Die männermordende Gottesanbeterin

Artenreiche Tier- und Unterwasserwelt; hier könnt ihr Tiere vorstellen, die an der Costa Blanca heimisch sind.
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Oliva B.
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Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Oliva B. » Mi 21. Jul 2010, 23:03

5 Bein eingeklappt.JPG
Gottesanbeterin mit eingeklappten Fangbein
Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa), die ihren Namen ihrer typischen Körperhaltung mit den angewinkelten Beinen verdankt, ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Vertreterin der Fangschrecken (Mantodea), verwandt mit Termiten und Schaben.
Im Mittelmeerraum findet die Gottesanbeterin zahlreiche Lebensräume, in Mitteleuropa kommt sie hingegen nur in wärmeren Gefilden vor. In Deutschland, wo sie als„gefährdet“ eingestuft wurde und weder gefangen noch gehalten werden darf, z.B. am Kaiserstuhl.
10 von vorne.JPG
Von vorne erwischt...

Ihr Oberkörper ist auffällig verlängert und der relativ kleine, dreieckige Kopf mit den seitlichen Facettenaugen,
2 Facettenaugen.JPG
Facettenaugen
2 Facettenaugen.JPG (42.3 KiB) 2082 mal betrachtet
mit denen die Gottesanbeterin sehr gut sehen kann, ist völlig frei beweglich. Nach vorn ragt der kräftige Mund mit seinen Beiss- und Greifwerkzeugen.
3 Kauwerkzeuge.JPG
Man erkennt die kräftigen Kau- und Greifwerkzeuge

Das vordere Beinpaar besteht aus kräftigen, mit Dornen besetzen Fangbeinen,
6 dornenbewehrt.JPG
Deutlich erkennbar: Die mit Dornen besetzen Fangbeine
mit denen sie ihre Beute festhält, und die sie im Ruhezustand eingeklappt. Sie schleicht sich langsam an ihre Beute heran, lähmt diese mit einem Biss ins Genick und frisst sie auf.
6 immer helle wach.JPG
Immer hellwach-
7 Warten auf Beute.JPG
-wartet sie auf ihre Beute.
Normalerweise frisst sie kleine Insekten, im Mittelmeerraum stehen sogar Jungvögel und kleine Wirbeltier auf ihrem Speiseplan. Mord im Efeugewächs
Die zwei hinteren Beinpaare sind Schreitbeine.
4 Kletterer.JPG
Die Gottesanbeterin kann nicht gut fliegen, aber gut klettern.

Das kleine vordere Flügelpaar verdeckt in Ruhestellung die hinteren Flügel.
9 Unterleib an der Scheibe.jpg
Hier präsentiert eine Gottesanbeterin ihre Unterseite an einer Fensterscheibe.
Doch trotzdem ist das Weibchen der tagaktiven Fangschrecken fast flugunfähig, im Gegensatz zu dem beweglichen Männchen, das aber auch nur kurze Distanzen überwinden kann. Wie auch bei anderen Fangschreckenarten kommt es gelegentlich vor, dass das größere Weibchen (75 mm bis 80 mm) das kleinere Männchen (ca. 60 mm) während oder nach der ca. zweistündigen Paarung auffrisst, um ihren Eiweißbedarf zu decken. Danach legt sie 200 bis 300 Eier in Kokons, aus denen die Larven im Frühjahr schlüpfen.
Das Insekt lebt nur ein Jahr. Seine Farbe reicht von lindgrün über gelblich bis braun und sogar fast schwarze Exemplare findet man in Gebieten, in denen es früher mal gebrannt hat.
1.JPG
Eine kleine, grüne Gottesanbeterin,
8 braun.JPG
ein großes, braunes Exemplar

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Citronella » Do 22. Jul 2010, 16:29

@ Oliva,

du hast ja eine ganze Sammlung dieser männermordenden Fangschrecken :-o

Bei mir im Garten treffe ich auch öfters auf diese Spezies, erst verhalten sie sich total ruhig (so dass ich sie nicht wahrnehme) und wenn ich unbedarft in den Strauch greife, machen sie einen Satz und ich erschrecke mich zu Tode. So erging es mir gestern mit einer Biene. Sie hat sich bedroht gefühlt und ordentlich am Ellbogen zugestochen. Dieser ist ziemlich angeschwollen und heiß, sodass ich jetzt leicht lädiert (mit Kühlverband) am Computer sitze.

Saludos
Citronella

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Florecilla » Do 22. Jul 2010, 19:33

Tolle Bilder, Oliva. Am besten finde ich die Aufnahme "von unten" an der Glasscheibe.

