III. ZWEIFEL an dem Erfolg der Behandlung

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hokusai
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Re: Injektionen

Beitragvon hokusai » Do 19. Apr 2012, 22:21

Hola,
ich lese erst jetzt diese Beiträge.
Aber nun werde ich mal Stellung dazu nehmen, denn das Thema ist aktueller denn je:

Polykrates hat geschrieben:Hallo Günter, ich denke, Du überreagierst gewaltig. Ich habe Verständnis dafür, wenn einem die rote Bestie unmittelbar im Nacken sitzt. Aus dem Abstand eines noch Unbetroffenen, der sich nach einer vernünftigen Präventionsstrategie umsieht,
... Eben. Diese Palme IST befallen, und da KANN man überhaupt nicht überreagieren, sondern nur das Richtige tun.

Polykrates hat geschrieben:Das zusätzliche Sprühen von aussen oder Begiessen des Palmherzens halte ich für unnötig, da das Gift durch die Faserleitungen bis in die Spitzen der Blätter steigt. Die Injektion bietet ja gerade den Vorteil, die Umgebung nicht mit dem Gift zu belasten.

Das darfst Du gern. Aber auch bei einer befallenen Palme ist es zusätzlich zur Prävention nötig. Die Injektionen sollen zum Palmenherz vordringen, in dem die Larven bevorzugt fressen. Die Behandlung des Stammes, der Krone und des sie unmittelbar umgebenden Bodens (1,5 m im Durchmesser) dient dazu, alle Bereiche der Palme zu behandeln, in die die anfliegenden Käfer ihre Eier ablegen: a) für die Käfer selbst und b) für ihre ausschlüpfenden Larven.

Dazu muss man wissen, wie der Rüsselkäfer vorgeht: Er fliegt bevorzugt Schnittstellen und die Schäfte der Wedel an, aber auch den Stamm und den Wurzelbereich, frisst mit seinem langen Rüssel einen Gang in das mürbe Holz, legt dort sein Ei und verstopft den Gang mit dem Pflanzenbrei. Die ausschlüpfende minikleine Larve beginnt sofort zu fressen und zu wachsen und arbeitet sich währenddessen durch die Palme bis zum Palmherz vor. Wenn sie dieses erreicht hat - und erst dann (hierzu wiederum erinnert Euch: Ein einziges Käferweibchen kann bis zu 200 Eier legen!) verursachen die fressenden Larven (die inzwischen bis zu stattliche 3 cm lang sind) Schäden bei der Blattentstehung, die man der Palme von Außen ansehen kann, oder - wenn die Larven erst dann das Herz erreichen, knicken die neuen Wedel als erstes ab - und dieser Prozess setzt sich (da die Palme ohne die grünen Wedel keine Photosynthese mehr machen kann, also keinen Energiestoffwechsel mehr hat) bis zum Tod der Palme fort. Hier gibt es also einen Point of no-return, der nach dem Auftreten der ersten Anzeichen innerhalb weniger Wochen erreicht ist.

Polykrates hat geschrieben:Das Palmzentrum Elche hat dazu einen Versuch mit dem Gift Tiametoxam 25% (Actara 25 WG) gemacht (veröffentlicht in der Zeitschrift Phytoma 2/2011) mit hervorragenden Ergebnissen, so dass diese Methode sich wirklich gut zur Prophylaxe eignet.


Statt eines Giftstoffes wird eine andere gefährliche Substanz (Thiamethoxam) in einer 25%igen Konzentration eingesetzt. Besser? Überreagiert? Elche hat bislang ca. 2.000 Palmen an den Picudo verloren. Bei den ca. 200.000 Palmen, die dort stehen, ist allerdings sowohl Prophylaxe als auch Behandlung eine Sisyphusarbeit... Übrigens wird Actara 25 WG wie auch viele andere dieser Gifte standardmäßig im landwirtschaftlichen Pflanzen"schutz" eingesetzt und gelangt, sofern man nicht ausschließlich bio-Produkte isst, über die Nahrung in unseren Körper.
flyinair hat geschrieben:Hallo Günter
Deine Vorgehensweise hört sich radikal an und ist bestimmt wirkungsvoll.
Aber da darf man keine eigenen Tiere wie Katzen oder Hunde haben, die können sich da massiv vergiften.
Wie viele andere Tiere dadurch verenden, wird man wohl nicht mitbekommen, ich denke da an Vögel ,fremde Katzen usw.
Dieser Preis wäre mir zu hoch.
Das kann ich verstehen - wir haben keine Haustiere, aber mehr als 10 Palmen und über 30 Agaven, und sie werden mit der empfohlenen Dosis behandelt, die außer beim direkten Kontakt weder für Mensch noch Tier massiv giftig ist. Die Konzentration ist 0,2% (Clarnet) bzw. 0,075% (Imidachloprid). Nicht, dass es umweltverträglich wäre - das behauptet niemand. Aber eine Katze oder ein Hund, der über den besprühten Boden liefe, würde sich nicht vergiften, geschweige denn sterben.

Glaube bitte nicht, dass wir das gern machen, schließlich kommt sonst absolut kein Gift in den Garten - weder Unkraut-Ex auf den Kieswegen (das jäte ich alles von Hand) noch sonst etwas. Andere Pflanzenschädlinge werden abgesammelt bzw. die befallenen Pflanzen mit leichter Seifenlösung und Wasser besprüht, z.B. letztes Frühjahr bei unseren stark vom Lilienhähnchen. befallenen Lilien. Leider müssen wir aber (und das hat Günter in seiner unnachahmlichen Art :> etwas sehr drastisch ausgedrückt) den Winter über in den sauren (Gift-)Apfel beißen, um unseren Palmen- und Agavenbestand zu schützen.

Seit Ende März haben wir nun wieder alle Palmen und Agaven (außer unserem Sorgenkind) - nicht mit Gift, sondern mit dem Basseriana (Naturalis-L) in der empfohlenen Dosis (2%) behandelt.


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