Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

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pichichi
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Re: El Escorial und das Franco-Monument in San Lorenzo b. Ma

Beitrag von pichichi » So 31. Aug 2014, 22:14

Solange es die Absurdität gibt, dass die erwähnten größenwahnsinnigen Diktatoren in einem Mahnmal für Gefallene bestattet sind erlaube ich mir es als Ganzes zu ignorieren.

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Montemar
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Re: El Escorial und das Franco-Monument in San Lorenzo b. Ma

Beitrag von Montemar » Mo 1. Sep 2014, 09:00

Aber man sollte sich schon vorher Gedanken machen, wohin man fährt, welche Geschichte der Ort erzählt und nicht wie viele Ausflügler die ins „Tal der Gefallenen“ kommen, die wunderbare Aussicht und im heißen Sommer die angenehmere Kühle genießen und dabei ihren kleinen Hunger stillen, denn die meisten Touristen wissen nur so ungefähr - wenn überhaupt - was das Valle de los Caídos zu bedeuten hat, denn nähere Aufklärung erhalten sie dort nirgendwo. Denn es steht nichts geschrieben, fehlt jeglicher Hinweis auf das Zustandekommen des „Denkmals“ und auch die Internetseite des Benediktinerordens, der in der Basilika Sonntags die Messe feiert und Francos Grabplatte mit frischen Blumen versorgt, spricht nicht mehr von dem Geist, aus dem das Bauwerk zwischen 1940 und 1959 errichtet wurde…

So wie im Valle de los Caídos geht Spanien fast überall mit der Franco-Vergangenheit um. Sie wird verdrängt, vergessen und schöngeredet. Aber es bleibt zu hoffen, daß durch die Organisation in Spanien, die dafür sorgen will, daß die anonym verscharrten Opfer eine ehrenvolle Ruhestätte finden, auch über diese Ungeheuerlichkeit der Restaurierung der perversen Gedenkstätte Francos und seiner Helfershelfer diskutiert wird…
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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Atze » Mo 1. Sep 2014, 10:33

Ich denke aber auch, dass Spanien ein schwierigeres Erbe hat als D.
Wir konnten leichter unsere Vergangenheit bewältigen: Es waren ja immer die Anderen, man selbst "musste" ja mitlaufen.
Aber Spanien war zerrissen, ein Riss der oft mitten durch die Familien ging.
Dazu empfehle ich den großartigen - aber etwas weitschweifigen - Roman von Almudena Grandes: Das gefrorene Herz

http://www.deutschlandradiokultur.de/im ... _id=137758
(Es steht wieder auf meinem Nachttisch, um es nochmals zu lesen)
Allerdings ist das Buch - begreiflich nach den lähmenden Jahren der Franco-Diktatur - zum Ausgleich etwas "linkslastig". Die Linken sind immer die Guten...

Auf beiden Seiten wurden unvorstellbare Grausamkeiten begangen. Die Schändung lebender (und toter) Nonnen, die Ermordung der Priester auf der einen Seite und die zahlenmäßig größeren Hinrichtungen von "linken" Gruppen auf der Anderen.

Auch war das Verhältnis Staat / Kirche in Spanien schon immer anders als in D, eine Entwicklung die dann unter Franco in einen ausgeprägten Klerikalfaschismus führte.
Dieser wiederum ist eine Erklärung, dass Spanien zwar katholisch aber weniger "kirchlich" ist, als z.B. Italien.
LG Atze

Wenn dereinst die letzte Bohrinsel abgebaut und die letzte Tankstelle geschlossen ist,
werdet ihr feststellen, dass man bei Greenpeace nachts kein Bier kaufen kann.
(Prophezeiung der Cree-Indianer)

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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Montemar » Mo 1. Sep 2014, 14:05

Na dann möchte ich bei der Gelegenheit doch auch noch auf eine Buchempfehlung hinweisen, die allerdings nicht die breite Masse anspricht von Georg Pichler: Spaniens verdrängte Erinnerung– „Gegenwart der Vergangenheit“ - Die Kontroverse um Bürgerkrieg und Diktatur in Spanien.

