Bockkäfer: Iberodorcadion (Schädling im Garten)

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Re: Unbekannter Käfer

Beitragvon balina » Di 14. Nov 2017, 01:11

Wenn dein Käfer doch Antennen besitzt, kann es sich auch um einen Bockkäfer handeln.

Ich bin bei meiner Suche immer wieder auf den Weberbock gestoßen. Der trägt seine Antennen aber nach oben-vorn gerichtet. Auf deinem Foto sieht es aus, als wären die Fühler nach hinten gerichtet.

Nun werde ich meine Suche für 4 Tage unterbrechen. Dann bin ich wieder in Reichweite meines Computers. Vielleicht habt ihr das Rätsel inzwischen gelöst. Bin schon ganz gespannt.
_____________
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balina

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Oliva B.
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Re: Unbekannter Käfer

Beitragvon Oliva B. » Di 14. Nov 2017, 09:17

ICH HAB IHN!

Nachdem ich mir gestern Abend noch massenweise Schnell- und Prachtkäfer angesehen hatte, danach wegen der ausgezeichneten Darstellungen noch die sehr umfangreiche Artenliste der Käfer der Welt, hatte ich Kreise vor den Augen und habe mein Laptop zugeklappt. :-P

Als ich heute Morgen sah, dass Balina schon auf die Ergebnisse gespannt ist, die wir ihr in vier Tagen präsentieren, packte mich aufs Neue der Ehrgeiz und ich habe ihren Tipp mit dem Bockkäfer aufgegriffen, aber gleich gezielt bei google.es nach iberischen Bockkäfern "Cerambycidae ibéricos" gesucht und bin schnell über die Deckflügel fündig geworden. Es ist ein Erdbock mit dem wissenschaftlichen Namen: Dorcadion mus var. ronde, Iberodorcadion (Baeticodorcadion) suturale oder Hispano Dorcadion, die auffälligen Deckflügel erkennt man sehr schön hier in Fig. 12.

Die Art Iberodorcadion suturale (Chevrolat, 1862, wohl ein veralteter Name), kommt endemisch in den östlichen spanischen Küstengebieten (Provinzen Barcelona, Tarragona, Castellón, Valencia, Alicante und Murcia) vor, gelegentlich auch im Ebrotal und in den Inlandprovinzen Teruel, Zaragoza und Albacete.

Es gibt sogar eine Studie von Rafael Soler Román über den Käfer, die in der verkehrsberuhigten Zone des Flughafens Prat in LLobregat in den Jahren 2008/2009 durchgeführt wurde, Zusammenfassung:

    "Das Gebiet gehört zum Llobregat Delta, das früher aus Lagunen und saisonalen Überschwemmungsgebieten bestand. Auch heute noch gibt es dort Kanäle, Zonen saisonaler Überschwemmungen und ein flaches Gelände mit spärlicher Vegetation mit kleinen Sträuchern und Rasenflächen.
    Fündig wurde der Autor in einem Gebiet mit sehr trockenem Boden und niedriger, aber dichter Vegetation. Im Juli/August fand er noch etliche Exemplare, die letzten Exemplare in der zweiten Septemberwoche, wo er schon ihre mangelnde Flugtauglichkeit feststellen konnte. Sie sind sehr kriegerisch, wenn sie auf Gegner der eigenen Art stoßen, was teilweise zu dramatischen Verletzungen führt (wie den Verlust von Beinen und Antennen). Diese Kämpfe scheinen sich auf die Männchen zu beschränken, die ihre Konkurrenten bei der Brautschau bekämpfen.
    Die Männchen sind häufig klein und schlank, im Gegensatz zu den eher kugelförmigen Weibchen.
    Die Käfer sind tagaktiv.
    Etwas kleiner Exemplare fand man in Torreblanca in einem Olivenhaingebiet, wo das Land nicht gepflügt war und eine mediterrane Vegetation mit Fenchel, Disteln usw. im Überfluss vorhanden war.
    In Katalonien gilt diese Art als vom Aussterben bedroht."
Quelle

Auf dieser Website wird noch ein beeindruckend deutliches und großes Foto gezeigt (so scharf hätte ich es nie hinbekommen) und noch einmal darauf hingewiesen, dass der Käfer typisch für die Levante ist - und auf hier werden noch einmal ganz unterschiedliche Einzelaufnahmen gezeigt.

