisch stabiler als viele "Bratöle". Nur wenn es wirklich dunkel qualmt und stinkt, solltest du es nicht mehr verwenden." KI Ende

Dies ist natürlich nur auf normales gefiltertem Öl bezogen.
Jetzt bin ich auf Elke gespannt :-?
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Rauchpunkt

Beitrag von Beefeater »

Danke, das sind schonmal gute Infos

Wie haben ausschliesslich Öl aus selbst gepfückten Oliven, in einer der Mühlen unserer Umgebung gepresst.
Keine Ahnung welcher Qualität das entspricht :-\ .
... Et het noch emmer joot jejange
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