Gewalt in der Pflege

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Kiebitz
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Gewalt in der Pflege

Beitragvon Kiebitz » Di 25. Jul 2017, 18:16

Wenn ein Mensch gepflegt werden muss, gibt es sicherlich Spannungen.

Aber man ließt nicht viel darüber. Ich glaube, ein Thema über das nicht gerne geredet wird. Ich habe mich immer gefragt, wie machen das die Leute ohne die Nerven zu verlieren? Das als kurze Einleitung zu einem Artikel der mich sehr beeindruckt hat und einige Fragen beantwortet hat:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 85053.html

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Beitrag wenige bis Null Reaktionen hervorruft.
Diskutiere nie mit Idioten, sie holen dich auf ihr Niveau und schlagen dich dort mit Erfahrung...
Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber. Brecht.

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hundetraudl
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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon hundetraudl » Di 25. Jul 2017, 19:10

Ganz schön traurig.
Meine Nachbarin pflegt seit 5 Jahren ihre Mutter (94) und sie ist manchmal am verzweifeln. Die Mutter lässt keinen Pflegedienst an sich ran und verlangt dass die Tochter alles macht.
Die Mutter war immer schwierig und nun katastrophal.
Mir tut die Tochter leid und ich hoffe, dass das bald ein Ende hat, da nun auch noch Alzheimer dazu kommt.
Also unter diesen Umständen verstehe ich Aggressionen, obwohl ich sie allerdings nicht gut finde .
Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. (Ringelnatz)

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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon nicky2342 » Di 25. Jul 2017, 19:47

Ich denke es ist wichtig wenn man jemanden pflegt der so hoch aggressiv ist ist, das man einen Pflegedienst hat der immer Mal einspringt um selbst auch einmal Abstand von allem zu bekommen. Es geht irgendwann an die Substanz und die Belastung ist einfach zu hoch.

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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon brigittekoslowski » Di 25. Jul 2017, 19:54

Das ist leider ein schlimmer Thema selbst in den Altenheimen werden die Menschen teilweise körperlich misshandelt,wir hatten mehrere Angehörige in diesen Einrichtungen.Wenn du nicht selber sehr regelmässig da bist und kontrollierst kann es da Probleme geben.Wir hatten einen Neffen dem wurde Vom Personal regelmässig das Geld weg genommen und nah unserer Intervention gab es dann verbale drohungen.alles sehr unerfreulich.Brigitte

Miesepeter
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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon Miesepeter » Mi 26. Jul 2017, 09:30

Jeder Fall dürfte anders liegen und daher lassen sich kaum allgemeinen Regeln aufstellen. Hinzu kommt, dass z.B. die span. (meist grösseren) Familien sehr solidarisch sind. In einem mir bekannten Fall wechseln sich 5 Töchter wochenweise in der Pflege im Haus derer Mutter ab. In den Altersheimen enden eher die wenigen Alleinstehenden, die auch niemand besucht. Meine Überlegungen gehen dahin, wie selbst nicht zur Last anderer werden - auf jeden Fall ab wenn der Führerschein nicht erneuert wird. In einem span. Altersheim erklärte mir eine Frau verbittert, dass sich niemand mehr um sie kümmert seit sie ihr gesamtes Vermögen in der Familie "verteilt" hat. Ewig leben zu wollen hat nun mal mehr Nach- als Vorteile, und im Krankenhaus an allerhand lebenserhaltendende Machinen angeschlossen zu sein, ist nun wirklich kein "Leben" mehr. In der Schweiz gibt es diverse “Exit”-Vereinigungen, die sich mit dem würdevollen verlassen dieser Welt beschäftigen, aber nachdem der Tod – auch der eigene – eine traurige Angelegenheit ist, wagt sich niemand so richtig an das Thema heran. Zudem soll Suizidhilfe in Deutschland demnächst wieder unter Strafe gestellt werden. Dann kommt auch noch eine “Tabuisierung” des Themas hinzu, und irgendjemand entscheidet aus seinem Bauchgefühl heraus, was ich hier schreiben darf und was nicht. Wen das Thema interessiert kann mir gerne eine PN senden, dann gibt es Einzelheiten über was sich da mit wenig Aufwand und kostengünstig bewerkstelligen lässt. Muster für Abschiedsbriefe u.a. hier: https://www.briefmeisterin.de/beispiele/abschiedsbrief/
Von Optimismus zeugt u.a. auch ein positiver Alkoholtest.
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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon nurgis » Mi 26. Jul 2017, 20:32

Ich kann verstehen, wenn einem pflegenden Partner die Nerven einmal ausrasten. Bei professionellen Pflegern jedoch nicht bedenkenlos. Die wußten was auf sie zukommt und haben freiwillig diesen Beruf gewählt
Über 3 Jahre "durfte" ich da Erfahrung sammeln. Mein Mann durch einen Sturz völlig immobil. Selbst essen und trinken konnte er nicht mehr alleine und das letzte Jahr noch voll von der Parkinson-Demenz betroffen. Er war nicht mehr ansprechbar. Ich war 23 Std. alleine , nur 1 Std Hilfe am Tag. Da muß man sich oft sehr beherrschen, um nicht durchzudrehen. Ich würde niemanden empfehlen es in so einem Fall alleine zu stemmen. Am Anfang kann man nicht ermessen , was auf einen zukommt.
LG Nurgis
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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon Scandy » Mi 26. Jul 2017, 21:32

nurgis hat geschrieben: Am Anfang kann man nicht ermessen , was auf einen zukommt.