Heute Abend werde ich der Frage nachgehen, ob es sich um einen Schädling handelt, denn darüber fand ich bisher nichts.

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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion

Beitragvon nixwielos » Di 14. Nov 2017, 09:32

Bravo Elke, tatsächlich hab ich auch schon heimlich mitgefiebert :oops:

Danke für die ausführliche Beschreibung, da schein Dein zuerst gezeigtes Exemplar ein echter Kämpfer gewesen zu sein, wenn er gleich beide Antennen eingebüßt hatte :d
Viele Grüße von Nicole und Stefan!
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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion

Beitragvon nurgis » Di 14. Nov 2017, 18:38

=D> =D> =D>
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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion

Beitragvon Albertine » Di 14. Nov 2017, 18:50

SUPER Elke. Jetzt bin ich gespannt auf seine Tauglichkeit > Gut oder Böse für lebende Hölzer :>
Saludos Albertine

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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion

Beitragvon Oliva B. » Sa 18. Nov 2017, 18:33

Albertine hat geschrieben:SUPER Elke. Jetzt bin ich gespannt auf seine Tauglichkeit > Gut oder Böse für lebende Hölzer :>
Saludos Albertine


Böse, sag ich da nur, sehr böse! :evil: Aber nicht für Hölzer!

Nachträglich betrachtet war es ein reiner Zufall, den Käfer unter den 26.000 Bockkäfer-Arten (davon ca. 2.000 in Europa) ausfindig gemacht zu haben, denn selbst davon gibt es noch mehrere Tausend Unterarten. Das lässt sich schon an der Systematik erkennen:

    Klasse: Insekten (Insecta)
    Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
    Ordnung: Käfer (Coleoptera)
    Unterordnung: Polyphaga
    Teilordnung: Cucujiformia
    Überfamilie: Chrysomeloidea
    Familie: Cerambycidae, Trivialname "Bockkäfer", von dem es weltweit 26.000 Arten *) gibt
    Unterfamilie: Lamiinae
    Gattung: Dorcadionini (Erdböcke)
    *) Art: Iberodorcadion
    Unterart: Iberodorcadion BREUNING, 1943
    von der es -je nach Quelle- wiederum zwischen 44 und 76 verschiedene Spezies gibt, wie z. B. der gezeigte Käfer: Iberodorcadion suturale (Chevrolat, 1862) , im folgenden Text kurz "meiner" :lol: genannt

Und nun für alle, die sich mit mir auf die Suche nach dem unbekannten Käfer begeben haben, die Auflösung , was es mit ihm auf sich hat...
Das Ergebnis ist nicht lustig! :-(

Ich habe lange suchen müssen, um weitere Informationen zu erhalten. In deutschsprachigen Arbeiten wurde ich nicht fündig, da es sich um einen endemisch vorkommenden Käfer handelt, der nur an der spanischen Levanteküste (zwischen Barcelona und Murcia) vorkommt.

Doch dann fand ich zwei wissenschaftlichen Beschreibungen in spanischer Sprache, die sich ausführlich mit "meinem" Käfer befassten (eine davon umfasste sogar 18 Seiten!).

Lebensweise:
Es gibt zahlreiche Bockkäferarten, die benagen frische Rinde und schädigen auf diese Weise die Bäume, deshalb war ich froh, dass "meiner" am Boden lebt, und sich dort "nur" (zu dem "nur" komme ich später :roll: ) von Gräsern, Blättern oder den Stängel krautiger Pflanzen ernährt, das heißt, er verschmäht die Oliven- und Mandelbäume, die mir am Herzen liegen. Ich war beruhigt, denn an den Rändern (márgenes) der terrassierten Felder (bancales) wachsen genug Gräserarten, die nicht oder kaum von Landmaschinen entfernt werden (können), und den Käfern somit einen reich gedeckten Tisch bieten.