"Die Krux mit der Vergangenheit ist, dass sie zwar vergangen ist und doch nicht vergehen will. Auf der einen Seite wirkt sie in die Gegenwart herein, auf der anderen ist sie von dieser Gegenwart durchsetzt, von der aus die vergangenen Geschehnisse immer wieder neu gedeutet werden. Um die heutige Sicht auf den Spanischen Bürgerkrieg geht es in diesem Buch.

Ausgangspunkt für seine Erkundungen sind Zahlen. Wie viele Menschen wurden im Bürgerkrieg und danach getötet? Auf republikanischer Seite: 130.000. Ein Großteil der Leichen verschwand.

Schätzungen zufolge liegen bis heute rund 113.000 in ihren provisorischen Grabstätten, stören immer noch den Frieden der spanischen Landschaft. Auf franquistischer Seite wurden 49.272 Personen getötet. Die meisten dieser Opfer wurden von den Gewinnern des Kriegs exhumiert, geehrt und in Würden bestattet."


http://www.deutschlandradiokultur.de/sp ... _id=242082

http://www.amazon.de/Gegenwart-Vergange ... 3858694762
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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Oliva B. » Mo 1. Sep 2014, 15:28

Auch wenn man vor der "unbequemen Wahrheit" gern die Augen verschließt, möchte ich einige Daten über "Spaniens größtes ideologisches Schandmal" (Andreas Drouve über das Valle del los Caídos) ergänzend hinzufügen:

2005 haben Verbände der Opfer des Franquismus vorgeschlagen, das größte Massengrab Spaniens in ein Dokumentationszentrum der franquistischen Diktatur umzuwandeln.

2007 hat Spaniens Linksregierung unter Ministerpräsident José Luis Zapatero beschlossen, die Stätte zum Gedenkzentrum umzuwidmen und die Stätte zu entpolitisieren. Mit dem "Gesetz der historischen Erinnerung" begann 2007 die Aufarbeitung der Geschichte in Spanien. Viele Symbole des Franco-Regimes wurden aus dem öffentlichen Leben entfernt, wie dieses Reiterdenkmal Francos in Valencia.
Auch wir berichteten an dieser Stelle.

Oktober 2011 Die konservative Regierung Rajoy eine Umbettung das riesige Mausoleum des spanischen Ex-Diktators Franco ablehnt.

Im August 2012
wurde bekannt, dass die Gedenkstätte für Bürgerkriegsopfer restaurieren werden sll. Quelle

Spiegel-Fotostrecke

1.4.2014 - 75 Jahre nach dem Bürgerkrieg wurden die Mittel für Historiker und Bürgerinitiativen, die sich der Aufklärung von Verbrechen der Bürgerkriegs- und Franco-Zeit verschrieben haben, nahezu vollständig gestrichen.

Die Forderungen der Franco-Gegner, den "Caudillo" und Falange-Gründer de Rivera aus dem Mausoleum zu verbannen, blieben bis heute unerfüllt.

Auch der von uns oft und gerne zitierte Reisejournalist Andreas Drouve berichtet in einem Wochenbericht über seinen "Besuch beim toten Diktator". Wer das Buch "Selbstversuch Spanien" (Artikel S. 134-137) von Drouve nicht besitzt, kann seine Eindrücke über das "Schandmal", ein Ausdruck der mir in dem Zusammenhang sehr gut gefällt, hier nachlesen.

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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Oliva B. » Do 11. Mai 2017, 20:02

"Das spanische Parlament hat sich dafür ausgesprochen, die Überreste des Diktators Franco aus dessen Mausoleum [im Valle de los Caídos] zu entfernen."
Weiter lesen.