... und am Ende wundert man sich wie man das geschafft hat :)

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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon sonnenanbeter » Mi 26. Jul 2017, 22:04

Scandy hat geschrieben:
nurgis hat geschrieben:[...] ... und am Ende wundert man sich wie man das geschafft hat :)

Ich schliesse aus diesem Satz, dass du noch nie einen Fall von Demenz in deinem unmittelbaren, familiären Umfeld hattest. Ich gebe nurgis voll umfänglich Recht: Einen an Demenz erkrankten Menschen auf Dauer alleine zu pflegen ist völlig unmöglich.

Die Mutter meiner LG war an Demenz erkrankt, und wir haben 1 1/2 Jahre versucht sie zu betreuen bzw. zu pflegen, allerdings auch unter Mitwirkung eines mobilen Pflegedienstes, der 2 x am Tag für jeweils 1 Stunde vorbei kam. Nach diesen 1 1/2 Jahren haben wir entnervt aufgegeben und sie schweren Herzens in einem Pflegeheim unterbringen müssen.

Jetzt wird manch einer denken: "Aha, also abgeschoben". Und wer so denkt, dem möchte ich sagen: Mit abschieben hat das wirklich nichts zu tun. Spätestens in dem Moment wo man merkt evtl. selbst den Verstand zu verlieren, ist eine Unterbringung in einem Pflegeheim unumgänglich.

Gruss
Herbert
Lebensstandard ist der Versuch, sich heute das zu leisten, für was man auch in zehn Jahren kein Geld haben wird.

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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon hundetraudl » Mi 26. Jul 2017, 22:44

sonnenanbeter hat geschrieben:
Scandy hat geschrieben:
nurgis hat geschrieben:[...] ... und am Ende wundert man sich wie man das geschafft hat :)

Ich schliesse aus diesem Satz, dass du noch nie einen Fall von Demenz in deinem unmittelbaren, familiären Umfeld hattest. Ich gebe nurgis voll umfänglich Recht: Einen an Demenz erkrankten Menschen auf Dauer alleine zu pflegen ist völlig unmöglich.

Die Mutter meiner LG war an Demenz erkrankt, und wir haben 1 1/2 Jahre versucht sie zu betreuen bzw. zu pflegen, allerdings auch unter Mitwirkung eines mobilen Pflegedienstes, der 2 x am Tag für jeweils 1 Stunde vorbei kam. Nach diesen 1 1/2 Jahren haben wir entnervt aufgegeben und sie schweren Herzens in einem Pflegeheim unterbringen müssen.

Jetzt wird manch einer denken: "Aha, also abgeschoben". Und wer so denkt, dem möchte ich sagen: Mit abschieben hat das wirklich nichts zu tun. Spätestens in dem Moment wo man merkt evtl. selbst den Verstand zu verlieren, ist eine Unterbringung in einem Pflegeheim unumgänglich.

Gruss
Herbert


Ich glaube nicht, dass dies jemand denkt, denn das wäre sehr gedankenlos. Ich bekomme im Bekanntenkreis mit, wie schwer es ist, so jemanden zu pflegen. Wenn es vorbei war, waren die pflegenden Personen jahrelang fertig und selbst krank. So etwas kann man nicht alleine durchziehen.
Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. (Ringelnatz)

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Re: Gewalt in der Pflege

Beitragvon henrietta » Do 27. Jul 2017, 11:13

Ich arbeite in der Pflege und weiß daher wie schwer der Umgang mit Demenziell Erkrankten sein kann, aber auch wie entspannt.
Für mich sind diese "schwarzen Schafe", also Pflegekräfte die gewalttätig sind, einfach nur krank. Wir sind ausgebildet worden, dass wir uns um unsere Schutzbefohlenen kümmern. Ohne diese Menschen verteidigen zu wollen, muss ich aber zu bedenken geben, dass auch viele durch den Stress, die chronische Unterbesetzung und das Leid irgendwann so abstumpfen. Trotzdem ist das nicht zu entschuldigen, ich möchte nur anmerken, dass es genug pflegende Menschen gibt, die sich den Arsch aufreissen für das Wohl der Bewohner / Patienten / Klienten.

LG


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