Doch dann las ich weiter:
"Die Larven aller Erdkäfer sind reine Pflanzenfresser, die sich vor allem von Holz ernähren., doch einige Arten , so wie "meiner", leben auch in krautigen Pflanzen oder in der Erde, wo sie sich von Wurzeln ernähren." Hmmm.... :-?

Lebenszyklus:
Die Eiablage erfolgt direkt in die Nahrungspflanze der Larven. Dabei nagen die Weibchen vor der Eiablage ein Loch in die Stängel der Wirtspflanzen - in Fall "meines" Käfers" waren es Grashalme -– und legen das Ei dort hinein.

Die Larven der Erdböcke ernähren sich später von den Wurzeln der Gräser. So weit, so gut und nicht weiter beunruhigend.

Die Dauer der Larvenzeit hängt vom Nährstoffgehalt und damit auch von dem Zustand der Pflanze ab, in der die Larve lebt. Bei den meisten Arten dauert sie ein bis zwei Jahre, kann bei Trockenheit aber auch noch länger dauern.
Danach erfolgt die Verpuppung und die Metamorphose zum adulten Käfer.

Diese paaren sich dann wieder (auch schon mal mit anderen Unterarten), und das Weibchen legt dann im Laufe seines Lebens zwischen 50 und 100 Eier (und zwar an der Stelle, wo es selbst ausgeschlüpft ist).

Nur jetzt kommt sie, DIE Ausnahme, die wahrscheinlich noch kein spanischer Entomologe (Käferkundler) berücksichtigt hat:
Rasen Anfang Juni.JPG
Anfang Juni noch ein Vorzeigerasen

"Mein Käfer" steht gar nicht auf trockene Wildgräser und Disteln :-P , denn nachdem er meinen saftig grünen Rasen (vier gota frías haben uns im vergangen Winter/Frühjahr innerhalb von 5 Monaten heimgesucht) erspäht hatte, stürzte er sich offenbar völlig ausgemergelt auf das frische Grün, legte in die saftigen Grashalme seine Eier und die gefräßigen Larven verschwanden schnurstracks im Boden.
Rasen grün DSC_0240.JPG

Hört sich immer noch nicht sooo schlimm an. Dann las ich aber, dass es sich bei den Larven um Engerlinge handelt. Dicke, weiße - und vermutlich sehr proteinreiche Schädlinge. Die spanische Naturwissenschaftler sehen darin keine Plage, denn auf ihrem Plan stehen höchstens Schädlingen in Kulturlandschaften, aber nicht in Zierrasen spanischer Gärten. :mrgreen:

Über die Schäden der Engerlinge konnte ich nur so viel erfahren, dass sie ihre Wirtspflanze von den Wurzeln her zerstören und sich bei Bedarf über weitere Wurzeln in der Nachbarschaft hermachen.
Da halfen mir deutschsprachige Gartenseiten weiter: In Mitteleuropa hat man oft mit Schäden durch Engerlinge im Rasen, z. B. die des Junikäfers zu tun:

    " Engerlinge können bei massenhaftem Auftreten vielen Rasenflächen einen hohen Schaden zufügen, da sie sich von den Wurzeln der Gräser ernähren. Meist fällt der Schaden aber erst auf, wenn der Rasen braune Flecken hat. Bis zu vier Jahren können sie im Larvenstadium im Boden leben. Wenn sie sich dann verpuppen, sind sie aber immer noch für einige Zeit im Boden zu finden."
    Quelle


