La Ofrenda de las Flores - Blumengabe

Feiertage (außer Ostern und Weihnachten), regionale Fiestas
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Oliva B.
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La Ofrenda de las Flores - Blumengabe

Beitrag von Oliva B. » Sa 31. Jul 2010, 14:32

Die Ofrenda de las Flores *) darf bei keinem Patronatsfest fehlen. Die Fiesta in den kleinen Pueblos kann natürlich nicht mit so prächtigen Veranstaltungen wie in Valencia verglichen werden, aber auch in diesem kleinen Rahmen ist das religiöse Fest beeindruckend. Als Zuschauer habe ich schon oft eine Prozession erlebt, doch dieses Mal sind wir selbst mitgegangen - eine völlig neue Erfahrung.
Ofrenda 8 Kind.JPG
Groß und Klein versammelten sich in festlicher Kleidung (die Damen trugen vorwiegend schwarze, elegante Kleider, die Herren schwarze Hosen mit weißen Hemden, die Kinder waren aufgebrezelt), von wo aus sich der Zug in Bewegung setzte. Die Damen hatten einen Blumenstrauß in der Hand, die Männer trugen eine Kerze und so ging es einmal durchs Dorf. Eine Musikkapelle am Ende spielte ohne Unterlass Pasodobles und half damit den Damen in ihren feinen (oftmals neuen und drückenden) Schuhen zu einem beschwingtem Gang über das holperige Pflaster. Als ich den alten Gassenhauer „Valencia“ hörte,
http://www.youtube.com/watch?v=wvrehydR74Q
“Valencia, es la tierra de las flores, de la luz y del amor.
Valencia, tus mujeres todas tienen de las rosas el color...”

"Valencia ist das Heimatland der Blumen, des Lichts und der Liebe,
Valencia, all deine Frauen haben die Farben der Rosen...”


erinnerte ich mich an meine Kindheit. Damals hatten wir zu der Melodie, die mir jetzt gar nicht mehr abgedroschen vorkam, einen ganz anderen (eigenen) Text gesungen, der zu allem, nur nicht zu einer religiösen Veranstaltung gepasst hätte.... :oops:
Tatsache ist jedoch, dass das Stück die Kultur und die Leidenschaft dieser wunderschönen Region Spaniens widerspiegelt.