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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Miesepeter » So 14. Mai 2017, 21:56

Wesentlich "frankistischer" als das Valle ist das sogen. "Siegestor" (Arco de Triunfo) in Madrid, der den Sieg der "Nationalen Armee" über die "Roten Horden" feiert, und dessen Inschriften gesetzeswirdrig sind. Immerhin erscheint das Prachtstück in den Touristenführern weiterhin als "sehenswert".
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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Oliva B. » Mo 15. Mai 2017, 20:17

Miesepeter hat geschrieben:Wesentlich "frankistischer" als das Valle ist das sogen. "Siegestor" (Arco de Triunfo) in Madrid, der den Sieg der "Nationalen Armee" über die "Roten Horden" feiert, und dessen Inschriften gesetzeswirdrig sind. Immerhin erscheint das Prachtstück in den Touristenführern weiterhin als "sehenswert".
Ich danke dir für den Hinweis, auch wenn es hier um das Franco-Monument in San Lorenzo geht. ;;)

In einer Meldung von 2015 kann man lesen:

  • "In Madrid wird auch die Schleifung des riesigen Triumphbogens gefordert, den Franco nach dem Sieg im Bürgerkrieg errichten ließ, er steht an der Ausfallstraße zum Tal der Gefallenen."


Man tut sich offensichtlich noch sehr schwer mit der Bewältigung der Vergangenheit...

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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Miesepeter » Mo 15. Mai 2017, 22:08

Das eigentliche Problem liegt darin, als das die Vergangenheit viel zu lebendig ist und auch bleibt. Es geht dabei weniger um um die Opfer der Kampfhandlungen als um die während der sogen. "Repressionen" ermordeten unbeteiligter Zivilisten aufgrund ihrer tatsähchlichen oder auch nur unterstellten Symphatie zugunsten der einen oder anderen "Seite". Heute sieht man gerne über die Greueltaten der "Roten" hinweg und fokussiert alles auf den "Caudillo". In der Familie meiner Frau wurde ein Onkel von den "Roten" und ein anderer von den "Nationalen" ohne irgendwelche Verfahren o.ä. von Rollkommandos erschossen, wohlgesagt nicht bei kriegerischen Kampfhandlungen. Wie soll sowas "bewältigt" werden? Wo ist hier Recht oder Unrecht? Kadaver verlegen und Bauten schleifen - was soll der Unsinn! Spaniens Nationalhymne hat keinen Text und kann deshalb nicht gesungen werden, d.h. jeder denkt sich dabei seinen (eignen) Teil. Wie wäre es mit "Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, las uns dir zum Guten diesen, Spanien einig Vaterland". Denkste, so einig ist es nämlich gar nicht, die Katalanen machen den Anfang - im Ernst. Die möglichen Folgen sind in jedem Fall katastrophal - sowohl wie auch.
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Re: Das Franco-Monument in San Lorenzo (Valle de los Caídos)

Beitrag von Miesepeter » So 26. Aug 2018, 11:26

Nachtrag: Der Mummenschanz geht weiter und wird bestimmt noch lange von sich Reden machen. Nun wollte der neue Regierungschef nach ersten Misserfolgen die Angelegenheit mit einem Gesetzesdekret erledigen, was sich aber ebenfalls als ein Schlag ins (trübe) Wasser erweisen kann, denn die Gegner (Familie, Grabwächter und die "Francisco-Franco-Stiftung") haben Kampfbereitschaft signalisiert. Damit entwickelt sich die ganze schon bisher sehr komplizierte Sache noch mehr, denn die Regierung kann über den Kadaver gar nicht verfügen. Weiterhin befindet sich das Grab ausserhalb des staatlich verwalteten Teils der Gedenkstätte. Zudem ist jeder Zugriff auf die Überreste ohne Einwilligung der Nachfahren ganz und gar unmöglich. Es könnte Strafverfahren wegen Rechtsbeugung gegen jedes einzelne Regierungsmitglied und auch Verfassungsklagen anhängig gemacht werden, mit den entsprechenden Blamagen wenn es zu einer Verurteilung kommt. Die Popularität des Reg.-Pres. Sanchez (der durch Wahlen nie dn Posten erreicht hätte) wird immer angeschlagener und es mehren sich die Stimmen, die Toten (nach mehr als 40 jahren) endlich ruhen zu lassen. Aber wie es soschön heisst: Totgesagte leben länger, so auch hier.
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