Die Mauren an der Costa Blanca

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Re: Die Mauren an der Costa Blanca

Beitrag von Citronella » Di 3. Apr 2012, 18:59

Das Maurendorf La Roca, besser gesagt die Ruinen, kann man noch heute besichtigen. Es liegt ziemlich versteckt im Vall de Alcalá
.
P1020123.JPG
Auf einer Tafel gibt es Erklärungen auf spanisch und valenciano
.
P1020130.JPG
P1020124.JPG
P1020125.JPG
Saludos
Citronella

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Re: Die Mauren an der Costa Blanca

Beitrag von rainer » Di 3. Apr 2012, 21:02

Ich fahre fast täglich teilweise an einem Kanal entlang, von dem es heißt, dass er noch aus der Maurenzeit stammt. Er führt von der CV905 (Torrevieja-Crevillente) Richtung Meer, mal neben Asphaltstraßen, mal neben Feldwegen. Die sind mal höher, mal mehrere Meter niedriger als der Kanal, und ich habe mich schon oft gefragt, welche Technik die vor mehr als tausend Jahren schon beherrscht haben müssen, um über viele Kilometer zentimetergenau die absolute Waagerechte zu halten. Foto könnte ich liefern, das ganze sieht aber keineswegs sensationell aus, faszinierend ist eher, was dahintersteckt.

@Oliva: Übrigens habe ich deinen damaligen Bericht erst heute dadurch entdeckt, daß dieser Thread durch neue Beiträge mal wieder nach vorn geholt wurde. Bewundernswert, welche Arbeit du dir damals gemacht hattest. Und hochinteressant. Ich habe mich immer schon sehr für Geschichte interessiert. Schön, wenn einem die Information über das wesentliche dann so einfach gemacht wird. Was da wohl noch alles an Schätzen im Forum schlummert, die ich noch nicht kenne. :)
Gruß
rainer

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Re: Die Mauren an der Costa Blanca

Beitrag von sol » Mi 4. Apr 2012, 07:04

@ Citronella

aus meinen Berichten hast du ja bestimmt gelesen, daß wir oft von Denia aus in dieses für uns
wunderschöne Fleckchen Erde fahren. Ergriffen von den so altertümlich wirkenden Ortschaften
dazu die Terrassen-Anlagen usw.( einige Bilder von mir habe ich ja reingestellt irgendwo)

nun dazu die Frage : kann man von la Vall de Ebo direkt nach la Vall d'Alcalalà fahren---
da ist auf meiner Karte nur gestrichelt gezeichnet ( sind aber auch schon diese gefahren und
waren asfaltiert )-- oder muß man da von Margarida aus hin oder kann man auch von Tollos
über Beniaya hin gelangen ?????

im Voraus vielen Dank

@ Rainer-- die Waagerechte halten-- könnte mir vorstellen mit der Schlauchwaage--
diese hat auch mein Poolbauer aus Rojales benutzt, bei meinem Poolbau in Quesada.
Gruss Wolfgang

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Re: Die Mauren an der Costa Blanca

Beitrag von Citronella » Mi 4. Apr 2012, 16:32

Hallo sol,

wir sind von Margarida aus die CV 712 Richtung Vall de Ebo gefahren und kurz vor dem Abzweig nach Beniaia/Tollos geht ein kleiner asfaltierter Weg links weg (kleines Schild an der Strasse - Gracia de la Rosa). Ein 2. Maurendorf ist kurz nach Alcalá de la Jovada gleich neben der CV 712 Richtung Vall de Ebo auch links weg, ebenfalls kleiner Hinweisschild an der Strasse. Ich hoffe du kannst mit der Beschreibung etwas anfangen :roll:
Wir lassen uns auch gerne treiben, fahren auch mal eine Schotterpiste ohne zu wissen wo die endet.

*Die Strasse von Vall de Ebo nach Alcalá de la Jovada ist gut ausgebaut und asfaltiert. Nicht wundern dass die Berge etwas kahl sind, dort hat es vor 1-2 Jahren fürchterlich gebrannt.

Viel Spass beim Entdecken
Citronella

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Re: Die Mauren an der Costa Blanca

Beitrag von Oliva B. » Mi 4. Apr 2012, 17:08

Über weitere maurischen Wohnsiedlungen in der Sierra de Alfaro mit Namen „Salt“ und "l'Atzuvieta" erfahrt ihr diesem Reisebericht.
Auch da musste ich leider wieder ein paar vom Hackerangriff "zerschossene" Bilder löschen und neu einstellen, das ist jedes Mal eine Heidenarbeit, aber doch zu schade, wenn eine Fotoreportage darunter leidet.

@ Citronella
der große Brand war im Juli 2009, steht auch in dem Bericht.

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Re: Die Mauren an der Costa Blanca

Beitrag von sol » Mi 4. Apr 2012, 18:16

@ Citronella--

DANKE---- in der Gegend waren wir ja vorige Woche noch- kennen uns da recht gut aus und haben auch
eine recht gute Karte 1:150000- gibt es leider nicht mehr neu.Als wir mal in Alcalali eine Urlaubswhg.
gemietet hatten - über Pereto- hatten wir die ganze Gegend abgefahren-jedenWeg und Steg. TOLL--
Gruss Wolfgang

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Re: Die Mauren an der Costa Blanca

Beitrag von rainer » Mi 4. Apr 2012, 19:02

sol hat geschrieben: @ Rainer-- die Waagerechte halten-- könnte mir vorstellen mit der Schlauchwaage--
diese hat auch mein Poolbauer aus Rojales benutzt, bei meinem Poolbau in Quesada.
Das müsste dann aber ja eine kilometerlange Schlauchwaage gewesen sein! ? Denn in aneinandergereihten Messabschnitten von wenigen Metern wären doch bestimmt Toleranzen reingekommen. Das Vulkanisieren war doch noch nicht erfunden, oder? Ich muß mich wohl doch mal näher auch für die technischen Seiten der Geschichte interessieren. :-?
Gruß
rainer

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Re: Maurische Spuren im Norden der Provinz Alicante

Beitrag von Oliva B. » Do 21. Jun 2012, 19:22

In unseren Ortsbeschreibungen fiel öfter schon mal das Wort "alquería". Doch woher kommt dieses Wort und in welchem Zusammenhang wird es gebraucht?