Deine Bilder haben mich auf eine Begegnung während einer Montgo-Wanderung gebracht:

IMG_0429.jpg
IMG_0430.jpg
IMG_0432.jpg
IMG_0446.jpg


Ein grünes Exemplar ist mir noch nicht vor die Linse gekommen. Die unterschiedlichen Färbungsvarianten entstehen übrigens nach den einzelnen Häutungen als Anpassung an die Umgebung (sagt Wiki).
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Oliva B. » Fr 23. Jul 2010, 00:31

Sind das schöne Nahaufnahmen, Florecilla. Mein Kompliment an die Fotografin. Ich fotografiere zwar viel, nehme mr aber zu wenig Zeit für die Fotos.

Florecilla hat geschrieben:Ein grünes Exemplar ist mir noch nicht vor die Linse gekommen. Die unterschiedlichen Färbungsvarianten entstehen übrigens nach den einzelnen Häutungen als Anpassung an die Umgebung (sagt Wiki).


Die grünen Gottesanbeterinnen fand ich dieser Tage an der Küste. Da ist es durch die vielen Gärten grüner als hier. Die Farbe könnte also durchaus für die Anpassung an die Umgebung sprechen.
Die Dunkle habe ich im letzten Herbst im Hinterland fotografiert.

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Florecilla » Fr 23. Jul 2010, 08:28

Oliva B. hat geschrieben:Sind das schöne Nahaufnahmen, Florecilla. Mein Kompliment an die Fotografin.

Vielen lieben Dank. So kleine Viecherl fotografiere ich gerne. Leider halten die nicht immer so still und meine kleine Digicam scheint auch ein Eigenleben zu haben und mag nicht immer so wie ich.
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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Mord im Lavendel

Beitragvon Oliva B. » Fr 27. Aug 2010, 19:37

9 abends.JPG
Nicht immer sind sie so harmlos...
1.JPG
Diese habe ich in flagrante erwischt!!!
2.JPG
Diese Gottesanbeterin hat sich einen wunderschönen
4.JPG
Segelfalter geschnappt (wir haben gerade in unserem August-Rätsel darüber berichtet)
5.JPG
und verspeist den
6.JPG
saftigen Körper in
7.JPG
"Null-Komma-Nichts".
9.JPG
Danach betrachtet sie mit ihren Glubschaugen voller Stolz ihre Mordwerkzeuge.
8 verschähter Rest.JPG
Die bunten Flügel hat sie verschmäht.
Segelfalter.JPG
So sah er mal aus...
Segelfalter.JPG (60.46 KiB) 2035 mal betrachtet

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Florecilla » Fr 27. Aug 2010, 21:08

Tolle Aufnahmen, Oliva. Dass du aber auch immer deine Kamera dabei hast ... klasse.
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Akinom » Fr 27. Aug 2010, 22:07

:-D :-o
Wahnsinn - fantastische Aufnahmen - ich bin begeistert :!: :-D
Oliva, das ist ja ganz toll, wie Du das "Beute erlegen" eingefangen hast! - So etwas hab ich noch nie gesehen!
Florecilla, eine Gottesanbeterin mit Flügeln :!: :?: Habe ich auch noch nie gesehen.

Wirklich ganz toll :-D

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Florecilla » Fr 27. Aug 2010, 22:24

Akinom hat geschrieben:Florecilla, eine Gottesanbeterin mit Flügeln :!: :?: Habe ich auch noch nie gesehen.


Zitat aus Tierdoku.com - Interaktives Tierlexikon:
"Die Europäischen Gottesanbeterinnen verfügen über zwei Flügelpaare, die in Vorderflügel und Hinterflügel unterteilt sind. Die Vorderflügel sind Deckflügel, die die filigranen Flugflügel im Ruhezustand abdecken. Die Hinterflügel (Alae) sind filigran und im Ruhezustand unter dem Deckflügel wie ein Fächer zusammengefaltet. Anhand der Flügellänge kann man die Geschlechter weitestgehend unterscheiden. So ragen generell die Flügel bei dem Männchen über den Hinterleib (Abdomen) hinaus, während die Flügel bei dem Weibchen noch nicht einmal den ganzen Hinterleib bedecken. Des weiteren sind die Männchen durch den kleinen und zierlichen Körper in der Lage weite Strecken zu fliegen. Weibchen hingegen nutzen die Flügel meist nur, um einen Ortswechsel von ein paar Metern zu vollziehen. Je nach Ernährungs- und Trächtigkeitszustand haben sie teilweise ein so massiges Abdomen, dass die Flügel sie nicht mehr tragen können."


Ich glaube, man sieht die Gottesanbeterinnen einfach selten "im Flug". Wenn sie einem trotz ihrer Tarnung auffallen, sitzen sie regungslos und majestätisch verharrend auf Beute lauernd versteckt - kommt mir auf jeden Fall so vor.
Hasta luego,
Florecilla (Margit)

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Re: Die männermordende Gottesanbeterin

Beitragvon Citronella » Sa 28. Aug 2010, 13:32

Hallo Oliva,

super Fotos, man sieht das Schmatzen förmlich. Schade um den schönen Falter.

Saludos
Citronella


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