Dann erreichten wir die Kirche. Die Gläubigen gingen paarweise durch den Mittelgang und wurden vorne von dem Ortsgeistlichen begrüßt, der mit seinen Helfern die Blumen in Empfang nahm, die sie rechts und links vom Altar in dafür vorgesehene Gestelle steckten, während der Pastor keinem versäumte, ein frohes Fest zu wünschen.
Ofrenda1.JPG
Danach begann emsiges Treiben.
Ofrenda5.JPG
Die Kirchenbänke wurden kraftvoll zur Seite geschoben und die gewichtige Madonna (la Virgen) aus massivem Holz vorsichtig von mehreren Männern von ihrem angestammten Sockel gehievt und auf der bereitstehenden, geschmückten Trage (dem Paso) verankert.
Ofrenda6.JPG
Auszug aus der Kirche
Die Teilnehmer der Prozession nahmen den bekannten Weg durch das Dorf wieder auf. Inzwischen war es dämmrig geworden und die Kerzen der Prozessionsteilnehmer leuchteten den Weg.
Ofrenda7.JPG
Die sonst mit Persianas blickdicht verhangenen Hauseingänge waren weit geöffnet und die dahinter liegenden Wohnräume präsentierten sich den Vorbeiziehenden aufgeräumt, blitzsauber geputzt und hell erleuchtet. Dorfbewohner, die nicht an dem Umzug teilnehmen wollten oder konnten, saßen mit ihren Stühlen und Sesseln in ihren Eingängen und konnten so das Spektakel verfolgen. Auf ein Zischen von hinten, das von einem zum anderen bis zur Spitze der Prozession weiter gegeben wurde, hielt der Zug ab und zu inne. Das war das Zeichen, dass die Träger mit dem schwankendem, schweren „Paso“, auf dem die Heiligenfigur stand, kaum noch nachkamen. Sie schwitzten an diesem heißen Sommerabend unter der schweren Bürde, die auf ihren Schultern lastete. Die Kapelle spielte inzwischen nicht mehr ganz so fröhliche Stücke. Zweimal zogen wir so durchs Dorf, dann wurde der Paso wieder zurück zur Kirche begleitet.
Ofrenda 3 Kirche.JPG
Nach dem Einzug der Madonna fand draußen ein kleines Feuerwerk statt und ein Frauenchor sang mehrstimmig und ergreifend einige alte Weisen. Ich sah niemanden singen und wunderte mich, wo wohl der Chor stehen möge, denn unsere Dorfkirche ist sehr überschaubar. Nachher wurde mir gesagt, dass nur fünf Frauen gesungen hätten. Zum Abschluss feuerte der Pastor die Gläubigen lautstark mit „Viva“-Rufen zu Ehren der Madonna und des Dorfes an, die von allen freudig wiederholt wurden. Unter dem Applaus der Kirchgänger für Sängerinnen und Pastor ging die Ofrenda de las Flores zu Ende, es war 21.30 Uhr, Zeit für das Abendessen, das immer pünktlich eingenommen wird. Doch wer die spanischen Fiestas kennt, weiß, dass der Abend danach noch lange nicht zu Ende ist. Die Band hatte schon im Vorfeld ihr ganzes Equipment mit Bühne, Verstärkeranlage, Boxen etc. auf der Plaza aufgebaut und machte die ersten Tonproben, die Fürchterliches ahnen ließen. >:) Um 0.30 Uhr ging es der Krach los, die Scheiben in den Fensterrahmen vibrierten und die Bässe reflektierten an den Magenwänden …. - so ging es wie immer munter weiter bis zum frühen Morgen. Vor 6 oder 7 Uhr kann keiner damit rechnen, eine Mütze Schlaf abzubekommen.
Ofrenda nachts.JPG


*) Ich habe mir sagen lassen, dass auch eine „Ofreda de las Flores“ auch eine Art „Romería“ ist, eine Wallfahrt. Das Wort kommt von „romero“, Pilger die nach Rom reisen. Diese Tradition gibt es in romanischen Ländern wie Italien, Frankreich und Spanien.

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Re: La Ofrenda de las Flores - Blumengabe

Beitrag von Montgo » Sa 31. Jul 2010, 20:09

Danke Oliva
Das hast du richtig gut beschrieben so dass ich als "Fremde" auch einen Bezug dazu finden kann. Normalerweise sind mir Fiestas immer suspekt,weil meist sehr laut wegen der Knallerei oder gar richtige Böller die bis ins Herz dröhnen nicht enden wollende Feuerwerke, was mir eigentlich egal ist ...aber die Hunde tun mir leid die das nicht ab können.

Gassenhauer Valencia :Kenne ich so wie du ,damals aus dem Radio ,meine Eltern hatten da auch ihren eigenen Text :d ...nur ich durfte natürlich den nicht singen :((
Grüssle von Montgo ... ein weibliches Wes

,,Man ist in den besten Jahren, wenn man die guten hinter sich hat."

(André Maurois,
Schriftssteller)






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Re: La Ofrenda de las Flores - Blumengabe

Beitrag von Florecilla » So 1. Aug 2010, 00:05

Ein sehr anschaulicher Bericht, Oliva. Fast so als wäre man zumindest ein bisschen dabei gewesen. Danke dafür.

Dass die Kinder zu festlichen Anlässen so aufgebrezelt werden, finde ich immer wieder niedlich. Ich mag zwar den heutigen "coolen" Stil, Kinder wie kleine Erwachsene zu kleiden, aber ein bisschen "Gala" zu besondern Anlässen ist doch auch mal schön.
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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