Die "alquería" (oder "alqaríyya") war die kleinste administrative Einheit im Verwaltungsaufbau des muslimischen Territoriums al-Andalus. Abgeleitet wurde das Wort von dem arabischen "qaryah", das man für alle Dörfer und Weiler verwendete, die weder eine militärische noch administrative Funktion hatten.

Eine alquería bestand aus einer kleinen Häuseransammlung, in der einige Dutzend Bauern mit ihren Familien wohnten und ihr eigenes Land bewirtschafteten.
Die überwiegende Mehrheit dieser Orte sowie der Namen ihrer Einwohner begann mit Beni ( „Söhne von...“), ein Bestandteil arabischer Stammesnamen, der jedoch nicht nur im Land Valencia gebräuchlich war, und sich vielerorts bis heute erhalten hat.
Alquería (2).JPG
Die Alquerías konzentrierten sich um eine Stadt oder eine Burg, deren Distrikt meist durch landschaftliche Gegebenheiten bestimmt wurde (z.B. Täler).

Anmerkung:
  • Wenn von "arabischen Burgen" in unserer Provinz *) gesprochen wird, darf man sie nicht etwa mit den pompösen maurischen Festungen und deren eindrucksvollen Mauern und Türmen vergleichen, die nach der Rückeroberung für die christlichen Eroberern, ihre Truppen und Dienern renoviert und erweitert wurden.


    Die einfachen arabischen Burgen unserer Provinz hatten reinen Verteidigungscharakter. Das Gelände, auf dem sie standen, umfasste zwischen drei- und sechstausend Quadratmeter, war mit einem Schutzwall umgeben, um bei Gefahr die gesamte Bevölkerung der umliegenden alquerías einschließlich ihrer Tiere und der gesamten Habe aufzunehmen. Diese Zufluchtstätte wurde "albacar" genannt, von dem arabischen Wort "al-baqar" (der Ochse). Albacar ist ein Pferch innerhalb einer Burganlage, manchmal auch an dessen Außenseite.


Diese Einheit von Burg und Alquerías wurden "aljama” genannt, abgeleitet von dem arabischen “ǧamā‘ah”, worunter man eine Gruppe oder Zusammenkunft von muslimischen Männern oder auch eine Moschee versteht.

Diese Aljamas wiederum wurden zu Landkreisen zusammengefasst, die zu einer Stadt oder einem administrativen Zentrum gehörten, praktisch einer Kreisstadt. Diese Kreisstadt (amal) **) hatte ein Verwaltungs- und ein Militärgericht für die Alquerías und Burgen ihres Einzugsgebietes. Dénia war z.B. so eine Kreisstadt. Darüber stand nur noch die Hauptstadt.

In der heutigen Region Valencia gab nur vier Städte, welche die Bezeichnung "Metropole" verdienten, da sie Hauptstädte unabhängiger Königreiche waren: Valencia, Xativa, Denia und Murcia.

Das Königreich (Taifa von Denia) zum Beispiel umfasste mehrere Landkreise oder "amals", wie Bairén (Burg und Dorf in der Nähe von Gandía), Cocentaina und einen dritten, der Batruxa oder Pedrosa hieß, den man bislang jedoch noch nicht genau lokalisieren konnte.

*) 1258 fürchtete Jaime I. erneut muslimische Aufstände unter ihrem Anführer Al-Azraq und erreichte, dass alle Burgen, die zu dessen Herrschaftsgebiet gehörten, der Krone unterworfen wurden.
**) Für den Begriff "amal" habe ich leider keine entsprechende Definition gefunden.

Quellen:
Eine Zusammenstellung verschiedener Publikationen von Frederic Jordano Crespo aus Beniarrés (El Condado),
eigene Recherchen und
für die Herkunft der Bezeichnungen arabischen Ursprungs: DICCIONARIO DE LA LENGUA ESPAÑOLA.

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Re: Maurische Spuren im Norden der Provinz Alicante

Beitrag von sol » Do 21. Jun 2012, 19:53

Vielen Dank für diese wirklich für mich aufschlussreichen Informationen-
setze mich auch viel mit solchen Dingen auseinander und lese nach.

>>>>>> das Ganze grenzt ja schon an eine Doktorarbeit <<<<<<<<<
Gruss Wolfgang

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Re: Maurische Spuren im Norden der Provinz Alicante

Beitrag von maxheadroom » Do 21. Jun 2012, 21:39

Hola Oliva y todos
kann mich sol nur anschliessen
sol hat geschrieben:Vielen Dank für diese wirklich für mich aufschlussreichen Informationen-
setze mich auch viel mit solchen Dingen auseinander und lese nach.

>>>>>> das Ganze grenzt ja schon an eine Doktorarbeit <<<<<<<<<
wirklich wahr aber dann suma cum laude oder primus inter pares >:d<
Danke für die viele Mühe,
Saludos
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