Diese Auffälligkeiten decken sich auch mit dem Aussehen meines Rasens, der sich - wie nach Lehrbuch- vorschriftsmäßig von den Wurzeln löste,
Rasen trocken rausgezogen DSC_0236.JPG
Der rausgezogene Rasen war am Ende schimmelig, wohl eine Folge des feuchten Umfeldes

nachdem er sich durch die starken Regenfälle so prächtig wie noch nie seit seiner Aussaat entwickelt hatte und noch Anfang Juni saftig grün war. Dann entstanden in den folgenden Wochen braune "Nester" im Rasen, die ich problemlos rausziehen konnte. Noch machte ich eine Krankheit dafür verantwortlich, wurde aber nicht fündig. Nun kenne ich endlich die Ursache für das Sterben meines Rasens.
Rasen braune Stellen.JPG
erste braune Stellen zeigen sich

Abhilfe versprechen lt. deutscher Gartenexperten der Einsatz von Nematoden (Fadenwürmer), da das "Heraussammeln der Engerlinge sehr mühsam und eigentlich fast unmöglich" ist. "Häufig muss auch der gesamte Rasen frisch ausgesät werden". ¡Felicidades! Dabei war ich so stolz auf mein grünes Handtuch im Garten, das mangels Masse zu 99,9 % unkrautfrei ist.
Doch was soll ich machen? Ekelige Fadenwürmer gegen meine Engerlinge einsetzen? Die Landwirtschaftskammer NRW macht mir nur wenig Hoffnung, denn sie schreibt auf ihrer Website: "Bei stärkerem Befall bleibt meist nicht anders übrig, als den Rasen umzubrechen und neu auszusäen." Versuchsweise könne man auch eine Bekämpfung mit Nematoden (Steinernema carpocapsae) ausprobieren. Na, Mahlzeit!

Meine Frage:
Hat von euch schon jemand Erfahrungen mit dem Einsatz von Nematoden machen können?

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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion (Schädling im Garten)

Beitragvon balina » So 19. Nov 2017, 02:20

Ja, ich gieße sie erfolgreich gegen die Dickmaulrüßler in meinem Garten. In dem Jahr, in dem ich sie ausbringe, ist Ruhe. Mache ich es mal nicht, haben meine Rhododendren gleich wieder gebuchtete Blätter.

Wenn die Nemathoden keine Dickmaulrüßler mehr finden, sterben sie ab.

Diesind so dünn und winzig, die sieht man nìcht.
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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion (Schädling im Garten)

Beitragvon Oliva B. » So 19. Nov 2017, 10:03

Danke, balina, dass du mir Mut machst. Dann werde ich mir die Fadenwürmer :-P bestellen und hoffen, dass sie sich satt fressen.
Reicht das einmalige Gießen im Frühjahr? Ich hoffe, dass die Würmer nicht an der Rasenoberfläche verdorren, sondern sofort ihren Weg ins Erdreich finden.

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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion (Schädling im Garten)

Beitragvon balina » Mo 20. Nov 2017, 18:38

So auswendig weiß ich es jetzt gar nicht. Für das Ausbringen mit der Gießkanne im April sind Mindesttemperaturen, die in meinem Fall auf der Verpackung standen, notwendig. Da man ja mit der Gießkanne die Tierchen vergießt, würde ich, wenn es brühheiß ist, den Rasen sicherheitshalber noch einmal mit Wasser besprengen.

Die Nematoden siehst du garantiert nicht. Es sei denn, du läufst mit dem Mikroskop über den Rasen oder hievst die, in der Pottwal-Plazenta lebende Placentonema gigantissima auf deine Wiese. Weibchen erreichen eine Länge von bis zu 8,40 m und einen Durchmesser von 2,5 cm, die Männchen werden nur 4 m lang bei einem Durchmesser von 0,9 cm. . :-P

Quelle

Schon irre diese Vielfalt. Aber Angst oder Ekel vor den Nematoden, die deine Käfer bekämpfen sollen, brauchst du nicht zu haben.
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Re: Bockkäfer: Iberodorcadion (Schädling im Garten)

Beitragvon Oliva B. » Di 21. Nov 2017, 19:22

Vielen Dank für deine beruhigende Antwort, balina. Dann will ich es mal mit den "Würmern" :-P versuchen.


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